Kölner Möbelmesse stellt sich neu auf

Schulterschluss von Messe, Handel und Industrie

Die deutsche Möbelindustrie verzeichnete im Jahr 2024 einen Umsatzrückgang von 7,4 Prozent und erzielte insgesamt 16,4 Mrd. Euro Umsatz. Besonders betroffen waren die Segmente Wohn-, Ess- und Schlafzimmermöbel mit einem Minus

Foto: möbel kultur

Die deutsche Möbelindustrie verzeichnete im Jahr 2024 einen Umsatzrückgang von 7,4 Prozent und erzielte insgesamt 16,4 Mrd. Euro Umsatz. Besonders betroffen waren die Segmente Wohn-, Ess- und Schlafzimmermöbel mit einem Minus von 11,2 Prozent sowie Polstermöbel mit 8 Prozent Umsatzrückgang.Trotz dieser Herausforderungen zeigen sich Koelnmesse, Handel, Verbände und Industrie geeint und nutzten ein Pressegespräch gestern Abend in Köln, um die Messeformate „imm cologne“ und „interior design days cologne“ (IDD cologne) tiefer zu erläutern.

Gerald Böse, Geschäftsführer der Koelnmesse, betonte: „Wo die Branche zusammensteht, funktioniert es – und genau das tun wir jetzt.“ Ziel sei es, Köln als internationale Leitmesse für die Möbelbranche zu stärken und sich im Wettbewerb mit Städten wie Mailand und Paris zu behaupten.

Schulterschluss für eine starke Möbelbranche
Nach den Herausforderungen der letzten Jahre ist sich die Branche einig: Deutschland braucht eine starke Leitmesse, und die muss in Köln stattfinden. Diese Botschaft zog sich durch das gesamte Pressegespräch. „Wir brauchen eine Messe, die breit aufgestellt ist und unsere gesamte Branche abbildet“, forderte VDM-Präsident Leo Lübke. Auch der Handel unterstützt die Neuausrichtung der Messen. BVDM-Präsident Markus Meyer machte deutlich: „Die Absage der imm 2025 hat geschmerzt – aber wir haben die Zeit genutzt, um gemeinsam eine nachhaltige Strategie für die Zukunft zu entwickeln.“ Matthias Pollmann, Geschäftsbereichsleiter Messemanagement der Koelnmesse hob hervor, dass vieles ausprobiert worden sei, sich die imm cologne nun als Handelsplattform behaupten solle, während die IDD Cologne das Thema Premium-Design neu definiere.

imm cologne: Klarer B2B-Fokus für den Handel
Die „imm cologne“ wird ab 2026 kompakter und ausschließlich auf den Handel ausgerichtet. Mit einer verkürzten Laufzeit von Sonntag bis Mittwoch will die Messe effizienter werden und sich als internationale Leitmesse für den Möbelhandel positionieren. Markus Meyer betonte: „Als größte Möbelnation in Europa brauchen wir diese zentralen Branchenschauen, um uns im Wettbewerb zu positionieren. Mit ihren schönen Produkten hat unsere Branche alle Trümpfe in der Hand, um die Kauflaune der Verbraucher wieder zu wecken.“ Dennoch bleibt die Herausforderung, sich gegen Mailand und Paris zu behaupten. Koelnmesse-Chef Gerald Böse sieht den Schlüssel in einer klaren Positionierung und einer abgestimmten Branchenstrategie.

IDD cologne: Köln als Hotspot für Premium-Design
Die „interior design days cologne“ (IDD cologne), die erstmals im Oktober 2025 stattfinden, richten sich an Premium-Marken, Innenarchitekten und Objektplaner. Dabei geht es nicht um eine klassische Messe, sondern um ein kuratiertes Format, das auf spezifische Zielgruppen zugeschnitten ist. Die ersten Unternehmen hätten ihre Teilnahme bereits während des noch bis Mitte Mail laufenden Frühbucherzeitraums zugesagt, darunter Bielefelder Werkstätten/Jab, Bretz, Cor, Interlübke und Kettnaker.

Ein besonderes Merkmal der IDD cologne sei die enge Einbindung der Stadt Köln in das Messegeschehen, betonte Oliver Frese, Geschäftsführer Koelnmesse. Nina Stoll von der Stoll Wohnbedarf + Objekt GmbH & Co. KG sieht hierin einen klaren Vorteil gegenüber Mailand: „Der große Unterschied ist, dass die Kölner Möbelmesse mitten in der Stadt liegt und nicht weit außerhalb wie in Mailand. Dadurch können wir die Stadt und ihre Infrastruktur viel besser in das Messegeschehen einbinden – das ist ein echter Pluspunkt für Aussteller und Besucher.“

Aktuelle Marktentwicklungen und Ausblick
Der Auslandsumsatz der deutschen Möbelindustrie sank 2024 um 8,6 Prozent auf 5,4 Mrd. Euro, wobei der US-Markt mit einem Plus von 13 Prozent im Bereich Küchenmöbel eine positive Ausnahme darstellt. Jan Kurth, Geschäftsführer des VDM, äußerte vorsichtigen Optimismus: „Für die kommenden Monate rechnen wir für unsere Branche zunächst mit einer Seitwärtsbewegung. Im Herbst dieses Jahres hoffen wir dann auf eine leichte Belebung.“ Faktoren wie sinkende Inflation, niedrigere Zinsen und steigende Realeinkommen könnten dazu beitragen, dass aufgeschobene Möbelkäufe nachgeholt werden.

Herausforderungen: Bürokratie und Kreislaufwirtschaft
Die Branche sieht sich mit zunehmender Bürokratie konfrontiert. Markus Meyer kritisierte: „Wir kämpfen gerade darum, Möbel überhaupt noch verkaufen zu dürfen.“ Verordnungen wie die EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) und das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz erfordern erhebliche Investitionen für die Umsetzung. Zudem gewinnt das Thema Kreislaufwirtschaft an Bedeutung. Leo Lübke, Präsident des VDM, forderte: „Möbel müssen so konzipiert sein, dass sie repariert, recycelt oder neu aufgearbeitet werden können.“ Der wachsende Markt für Gebrauchtmöbel erfordere perspektivisch innovative Konzepte seitens der Hersteller.

Gemeinsame Strategie für die Zukunft
Koelnmesse-Chef Böse zeigte sich zuversichtlich: „Wir haben beide Messen komplett neu gedacht – jetzt müssen wir uns unseren Platz im internationalen Wettbewerb neu erobern.“ Ob dieses Konzept aufgeht, wird sich ab Herbst 2025 zeigen, wenn die erste „IDD cologne“ an den Start geht.