AMK

Volker Irle über den „Küchenherbst 2020“

In diesem Jahr ist bekanntlich vieles anders. Im Vorfeld der Messe in OWL hat „der küchenprofi“ deshalb AMK-Geschäftsführer Volker Irle nach einer Einschätzung der Gesamtstimmung in der Küchenbranche gefragt.

der küchenprofi: Herr Irle, welche Bedeutung hat der „Messeherbst“ für die Branche in diesem Jahr?
Volker Irle: Für alle Unternehmen ist es wichtig, die eigenen Neuheiten und Produkte möglichst live den Händlern zu präsentieren. Die Herbstmessen sind hier ein zentrales und wichtiges Element für unsere Küchenbranche geworden. Dies gilt prinzipiell auch für dieses Jahr und doch wird es etwas anders sein. Die signifikante Einschränkung der Reisetätigkeiten, ob nun zwangsweise oder freiwillig, betrifft natürlich auch den Handel. Für die vielen inhabergeführten Küchenstudios und ihre Angestellten war und ist es immer ein Anliegen, das Risiko einer Infektion möglichst gering zu halten. Neben dem Schutz des Kunden gilt es, das eigene Geschäft zu schützen. Ein wegen eines Coronafalls geschlossener Küchenfachhändler zählt für den Betreiber zu den schlimmsten wirtschaftlichen Szenarien in dieser Zeit. Ich kann mir daher vorstellen, dass viele Händler ebenfalls ihre Reisetätigkeit während der Herbstmessen soweit möglich reduzieren. Ohnehin werden wir nicht die gewohnten Bilder bei den Herstellern sehen wie in den vergangen Jahren. Auch die Industrie ist sich der Lage mehr als bewusst und hat keinen Aufwand gescheut, den Besuchern ein Maximum an Sicherheit zu gewährleisten. So bitten viele Hersteller um Vorregistrierung und die Mitteilung von gewünschten Zeitfenstern, damit die Besucher bestmöglich beraten und der Besucherstrom bestmöglich entzerrt werden kann.

der küchenprofi: Wie bewerten Sie das „Corona-Jahr“ insgesamt für die Branche? Und mit welchen Perspektiven gehen Sie ins nächste Jahr?
Volker Irle: Niemand weiß wirklich, was in der zweiten Jahreshälfte noch passiert. Neben der Gefahr eines zweiten Lockdowns müssen wir abwarten, wie stark die Corona-Epidemie unsere Wirtschaft getroffen hat. Steigende Arbeitslosigkeit oder Gehaltsunsicherheiten könnten sich hier noch negativ für die Küchenbranche auswirken. Entsprechend ist bei der Bewertung der aktuellen Situation Vorsicht geboten. Und dennoch: Aktuell können wir als Küchenbranche uns glücklich schätzen, von den negativen wirtschaftlichen Auswirkungen weniger stark betroffen worden zu sein als viele andere Bereiche. Die Zeit zu Hause hat das Bewusstsein um den Wert einer modernen und stilvollen Einbauküche geschärft. Die eingeschränkten Reisetätigkeiten und die nach wie vor ungelöste Frage nach dem richtigen Antrieb im Auto unterstützen die größere Wertschätzung, indem bei dem einen oder anderen auch etwas mehr Budget freigeworden ist, das sonst vielleicht für Fernreisen oder ein neues Auto genutzt worden wäre. Aus Gesamtsicht bewegen wir uns aktuell auf Vorjahresniveau, was angesichts der angeführten Unsicherheiten eine richtig starke Leistung der Industrie und des Handels ist.

der küchenprofi: Alle sprechen derzeit vom Digitalisierungsschub und in der Tat ersetzen bzw. ergänzen viele große Unternehmen die Livemesse durch einen virtuellen Auftritt. Wird sich damit die Kommunikation zwischen Industrie und Handel langfristig verändern?
Volker Irle:
Ich bin davon überzeugt, dass die Kommunikation auch nach Corona eine andere bleiben wird. Das persönliche Gespräch oder Produkterlebnis kann niemand ersetzten. Auch wenn um gemeinsame Lösungen gerungen wird, ist es oft hilfreich, wenn sich die Menschen live begegnen. Was für den Endkundenkontakt gilt, gilt auch für die Industrie und den Handel: Geschäfte werden zwischen Menschen gemacht. Auf der anderen Seite gibt es viele Zwischengespräche, Abstimmungsmeetings und Rückfragen, für die bisher gereist wurde. Ich glaube, dass diese vermehrt zukünftig online stattfinden. Dabei ist der Kostenaspekt nur der eine. Ich glaube, dass viele Unternehmer und Mitarbeiter gemerkt haben, dass sie zum einen viel Zeit durch die wegfallende Reise sparen und zugleich einige Dinge sogar noch besser geklärt bekommen als in der Vergangenheit. Konkret meine ich hier die Punkte, die bisher am Telefon, manchmal in Telefonkonferenzen und oft in Ringanrufen abgestimmt wurden. Videotelefonie oder Videokonferenzen waren hier die absolute Ausnahme. Heute ist dies die Regel und wir merken, dass man mit Bild einige Dinge besser erklären kann. Auch ist es normal geworden, mal eben etwas in die Kamera zu halten oder den Bildschirminhalt zu teilen.

der küchenprofi: Wo sehen Sie aktuell die größten Herausforderungen für die Branche?
Volker Irle:
Größte Herausforderung könnten die angeführten Gehaltsunsicherheiten werden, die möglicherweise in den nächsten Monaten Teile der Bevölkerung erreicht und sich negativ auf die Kauf- und Investitionsbereitschaft auswirken könnten. Ich bin aber überzeugt, dass Industrie und Handel hier bereits heute mit Weitsicht agieren und verantwortungsvoll die aktuell verhältnismäßig gute Zeit nutzen, um für eine möglicherweise sinkende Kaufbereitschaft gewappnet zu sein.

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