Martin Groß-Albenhausen, stellv. Hauptgeschäftsführer des BEVH

Martin Groß-Albenhausen

„Versender und Marktplätze erobern das Möbel-Commerce“

Die „möbel kultur“ hat Experten und Interessenvertreter nach ihren persönlichen Prognosen für das Jahr 2020 gefragt. Dazu äußert sich Martin Groß-Albenhausen, stellv. Hauptgeschäftsführer des BEVH, wie folgt:

Der Onlinehandel mit Möbeln, Accessoires, Heimtextilien und Haushaltsgroßgeräten ist auch 2019 prozentual zweistellig gewachsen – dem sechsten Jahr in Folge. Wenn sich das Plus im Weihnachtsquartal analog zu den Vorjahren oder auch nur im Mittel der vorigen Quartale bestätigt, werden wir im Gesamtjahr ein Segment-Volumen von rund 11 Mrd. Euro erreichen. Möbel, Lampen und Dekoration allein könnten dann ein Volumen von 4,65 Mrd. Euro erzielen.

Diese Zahlen sagen aber nur wenig darüber aus, wie sich Wertschöpfungsketten und Märkte insgesamt verändern. Das betrifft einerseits die digitale Verzahnung von Onlinevertrieb und Produktion, andererseits die steigende Relevanz internationaler Anbieter. Auffällig ist für uns, dass im Möbel-Onlinehandel inzwischen die großen internationalen Marktplätze und die klassischen Versender jeweils eine höhere Relevanz erobert haben als die Shops stationärer Möbelhändler. Auch die Nutzung der Onlineshops von Möbelherstellern selbst wächst deutlich. Nicht zuletzt bieten immer mehr Unternehmen kundenbezogene, individuelle Fertigung von Möbeln an. Angesichts eines insgesamt bestenfalls leicht wachsenden Marktes bedeutet dies für stationäre Händler weiter sinkende Flächenproduktivität.

Der klassische Möbelhandel gerät daher von zwei Seiten in Bedrängnis: Durch Hersteller, die ihre Produktionsprozesse digitalisieren und damit Firmen- und Privatkunden attraktive Angebote machen können. Und durch digitale Händler, die mit Produktdaten-Know-how ein viel breiteres und tieferes Sortiment als die größten Händler digital erlebbar machen.

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