Femo-Trade und das Coronavirus

"Wir sind als Importeur einiges gewohnt"

Christian Fein und Uwe Mögebauer (Foto) sind gefordert. Die beiden Geschäftsführer des 2015 gegründeten Import-Unternehmens Femo-Trade sourcen zu 100 Prozent in China, das aktuell versucht, den Kampf gegen das Coronavirus zu führen und dennoch das Wirtschaftsleben am Laufen zu halten. Nun ist die Volksrepublik ein großes Land, weshalb Mögebauer auf regionale Unterschiede hinweist: "Bei unseren Produktionsstätten im Süden des Landes und in der Gegend rund um Shanghai sind die Bedingungen verhalten positiv, die Auflagen der Regierung sind zu spüren, aber rund um Wuhan gibt es sehr viel striktere Maßnahmen."

Der Informationsfluss gehe ohne Komplikationen vonstatten. In den Verwaltungen der Lieferanten werde der Großteil der Arbeiten mit Home-Office kompensiert, weshalb es so gut wie keine negativen Auswirkungen auf die Kommunikation gebe. "Die Kommunikation ist sehr intensiv", sagt Mögebauer. Dabei bekommt das Femo-Trade-Team auch einen Eindruck davon, wie es den chinesischen Partnern aktuell geht: "Wir hören, dass die Situation sehr professionell von der Regierung gemanagt wird, das normale Leben aber derzeit kaum stattfindet."

In der Fertigung laufen die Bänder wieder an, mancherorts seien bis zu 50 Prozent der Arbeiter wieder vor Ort. Die Situation der LKW-Fahrer reguliere sich ebenfalls wieder nach und nach. "Von normalen Zuständen sind wir aber noch weit entfernt. Die Chinesen setzen aber alles daran, die wirtschaftliche Delle möglichst klein zu halten."

Aktuell gilt es, Verzögerungen zwischen vier und sechs Wochen zu managen. Mögebauer hat alllerdings den Eindruck, dass komplette Produkte schneller wieder lieferfähig sein werden als zum Beispiel Zulieferteile oder Stoffe. Denn zunächst gehe es den Chinesen darum, die Supply Chain im eigenen Land aufrecht zu halten. Das Motto in den Lieferketten lautet offenbar „China first“, glaubt Mögebauer.

Die Logistik zeigt laut Mögebauer aktuell diverse Sollbruchstellen. Der Schiffsverkehr sei derzeit weitestgehend eingestellt. Das Phänomen der “Blank Sailings” ist allgegenwärtig. Mit diesem logistischen Begriff bezeichnet man den Ausfall einer Schiffsabfahrt. Dies kann bedeuten, dass nur bestimmte Häfen ausgelassen werden, oder der komplette Seetransport ausfällt. Die Probleme mit fehlenden Leercontainern häufen sich dementsprechend. Luftfrachten seien ebenfalls kaum noch wahrnehmbar. Am besten funktioniere derzeit der Eisenbahnverkehr über China Rail. Hier laufen die Transporte regelmäßig, seien dafür aber auch entsprechend teuer, was insbesondere bei Möbeln kaum einzupreisen sei.

Trotzdem verfällt man bei Femo-Trade nicht in Panik: "Als Importeuer sind wie ja einiges gewohnt. Starke Nerven gehören zur Grundausstattung in diesem Geschäft", sagt Mögebauer.

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