IVSH-Bürokratiemonitor 2024
„Wir verwalten uns zu Tode“
Der Industrieverband Schneid- und Haushaltwaren (IVSH) präsentiert den Bürokratiemonitor 2024 und warnt eindringlich vor der zunehmenden Belastung durch Bürokratie für die Branche. „Wir verwalten uns zu Tode“, betont der IVSH-Vorsitzende
Der Industrieverband Schneid- und Haushaltwaren (IVSH) präsentiert den Bürokratiemonitor 2024 und warnt eindringlich vor der zunehmenden Belastung durch Bürokratie für die Branche. „Wir verwalten uns zu Tode“, betont der IVSH-Vorsitzende Ralf Zimmermann und verweist auf die dramatisch gestiegenen Anforderungen der letzten Jahre.
Über 70 Prozent der IVSH-Mitglieder haben sich an der Erhebung beteiligt, die die Bürokratielast der gesamten Branche widerspiegelt. Besonders betroffen sind demnach kleine und mittelständische Unternehmen (KMU), die fast 90 Prozent der Branche ausmachen. Während Großunternehmen über die Ressourcen verfügen den gestiegenen regulatorischen Anforderungen halbwegs zu begegnen, fehlen KMU oft die Kapazitäten. Der Bürokratiemonitor zeige, dass die Bürokratiekosten bei KMU bis zu drei Prozent des Jahresumsatzes erreichen – eine alarmierende Zahl, die dringend benötigte Mittel für Innovationen und Wachstum binde. Dies habe negative Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen und den Erhalt von Arbeitsplätzen, so der IVSH.
Der Monitor zeige, dass sich 93 Prozent der befragten Unternehmen durch Bürokratie in ihrem unternehmerischen Handeln eingeschränkt fühlen, 55 Prozent sogar stark oder sehr stark. Die Bürokratiekosten steigen seit Jahren und nehmen wertvolle Ressourcen in Anspruch, die für die Entwicklung neuer Produkte und Technologien dringend benötigt werden. 92 Prozent der Unternehmen bestätigen, dass die durch Bürokratie verursachten Kosten in den letzten fünf Jahren deutlich zugenommen haben, was die Wettbewerbsfähigkeit der Branche weiter gefährde.
Neben den positiven Bemühungen der Bundesregierung Entlastungen zu realisieren, wie dem Vierten Bürokratieentlastungsgesetz (BEG IV), beklagen viele Unternehmen den zunehmenden Regulierungsdruck aus Brüssel, der eventuelle Entlastungen wieder „auffrisst“. Verordnungen wie die Produktsicherheitsverordnung (GPRS), die Entwaldungsverordnung (EUDR) oder die neuen EU-Verordnungen zu EcoDesign und Nachhaltigkeitsberichtspflichten tragen zu einer unübersichtlichen Flut an Berichtspflichten und enormen bürokratischen Belastungen bei.
„Diese Verordnungen sind oft praxisfern, handwerklich mangelhaft und berücksichtigen die Realität des Mittelstands nicht – dies gefährdet zunehmend unseren Standort und die Wettbewerbsfähigkeit unserer Industrie“, kritisiert Jan-Frederik Kremer, Geschäftsführer des IVSH. Besonders kleine Unternehmen sehen sich durch unrealistisch kurze Übergangsfristen, fehlende Leitfäden und Rahmenbedingungen und durch die enorme Komplexität der Vorschriften überfordert.
Trotz der ernüchternden Ergebnisse des Bürokratiemonitors sieht der IVSH Chancen für Entlastungen und fordert schnelle Maßnahmen. Der Verband schlägt unter anderem die Einführung eines Bürokratie-TÜVs und eines KMU-Checks vor, der neue Gesetze und Verordnungen auf ihre Praxistauglichkeit prüft. Ein weiteres Anliegen ist die Digitalisierung von Verwaltungsprozessen. Eine verbesserte digitale Infrastruktur könnte doppelte Meldepflichten reduzieren und Redundanzen abbauen.
Auch die EU-Verordnungen müssen praxisorientierter gestaltet werden, fordert der IVSH. Fristen und Übergangszeiten müssen realistischer geplant werden und Leitfäden und Standards vorliegen, um eine effiziente Umsetzung zu gewährleisten. Zudem sollten Behörden verstärkt als Partner agieren, die den Unternehmen bei der Umsetzung von Vorgaben helfen, statt als reine Kontrollinstanzen zu fungieren.

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