Partnertage Ostwestfalen

So viel steckte in dem kleinen Messeformat

„Die Teilnehmer der Partnertage Ostwestfalen 2020 sind wohlgemut ins konsumige Geschäft gestartet“, heißt es heute aus Bad Salzuflen. Tatsächlich untermauerte das Format in den vergangenen drei Tagen bei seiner inzwischen 8. Ausgabe, dass der Handel das Format benötigt. Auch wenn auf der Messe selbst immer weniger geordert wird, was aber im Prinzip für alle Messen gilt, finden doch wichtige Geschäftsanbahnungen statt. Dass die Partnertage in besonderem Maße thematisch aufgeladen waren, dafür sorgten auch das jüngste Weltgeschehen. Wir fassen die Themen für Sie zusammen.

1. Was passiert in China? Schon die großen DAX-Konzerne wie etwa BMW berichten über Produktionsausfälle, die mit der aktuellen Gesundheitslage in der Volksrepublik zusammenhängen. Das Neujahrsfest wurde angesichts der angespannten Situation um drei Tage verlängert. Schon das ist ein Dämpfer für die Produktivität. Noch unsicherer als ohnehin schon, ist aber, ob die vielen Wanderarbeiter ohne Einschränkung an ihre Arbeitsstätten zurückkehren. Je länger die unklare Lage anhält, desto größer wird der Schaden. Hinzu kommt, dass viele Importeure ihre Geschäftsreisen nach China verschieben oder absagen. So können neue Modelle nicht entwickelt werden und Qualitätskontrollen müssen teilweise warten. Wie nachhaltig der Schaden dieser Zwangspause ist, wird sich erst im Jahresverlauf zeigen. Nur zur Erinnerung: Trotz abnehmender Tendenz ist China mit knapp 2 Mrd. Euro Importvolumen nach wie vor der zweitgrößte Außenhandelspartner Deutschlands.

2. Polen wird teu(r)er. Das ist wahrlich kein neues Phänomen, aber die Bezugsquellen verlagern sich effektiv in Richtung Osten. Die Ukraine und Weißrussland sind neue Hotspots im Preiseinstieg, aber auch die Türkei kommt wieder in Mode, auch weil der Wechselkurs einladend ist. Nicht ohne Grund war auf den Partnertagen eine Industriegröße wie Ipek vertreten. Das gilt für Polen nicht. Der Zloty erreicht immer wieder neue Höchststände. Die Polen werden so zunehmend zum Opfer ihres eigenen Erfolgs.

3. Nachhaltig konsumig. Ökologische Themen spielten auf allen Januar-Messen eine sehr wichtige Rolle. Aber auch auf den Partnertagen war das Thema allgegenwärtig. Unternehmen wie Mäusbacher, für die Made in Germany schon immer ein Anspruch zur Nachhaltigkeit gewesen ist, können ihre Argumente nun voll ausspielen. Und in diesem grünen Umfeld waren auch Neuentdeckungen zu machen. Wer nicht bei dem dänischen Aussteller ABC-Reoler vorbeigeschaut hat, hat etwas verpasst. Das patentierte Stecksystem des Regalsystems „Quadrant“ spart buchstäblich jede Menge Holz.

4. Fichte vs. Eiche Sonoma. Rising Star oder Cash Cow? Während einige Aussteller mit Nachdruck versuchen, neue Dekore in den Handel zu bringen, setzen andere auf Bewährtes. Fichte, Kiefer oder Driftwood sollen für neue Inspirationen und Kaufimpulse bei den Verbrauchern sorgen. Bega setzt dagegen auf ein Revival von Eiche Sonoma. „Das Dekor ist noch längst nicht erledigt. Sich davon zu verabschieden, ist reiner Aktionismus“, erklärt Bega-Junior-Chef Thorsten Hilpert.

5. Service wird großgeschrieben. Auch die Aussteller der Partnertage denken entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Teilweise sogar intensiver, als das im konventionellen Segment der Fall ist. Immer mehr Lieferanten bieten Schnelllieferprogramme, zum Standard gehören zunehmend auch Montage-Videos, die zum Teil sogar sehr flott gemacht sind. Wer sich davon überzeugen will, kann sich etwa bei Mäusbacher davon überzeugen. Was die Foto-Produktion betrifft, stellte Vogelsänger ein sehr cleveres (und günstigeres) Basic-Paket für das preissensible Segment vor.

6. Spezifika der Einkaufskommissionen: An das Bild mussten sich einige gewöhnen. Dass Ostermann und Hardeck voller Harmonie zusammen einkaufen gingen, war insbesondere für ältere Vertreter unserer Branche ein bis dato unvorstellbares Bild. Doch Spaß beiseite, der neu formierte Begros-Trupp wirkte schon sehr sortiert. Das gilt für die Lutz-Smart-Kommission umso weniger. Beobachter sprechen von einem „Hühnerhaufen“. Unterschiedliche Betriebsgrößen, unterschiedliche Märkte, unterschiedliche Temperamente gestalten den gemeinsamen Möbeleinkauf der mit über 30 Köpfen besetzen Truppe schwierig. Was in der Theorie der Expansion so eindrucksvoll aussieht, scheitert mitunter in der Praxis auf dem Messeparkett.

7. Die Zukunft des Außendienstes: Der ein oder andere Verkäufer im Außendienstverhältnis macht sich Gedanken über seine Zukunft. Die fortschreitende Konzentration könnte Lieferanten dazu führen, den Vertrieb auf ein zentrales Key-Account-Management umzustellen. Wer ohnehin nur mit fünf großen Gruppen im Geschäft ist, kann sich auch anders organisieren. Hinzu kommt der Onlinehandel, der ja ohnehin keine Betreuung in der Fläche benötigt.

Insofern wurden zum Jahresanfang gleich mehrere Themen aufs Tableau gebracht, die im Jahresverlauf und darüber hinaus ihre Gültigkeit bewahren. Die Partnertage haben sich als kompaktes Format etabliert, bei dem es nicht mehr allein um Produkte geht, sondern mit Themen wie Nachhaltigkeit, Services, Vertriebsstruktur, auch um die Zukunft des schnelldrehenden Möbel-Segments.

Diese Seite teilen