Bewegung im Wohnwandmarkt: Die Übernahme von Schieder durch Forte wird für weitere Verschiebungen sorgen.

Wirbel im Wohnwandmarkt

Was steckt hinter Fortes Schieder-Deal?

Nun also doch Forte. Was gestern harmlos als "Absichtserklärung" deklariert wurde, sorgt für großen Wirbel im heiß umkämpften Segment der Wohnwände. In dem "letter of intent" heißt es, dass Forte "per 1. Juli 2011 die Wohnmöbelwerke Schieder übernimmt." Was bezwecken die Polen nun mit dem Kauf des schwankenden Schieder-Schiffes? Fest steht: Forte-Boss Maciej Formanowicz hat mit der Übernahme einen Konkurrenten weniger. Hinzu kommt der Messe-Faktor: Forte könnte sich ab sofort in Schieder-Schwalenberg angemessen präsentieren. Doch diese beiden Pluspunkte reichen allein nicht für eine Übernahme aus. Defizite hatte Forte im Bereich montierter Wohnwände. Diese Lücke kann mit dem Maschinenpark in Schieder geschlossen werden. Vor etwas weniger als zehn Jahren flossen die letzten großen Investitionen in die Produktionsanlagen, die somit noch State-of-the-Art sind. Zerlegte Ware soll in Schieder zukünftig überhaupt nicht mehr produziert werden.

Positiv zu vermerken ist, dass Steffen Urbschat weiter an Bord bleibt. Das hätte den Feuerwehrmann der Möbelbranche doch zu sehr gewurmt, wenn in der Schlussbilanz die komplette Schließung des traditionsreichen Standortes gestanden hätte.

Dennoch drängt sich der Verdacht auf, dass der Handel ein wenig Druck auf Formanowicz und den Forte-Geschäftsleiter Gert Coopmann ausgeübt und den beiden die Übernahme schmackhaft gemacht hat. Als günstige Beschaffungsquelle war Cotta nun mal ein beliebtes Einkaufsziel gewesen. Es wird viel Kraft kosten, den Handel davon zu überzeugen, dass man zuweilen auch mal kostendeckend produzieren muss, um langfristig eine Chance zu haben.

Durch den Deal ist der Markt zweifelsohne weiter in Bewegung geraten. Einen Dieter Hilpert, Inhaber Bega Consult, bringt das aber nicht aus der Ruhe: "Ich freue mich, dass zumindest eine große Zahl der Mitarbeiter ihre Jobs behalten können. Zudem würden wir davon profitieren, wenn der Messestandort Schieder gestärkt wird, da wir nur 13 km davon entfernt sind. Dennoch gehe ich davon aus, dass Schieder auch nach der Übernahme viel mit sich selbst beschäftigt sein wird", erklärte Hilpert heute Morgen gegenüber "moebelkultur.de".

Insofern geht der Kampf um Marktanteile weiter. Bega Consult ist besonders mit HBZ und Innostyle sehr gut im Rennen. Auch im vergangenen Jahr stand am Ende insgesamt wieder ein zweistelliges Umsatzplus bei 140 Mio. Euro Umsatz 2009. Gegenüber Black Red White S.A. mit immerhin 450 Mio. Euro Jahresumsatz konnte Hilpert seine Position weiter stärken. Nachdem BRW aufgrund des flauen polnischen Inlandsgeschäfts Mitarbeiter entlassen musste, wurden die Beziehungen zum deutschen Vertriebspartner Bega noch wichtiger.

Volker Loch, der es mit seinem Marken-Trio Kerkhoff/Easyfurn/Movedo auf 70 Mio. Euro bringt, wollte auf der M.O.W. mit den richtigen Modellen überzeugen. "Die Möbel müssen stimmen, denn der Wohnwandmarkt ist immer heiß umkämpft. Aber gerade jetzt sind Treffer besonders wichtig." Zumal sich sein einstiger Kompagnon Ralf Müller mit dem Start-up namens Trendteam zum Konkurrenten erklärt hat. Auch MCA Furniture befindet sich auf Wachstumskurs und zeigte auf der M.O.W. jede Menge neue Schrankwände. Ein Blick auf die Unternehmenshomepage zeigt, dass MCA auffällt. Daneben mischt auch Demeyere munter mit, der in Deutschland immerhin 20 Mio. Euro Umsatz macht und besonders von den Discountern als günstige Alternative geschätzt wird.

Die Player werden also nicht weniger und die Ausgangssituation für Schieders Neustart damit nicht unbedingt einfacher. Urbschat ist aber dafür bekannt, dass er die Kostenstrukturen in den Griff bekommt. Das hat in Schieder-Schwalenberg vor ihm noch niemand geschafft. Fragt sich nur, welche Vorgaben er aus Polen bekommt.

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