EHV-Präsident Horst Lenk sieht gefahren im ungebremsten Flächenwachstum, das die Strukturen des baden-württembergischen Einzelhandels stark verändert.

EHV Baden-Württemberg

Ungebremste Flächenexpansion fordert Opfer

Der Einzelhandelsverband Baden-Württemberg zeichnete bei seinem heutigen Pressegespräch in Stuttgart ein Bild der Stimmungslage im südwestlichsten Bundesland. Demnach hofft der dortige Einzelhandel nach einem durchwachsenen ersten Halbjahr auf bessere Umsätze bis zum Jahresende. "Wir haben uns in den ersten Monaten ordentlich geschlagen, wenn man an Unwägbarkeiten wie die lang anhaltende Kurzarbeit in vielen Betrieben hier im Südwesten, den langen Winter oder die Verunsicherung vieler Verbraucher durch den Zick-Zack-Kurs und die Unentschlossenheit der Bundesregierung denkt", sagte EHV-Präsident Horst Lenk (Foto). Dass die Einbrüche teilweise massiv waren, zeigt die amtliche Statistik: Das Statistische Landesamt weist für den Einzelhandel bis Mai insgesamt ein Minus von 1,5 Prozent (nominal) aus. Allerdings meldeten mehrere Branchen wie der Modehandel und der Sportfachhandel aufgrund von sommerlichen Temperaturen und der WM-Euphorie für den Juni Zuwächse.

Ein anderes Thema, das heute im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stand, war die ungebrochene Flächenexpansion im Einzelhandel. "Bei stagnierenden oder sogar rückläufigen Umsätzen und immer mehr Verkaufsfläche um jeden Preis wird es viele Verlierer geben", befürchtet Lenk. [page_break] In diesem Jahr rechnet der Verband bundesweit mit rund 5.000 Insolvenzen. Der Handel pocht deshalb auf Augenmaß bei allen geplanten Ansiedlungsprojekten. Der EHV initiiert aktuell das Koordinationsbündnis "Star", das als Abkürzung für die Themen Standort, Ansiedlung und Raumplanung steht und unter Federführung des EHV als landesweites Informations- und Kompetenzzentrum etabliert werden soll. - in enger Zusammenarbeit mit den Regierungspräsidien im Land sowie den jeweiligen Akteuren bei aktuellen Ansiedlungsprojekten. "Es geht dabei nicht um die Verhinderung neuer Handelsflächen, sondern um den richtigen Handel am richtigen Standort und die Abwägung aller Interessen", so Lenk. "Baden-Württemberg hat bei der Raumplanung in den letzten Jahren wirksame Instrumente wie den Einzelhandelserlass oder die Märkte- und Zentrenkonzepte geschaffen, die aber auch konsequent angewendet werden müssen, sonst verliert der vorhandene Handel seine Planungssicherheit und letztendlich seine Investitionsbereitschaft", fordert der EHV-Präsident.

Keine rechtliche Handhabe bestehen bei den derzeit drei geplanten Factory Outlet-Centern nahe der deutschen Grenze, die vorwiegend auf Kundschaft aus Baden-Württemberg abzielen. Nachdem das große FOC in Roppenheim (Elsass) nun gebaut wird, stehen für die so genannten Schnäppchengiganten bei Colmar (Frankreich) und im schweizerischen Wigoltingen demnächst die Entscheidungen an. Auch hier will der EHV mit seinem Projekt "Star" aktiv werden, indem er als grenzübergreifender Ansprech- und Informationspartner für den Handel agiert.

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