Paymill

Vermehrte Kaufabbrüche im Netz wegen neuer Richtlinie fürs Online-Bezahlen?

Das Bezahlen im Netz soll sicherer werden – das ist das Ziel der europäischen Bankenaufsichtsbehörde (EBA). Deshalb hat sie jetzt eine neue Richtlinie erlassen. Diese sieht unter anderem die sogenannte

Das Bezahlen im Netz soll sicherer werden – das ist das Ziel der europäischen Bankenaufsichtsbehörde (EBA). Deshalb hat sie jetzt eine neue Richtlinie erlassen. Diese sieht unter anderem die sogenannte „Zwei-Faktor-Authentifizierung“ vor. Dabei werden vom Verbraucher zwei von drei Identifizierungsmerkmalen abgefragt: ein persönliches Passwort, die Kartennummer und ein biometrisches Charakteristikum (z.B. Fingerabdruck). Das soll eine sichere Authentifizierung bewirken und Verbraucher vor Datenmissbrauch schützen.

Händler befürchten durch komplizierte Verfahren jedoch vermehrte Kaufabbrüche. Die neuen Sicherheitsvorgaben wurden von der deutschen BaFin ab November 2015 für verbindlich erklärt. Laut einer aktuellen Studie des EHI Retail Institutes finden viele Online-Händler eine starke Authentifizierung aus Sicherheitsgründen zwar sinnvoll, jedoch steht für sie ein rascher Kaufabschluss weiterhin im Vordergrund. Um zusätzlichen Aufwand für die Kunden zu vermeiden, könnten Händler die Bezahlung über Dienstleister abwickeln, die außerhalb Europas reguliert werden, befürchtet Mark Henkel, Mitgründer und Geschäftsführer des Bezahldienstleisters Paymill.

Laut dem Institut für Handelsforschung Köln wächst der deutsche Onlinehandel auf über 40 Mrd. Euro und mit zweistelligem Umsatzwachstum. Damit steigt die Bedeutung des E-Commerce auch für den deutschen Handel und Europa als Digitalstandort. Die neue Richtlinie mit dem Titel „Mindestanforderungen an die Sicherheit von Internetzahlungen“ der EBA könnte dieses Wachstum bremsen.

„Mehr Sicherheit im Internet klingt gut und wir befürworten Bemühungen in diese Richtung, doch wird sich zeigen, welche Auswirkungen das Mehr an Regulierung auf den Online-Handel hat”, so Henkel weiter. Am Ende könnten die Regulierungen zulasten der Umsätze von Onlinehändlern und deutschen Zahlungsdiensten gehen. Stark gesicherte Zahlungssysteme, bei denen Kunden weitere Passwörter oder biometrische Daten verwenden müssen, werden schon bisher kaum genutzt.

Ein mögliches Szenario bestehe darin, dass Online-Händler auf Dienstleister zurückgreifen, die nicht der EBA-Aufsicht bzw. EU-Regulierungen unterliegen. Dies hätte nicht nur datenschutzrechtliche Konsequenzen, sondern könnte auch einen Wettbewerbsnachteil für europäische Anbieter bedeuten.