Branchenstimmen zur Übernahme der Mehrheit bei Brinkmeier durch den Einrichtungspartnerring.

Einrichtungspartnerring

Wie die Branche auf den Brinkmeier-Deal reagiert

Die Überraschung war perfekt, als Frank Stratmann, Hauptgeschäftsführer des Einrichtungspartnerrings, gestern bekannt gab, dass der Verband die Mehrheit bei Brinkmeier-Küchen in Rödinghausen übernommen hat. "Das ist sicherlich ein gewagter Schritt. Der Einstieg in ein Industrieunternehmen ist auch mit Risiken verbunden, die letzlich die Gesellschafter tragen müssten", kommentiert EMV-Geschäftsführer Helmut Ahlsdorf den Deal. "In der Vergangenheit hat sich schon oft gezeigt, dass Hersteller nicht die Funktion des Handels übernehmen können, da ihnen das Know-how fehlt - auch wenn sie dieses gerne wollen, um die Prozesskette zu verkürzen. Nun will ein Verband im Grunde als Hersteller tätig werden. Das ist natürlich reizvoll, aber auch hier stellt sich die Frage, ob das nötige Know-how dafür vorhanden ist. Zumal es heute ja schon viele Möglichkeiten gibt, als Verband in der Form von Kooperationen sehr eng mit der Industrie zusammenzuarbeiten und gemeinsam Modelle zu entwickeln. Für den EMV gilt: Jeder sollte das tun, was er kann - und wir meinen ein Miteinander von Handel und Industrie ist der richtige Weg."

âhnlich argumentiert auch Alliance-Geschäftsführer Andreas Varnholt: "Ich denke, hier zählt der Grundsatz: "Schuster, bleib bei deinen Leisten". So eine Konstellation hat in der Vergangenheit nicht funktioniert und das wird auch in Zukunft nur schwerlich funktionieren. Gerade in der stark konzentrierten Küchenbranche kann so ein relativ kleiner Marktteilnehmer wie Brinkmeier keine Kostenführerschaft bieten. Dazu kommt, dass die Produkte, gerade in der Küchenbranche, durch andere Hersteller leicht ersetzbar sind. Wir würden das jedenfalls nie machen. Das ist nicht unsere Aufgabe. Ein guter Verbandsmanager ist nicht automatisch auch ein guter Industriemann." Und Union-Geschäftsführer Hermann Jäger sagt ganz klar: "Die Union würde eine solche strategische Entscheidung nicht fällen."

Warum Brinkmeier seine Anteile verkauft hat, dürfte jedem einleuchten, der einen Bick in die Bilanzen wirft, die im Unternehmensregister des Bundesanzeiger veröffentlicht sind. Dort wies Brinkmeier für 2008 (-669.235,18 Euro) und für 2009 (-175.842,16 Euro) jeweils einen Jahresfehlbetrag aus. Das Eigenkapital reduzierte sich parallel dazu von 750.878,11 auf 581.518,28. Der Umsatz lag im letzten Jahr bei gut 27 Mio. Euro. Exklusiver Partner in der Verbandslandschaft ist seit Jahrzehenten der Einrichtungspartnerring. Darüber hinaus ist Brinkmeier in Benelux und Großbritannien aktiv. Für das Geschäftsjahr 2011 rechnet Brinkmeier laut Prognosebericht "nach einem konjunkturbedingt schwächeren Jahr 2010" mit einem Umsatzniveau von 27,3 Mio. Euro.

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