AEG-Electrolux

Zitterpartie um Nürnberg geht weiter

Die Schließung des Nürnberger AEG-Werks wurde zwar vertagt, aber eine endgültige Lösung scheint immer noch nicht in Sicht. Bei dem gestrigen Pressetreffen mit deutschen Fachjournalisten in der Stockholmer Electrolux-Konzernzentrale unterstrich

Die Schließung des Nürnberger AEG-Werks wurde zwar vertagt, aber eine endgültige Lösung scheint immer noch nicht in Sicht. Bei dem gestrigen Pressetreffen mit deutschen Fachjournalisten in der Stockholmer Electrolux-Konzernzentrale unterstrich Vorstandschef Hans Straberg noch einmal, dass sich der Konzern die Entscheidung nicht leicht mache. Doch es sei nun mal eine Tatsache, dass einerseits die Preise u. a. für Materialien, Logistik, Altgeräteentsorgung steigen, während der Verbraucher oft nicht bereit ist, dies entsprechend mitzutragen. Stattdessen geht der Preisverhau insbesondere bei freistehenden Waschmaschinen und Geschirrspülern und damit der Verlust von Margen unvermindert weiter. Ein Branchenproblem, das sich längst durch die Aktivitäten der Mitbewerber verschärft hätte. So hat die BSH bereits seit einiger Zeit die Produktion ins Ausland verlagert und wird nun Cerkezköy bei Istanbul zum konzernweit größten Standort. Aktuell plane ebenfalls Samsung, Kapazitäten in Osteuropa aufzubauen. Ein Beispiel dafür, wie Unternehmen aus Asien in die Nähe der europäischen Kernmärkte rücken und damit die bisherige Hemmschwelle durch hohe Logistikkosten überwinden. Überdies werde nach Ansicht Strabergs auch die Qualität asiatischer Hersteller unterschätzt.
Doch aus Sicht der AEG relativierte Straberg den aktuellen Wettbewerbsdruck noch einmal in Richtung BSH: "Nicht die Asiaten haben die Preise gedrückt, sondern die anderen, die früher in die Türkei gegangen sind." Mit der Folge, dass auch von Händlerseite der Druck verstärkt werde, indem sie den Preisvergleich von Siemens- und AEG-Geräten ausspielen.
Im Zuge der Globalisierung sei "made in Germany" ohnehin kein Argument mehr: "Wen interessiert heute noch, wo etwas hergestellt wird?" so Straberg mit Seitenblick zum Beispiel auf die Handy-Branche. Bereits jetzt werde 60 Prozent der in Deutschland verkauften Weißen Ware außerhalb des Landes hergestellt. Den Prozess der Verlagerung in Billiglohnländer wolle Electrolux zwar nicht vorantreiben, doch könne man sich der Realität nicht entziehen: "Auch wir müssen Anpassungen vornehmen, weil sich die Dinge ändern."
Von Arbeitsnehmerseite wurden bereits Zugeständnisse von 15 Mio. Euro angeboten (laut Bericht der "Welt"), doch dies ist offensichtlich noch zu wenig. Derzeit will der Konzern weitere Sparpotenziale prüfen. Diskutiert wird ein Weg, bei dem u. a. nur ein Teil der Produktion ausgelagert wird (Fertigung von Vorprodukten und Trocknern) und wie die insgesamt ineffiziente Fertigungsstruktur zu straffen ist. Auf jeden Fall wird angestrebt, die Zukunft des Nürnberger Werkes noch bis Ende des Jahres zu klären.