Weinig/HolzHer

Zwei starke Marken unter einem Dach

Sie freuen sich auf die Zusammenarbeit: Walter Fahrenschon, Vorstandsvorsitzender der Weinig AG und vorübergehend auch Geschäftsführer von Holz-Her und Frank Epple, Gesamtvertriebsleiter von Holz-Her sprechen eine gemeinsame Sprache und stehen

Sie freuen sich auf die Zusammenarbeit: Walter Fahrenschon, Vorstandsvorsitzender der Weinig AG und vorübergehend auch Geschäftsführer von Holz-Her und Frank Epple, Gesamtvertriebsleiter von Holz-Her sprechen eine gemeinsame Sprache und stehen mit Herzblut hinter den Produkten der Unternehmen. Am vergangenen Freitag gab Walter Fahrenschon erstmals Details zur Übernahme von Holz-Her durch die Weinig AG auf einer kurzfristig angelegten Pressekonferenz bekannt. Weinig hatte den insolventen Maschinenbauer offiziell zum ersten April übernommen, nachdem dieser durch zurückgefahrene Kreditlinien wegen einer fehlenden Einigung mit der Beteiligungsgesellschaft Hannover Finanz und mangelhaftem Frischgeldvolumen bei anziehendem Markt und neuen Verpflichtungen nach der Ligna zunehmend in Schieflage gekommen war.
Weinig plant mit Holz-Her eine klassische Zwei-Marken-Strategie unter dem Dach der Weinig AG zu fahren, sieht in dem Unternehmen eine Ergänzung und Bereicherung in den verschiedensten Bereichen. Ganz grundsätzlich erweitert der klassische Massivholzspezialist mit Holz-Her sein Produktportfolio um den gesamten Holzwerkstoffplattenbereich, ein Gebiet, auf dem Weinig bis dato nicht präsent war. Bestehende Lücken zwischen den Produktangeboten wie etwa dem Fensterbau sollen mit dem gebündelten Weinig- und Holz-Her-Know-how schnell geschlossen werden. Darüber hinaus soll es Synergien innerhalb des Verbunds geben: Holz-Her besitzt eine Produktionsstätte für Stahlbau. Weinig hat hier keine eigene Produktion, aber zunehmenden Bedarf. Holz-Her wiederum profitiert von der hohen Produktqualität der Weinig-Erzeugnisse und den umfangreichen Automatisierungskenntnissen Weinigs.
Außerdem erhoffen sich die Tauberbischofsheimer weitere Marktanteile für beide Unternehmen durch die hinzugewonnene Vertriebsstruktur Holz-Hers. Wobei es bei den bislang angestammten Wegen mit direkter Vermarktung bei Weinig und Händlern seitens Holz-Her innerhalb Deutschlands bleiben soll. In Ländern, in denen auch Weinig über Händler vertreten ist, sollen auf absehbare Zeit die jeweils stärksten Händler beide Marken führen. Auslandsvertretungen werden künftig zusammengeführt. Und dort, wo es direkten Kundenkontakt gibt, auch unter Weinig-Holz-Her firmieren, während es sonst eine klare Trennung geben soll.
Das bislang alle Händler Holz-Her treu geblieben sind, ist beinahe eine kleine Sensation. "Wir haben nur einen Wackelkandidaten, mit dem wir alle Unstimmigkeiten aber sicherlich auch noch beseitigen können." betont Frank Epple. "Ansonsten sind alle 64 Handelspartner weiterhin mit im Boot."
Natürlich gibt es für beide Firmen jetzt viel zu tun, schon allein im Bereich Personal. Durch die Insolvenz war die Mitarbeiterzahl bei Holz-Her (inklusive Österreich) auf 300 Mitarbeiter zusammengeschrumpft, Engpässe sollen aus dem Pool der AG gelöst werden. "Auf lange Sicht wollen wir die Mitarbeiterzahl natürlich wieder erhöhen, wenn die Produktivität dies rechtfertigt." vermeldet Fahrenschon. Für das laufende Geschäftsjahr erhofft sich Weinig bei Holz-Her einen Umsatz von 50 Mio. Euro, also genauso viel wie 2009. Danach lautet das Fernziel "Verdopplung".