Steinhoff

Was der Kika/Leiner-Deal für die Branche bedeutet

Nun haben die Spekulationen und Dementis der letzen Wochen ein Ende. Wenn die Kartellbehörden ihr Okay geben, wird der Steinhoff-Konzern nun auch im DACH-Raum zu einer Handelsmacht – immerhin macht

Nun haben die Spekulationen und Dementis der letzen Wochen ein Ende. Wenn die Kartellbehörden ihr Okay geben, wird der Steinhoff-Konzern nun auch im DACH-Raum zu einer Handelsmacht – immerhin macht die österreichische Kika/Leiner-Gruppe eines Jahresumsatz von 1,2 Mrd. Euro. Ein Kaufpreis von über 500 Mio. Euro soll augehandelt worden sein, wie österreichische Medien vermuten. Die zunächst kolportierten 800 Mio. Euro seien dann doch ein wenig zu hoch angesetzt gewesen, heißt es.
In einer Pressemitteilung, die die Österreicher gestern verschickten, zeigte sich Aufsichtsratspräsident Herbert Koch von dem Deal vollends begeistert, denn strukturell passe es zwischen den beiden Unternehmen bestens: "Als in diesem Land groß gewordenes Familienunternehmen war es für uns auch entscheidend, dass mit dem neuen Eigentümer der Erhalt der Marke, Kontinuität und Sicherheit für die Arbeitsplätze gegeben sind. Daher haben wir uns für Steinhoff entschieden – auch deshalb, weil Steinhoff heute nicht nur ein extrem erfolgreiches, börsennotiertes Unternehmen ist, sondern auch – wie wir – aus einem Familienunternehmen entstanden ist und dieselbe Qualitätsphilosophie hat."
Das mag historisch richtig sein, heute hat der Mischkonzern Steinhoff aber nicht mehr viel mit seinen Wurzeln zu tun. Die südafrikanische Holding beschäftigt sich sowohl mit Rohstoffen, Immobilien und Dienstleistungen als auch mit Einzelhandel und der Produktion von Konsumgütern. Mit 80.000 Mitarbeitern hat der Konzern seinen Umsatz 2012 von 3,35 auf 6,8 Mrd. Euro hochgeschraubt ? größtenteils durch den Zugang von Conforama ? und 545 Mio. Euro Gewinn geschrieben.
In Deutschland ist Steinhoff lange Jahre überwiegend für seine Polstersparte bekannt gewesen; sie ist aber im internationalen Konzerngefüge nur eine kleine Nummer. Die in Brunn am Gebirge in Niederösterreich angesiedelte Europa-Division macht insbesondere mit Einzelhandel bzw. Möbelhandel von sich reden. In Frankreich hat sich Steinhoff Europe mit dem Erwerb von Conforama mal eben einen Marktanteil von 15 Prozent gekauft, darüber hinaus ist der Filialist auch in Spanien, Portugal, Italien und in der Schweiz vertreten. In Großbritannien ist Steinhoff schon lange im Einzelhandel aktiv. Nun mit einem großen Knall auch in Österreich. Und in Deutschland? Warum sollte hier nicht auch eine Branchengröße über kurz oder lang an Steinhoff gehen?
Und wie steht es jetzt um Steinhoff als Produzent? Um es ganz deutlich zu sagen: Die Polstermöbel-Division hat im Handel wohl einigen Kredit verspielt, wenn man die Ankündigungen auf den letzten Verbandsmessen ernst nimmt. Ein Verbandsgeschäftsführer, den wir vor Wochen zu den Gerüchten befragt haben, drohte bereits mit der Auslistung von Steinhoff, sollte an den Spekulationen etwas dran sein. Es ist nun einmal so, dass der deutsche (stationäre) Handel nichts weniger akzeptiert als die Vertikalisierung. Ein Hersteller, der seine eigenen Produkte über ein eigenes Handelsnetz direkt vermarktet? Nach wie vor ein Tabu.
Der internationalen Steinhoff Holding wird das inzwischen relativ gleich sein, schließlich liegt der Umsatz der Polstermöbelproduktion deutlich unterhalb der einst unter Andreas Bogdanski angestrebten 180 Mio. Euro. Wenn das weltweite Steinhoff-Handelsimperium aber weiter in dem Maße wächst, könnte eine zufriedenstellende Auslastung der vorwiegend osteuropäischen Fabriken allein mit Aufträgen aus den eigenen Häusern klappen – als Produktionsstätten für Handelsmarken.
In jedem Fall sind Gesamtvertriebsleiter Jens Frühling und sein Team aktuell nicht um ihre Jobs zu beneiden, denn sie müssen sich nun viele Fragen gefallen lassen – die sie doch gar nicht beantworten können, weil sie den Mechanismen eines internationalen Firmengeflechts ausgesetzt sind.
Fest steht, dass die Konkurrenz die Gunst der Stunde wittert und die Drähte glühen lässt. Welcher Hersteller vom Kaliber eines Polipol oder der 3C-Gruppe würde es jetzt nicht darauf anlegen, wackelnde Flächen im Handel zu erobern.
Zum Schluss eine kleine Bemerkung am Rande: Einige Möbel-Gazetten habe lange Jahre keine Mühen gescheut, um Beteiligungen von Steinhoff an XXXLutz aufzudecken. Aber Kika/Leiner plus Lutz? Das wäre doch selbst für Steinhoff zu viel des Guten…