Im Vorfeld der Aktienübernahme bei Alno sorgt Prevent für Schlagzeilen.

Alno

Wird künftiger Hauptaktionär Prevent zum Risikofaktor?

Seit Donnerstag beschäftigt die Auseinandersetzung zwischen VW und der Prevent-Gruppe die Medien, weil letztere die Belieferung von Sitzbezügen und Motorteilen der Tochterfirmen Cartrim und ES Automobilguss aufgrund von Vertragsdifferenzen verweigert. Ein spektakulärer Streit zwischen David und Goliath, bei dem ein kleiner Zulieferer einen Global Player lahmlegt. Immerhin schickt der Autokonzern derzeit wohl 20.000 Beschäftigte in Kurzarbeit. Und der Stillstand belastet nicht nur Handel und Kunden, sondern wiederum andere Zulieferbetriebe. Die Frage ist: Wer bezahlt diesen Streit am Ende?

So mutig und berechtigt die Auseinandersetzung sein mag, wird diese jedoch von Wirtschaftsexperten als hochriskant eingestuft. Denn auf den aktuellen Produktions- und Lieferausfall wird der VW-Konzern sicher seinerseits mit Regressansprüchen reagieren, deren Höhe kaum absehbar ist. Keine guten Voraussetzungen für Alnos neuen Kapitalgeber.

Wie Spiegel online berichtet, handelt es sich bei Prevent um eine bosnische Unternehmensgruppe mit Hauptsitz in Slowenien. In Bosnien-Herzegowina zählen 15 Produktionsstandorte mit 6.500 Mitarbeitern zum Unternehmen sowie eine eigene Bank. Eine Tochter, die Prevent TWB, hat sich auf Sitzstrukturen spezialisiert. Bezug zur Möbelbranche gibt es durch Interieur- und Sofasstoffe und unter dem Namen Neofacture gehört auch ein Hersteller von Polstermöbeln zur Gruppe – der mit Machalke und Wössner unter dem Dach von Prevent Home zusammengefasst ist.

Der Gründer der ASA Prevent-Gruppe ist der bosnische Geschäftsmann und Ingenieur Nijaz Hastor mit Wurzeln in der Automobilindustrie. Durch Übernahmen mehrerer Zulieferbetriebe baute er erfolgreich nach westlichen Managementmuster die Gruppe aus. Die Familie Hastor gilt in Bosnien-Herzegowina heute als eine der reichsten des Landes. Einen Großteil des operativen Geschäfts hat Nijaz Hastor an seine Söhne Kenan und Damir abgetreten. Kenan Hastor hat als Geschäftsführer der frisch in Braunschweig gegründeten Firma Tahoe Investors GmbH eine Call-Option bis zum 31. Oktober bei Alno für 14,08 Prozent Anteil am Grundkapital.

 

Nachtrag:

Im heute veröffentlichten Habjahresbericht gibt Alno ein Umsatzplus von 6,6 Prozent bei 228,261 Mio. Euro gegenüber dem Vorjahreszeitraum an (jeweils bereinigt um den Verkauf von Impuls). Das Produktionsvolumen habe sich indes um 13 Prozent gesteigert, parallel ist von 60 neuen Stellen die Rede. Die Rohertragsmarge konnte sich im ersten Halbjahr von 43,6 auf 44,8 Prozent verbessern, das bereinigte EBITDA fiel aufgrund von Sonderaufwendungen mit -13,5 Mio. Euro um 5,2 Mio. Euro geringer aus als im ersten Halbjahr 2015.

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