Neustart des Vertriebsmodells

Was will Mintjens?

Bei der belgischen Industriegröße Mintjens haben sich die Verantwortlichen nicht erst seit der Corona-Lage Gedanken über die Zukunft des Möbelgeschäfts gemacht. Doch die Konsequenz mit der das Unternehmen aus Westmalle ab morgen von B2B- auf B2C-Vertrieb umsatteln möchte, ist dann doch überraschend. Dem morgigen Schritt voraus ging ein Brief des Geschäftsführers Carl Mintjens an die Handelspartner vom 22. Januar 2021. Darin heißt es: „Wir sehen uns hiermit gezwungen, Ihnen mitzuteilen, dass ab dem 5.2.2021 keine Bestellungen mehr aus unseren Möbelsortimenten und bestehenden Möbelkollektionen aufgegeben werden können.“ Darüber wunderten sich nicht zuletzt einige deutsche Einkaufsverbände, die Mintjens-Möbel noch Ende des letzten Jahres in ihre Verbandskollektionen für 2021 aufgenommen haben. Diese fühlten sich nun mehr oder weniger hart vor den Kopf gestoßen.

Über die Motive äußert sich der Carl Mintjens in dem Schreiben folgendermaßen: „Diese Entscheidung ist Teil der Umstrukturierung unseres Unternehmens, wobei wir verpflichtet sind, uns an die aktuellen wirtschaftlichen Bedingungen anzupassen, die sich im letzten Jahr dramatisch verändert haben. Als Konsequenz aus Covid-19 werden wir unser Geschäftsmodell überdenken und neu erfinden müssen, aber wir können nicht ausschließen, dass wir in naher Zukunft unsere aktuelle Marktstrategie aufgeben müssen.“

Und dieser Fall ist sechs Wochen später offenbar eingetreten, wie die belgische Tageszeitung „Het Laatste Nieuws“ berichtet. Demnach verkauft Mintjens ab morgen direkt ab Werk an die Endverbraucher. Das Unternehmen sei der erste belgische Möbelfabrikant, der diesen Schritt unternehme, stellt „HLN“ fest. Diese Entscheidung ist genau 60 Jahre nach der Firmengründung durch Karel Mintjens getroffen worden – und zwar durch die nachfolgende Generation, die seit 2011 am Ruder ist. Seitdem ist sehr viel Geld in umweltfreundliche Fertigungstechnologien sowie in die Optimierung der Produktionsprozesse investiert worden.

Gegenüber „Het Laatste Nieuws“ erklärte Carl Mintjens: „Während Möbel früher ausschließlich über Geschäfte verkauft wurden, werden Möbel heutzutage immer mehr online gekauft. Verbraucher möchten auch näher an ihrer Marke sein und mehr Informationen über die Produktionsmethode erwarten. Seit der Coronakrise hat die lokale Produktion stark an Bedeutung gewonnen “, sagt der Möbelhersteller.

Unter dem Namen "Mintjens Factory Direct" gehe Mintjens deshalb nun den Schritt direkt zum Verbraucher und schalte den intermediären Handel damit aus. „Der Käufer kann daher Möbel günstiger kaufen und den Service des Herstellers und Designers der Möbel selbst in Anspruch nehmen. Als Unternehmen können wir direkter und ehrlicher mit unseren Kunden über unsere Werte Nachhaltigkeit und lokale Produktion kommunizieren.“

Natürlich stellen sich bei einem so radikalen Schritt dennoch einige Fragen. Denn mit einer lokalen Ausrichtung ließe sich für Mintjens der belgische Markt und vielleicht auch noch der gesamte Benelux-Raum effizient bearbeiten. International ist das hingegen wohl kaum möglich, denn in puncto Marketing-Spendings ist Mintjens wohl kaum in der Lage mit globalen vertikalen Brands mitzuhalten. Schließlich lag der Gesamtumsatz des Unternehmens zu besten Zeiten bei etwa 30 Mio. Euro. Es ist Mintjens zu wünschen, dass die regionale B2C-Ausrichtung das bisherige B2B-Geschäft auffängt. Sollte dies nicht der Fall sein, würde eine große belgische Möbelmarke zu einer lokalen Größe werden – mehr aber auch nicht.

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