Deutsches Tapeten-Institut

Tapeten sind persönliche Statements

Weiße Wände oder Raufaser sind für überzeugte Tapezierer ein No-Go. Welche Tapete aber auf die Wand kommt, ist Wohntyp-Sache und immer ein Statement. Die oft unbewussten Auswahl-Kriterien erforschte die Studie

Weiße Wände oder Raufaser sind für überzeugte Tapezierer ein No-Go. Welche Tapete aber auf die Wand kommt, ist Wohntyp-Sache und immer ein Statement. Die oft unbewussten Auswahl-Kriterien erforschte die Studie "Psychologie der Tapete", die das Deutsche Tapeten-Institut (DTI) Ende 2013 in Zusammenarbeit mit dem PMF Marktforschungsinstitut in Köln durchgeführt hat. Um Typen und Motiv-Findung drehte sich der fünfte Tapeten-Trend-Table des DTI am 5. Juni im Hamburger Showroom "Tapetenwechsel". Die Dipl.-Psychologin Ivona Matas stellte vier typisch deutsche Wohn-Charaktere vor. Der Architekt und Designer Markus Benesch verriet, wie er Tapeten entwirft, und Ricarda Nieswandt interpretierte das Thema aus Bloggersicht.
"Tapete schreibt keine Leidensgeschichten, sondern erfolgreiche Homestorys", stellte Ivona Matas fest. Neu ist, dass es nicht nur um Tapete, sondern um ein Gesamtkonzept geht. Bettwäsche und Kerzenhalter werden gleichzeitig neu gekauft, damit alles harmoniert. "Wir haben einen Wettkampf im Schöner-Wohnen".
Die Studie unterscheidet vier Gruppen. Die Unbekümmerten, die nicht so den großen Anspruch haben. Es soll schön aussehen, Wandtattoos und Bordüren sind super, Tapete ist nicht Sinn des Lebens. Die wilden Kreativen, denen wichtig ist, dass sie anders sind. Sie lieben es auffällig, kräftig und wechseln schnell mal. Wirkung rangiert vor Qualität. Die Prestigebewussten setzen sich vom Mainstream ab. Sie möchten, dass man der Tapete die Wertigkeit ansieht, dass alles perfekt passt. Und die Pragmatiker wägen genau ab. Design ist nicht das Wichtigste, sie schauen auf den Wanduntergrund, auf Tapeten-Qualität und das Preis-Leistungsverhältnis.
Mut schätzt Markus Benesch, der aktuell für Rasch die "Trendspots 1 und 2" designt hat. Er zeigte, was möglich ist – "verflüssigte" Räume, die Verbindung von Objekten, Möbeln und Tapete und Muster, die die Wahrnehmung eines Zimmers verändern. Zudem erzählte die Entwurfsgeschichten zum Porzellanscherben- und Reißverschluss-Streifen-Dessin.
Spannend findet Benesch es, klassische Tapeten digital zu überdrucken, weil er so mit zwei Welten spielen kann. Und ihn interessiert, wie Tapete Kommunikation auslösen kann.
Nicht mehr lange ohne Tapete wird die Bloggerin Ricarda Nieswandt – "Blogger mögen weiße Wände und bespielen sie kreativ" – leben. Sie schwärmte so von der Porzellanscherben-Tapete, dass sie eine Rolle geschenkt bekam. Instagram und Pinterest sieht sie unterstützend zu Blogs im Kommen. Trends für ihren Blog "23 qm Stil" spürt sie online in anderen Blogs und offline auf Messen, in Hotels, in Wohnzeitschriften oder auch in Wohnungen von Freunden und Bekannten auf.
Impressionen vom Tapeten-Trend-Table sehen Sie in unserer Bilderstrecke.