Vollsortiment statt Discount
Schulenburgs revolutionäre Neueröffnung in Flensburg
Vor etwas mehr als einem Jahr machte Hans-Joachim Tessner in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" anlässlich seines 50. Dienstjubiläums eine klare Ansage: "Die Zukunft liegt im Discount". Am vergangen Donnerstag stellte
Vor etwas mehr als einem Jahr machte Hans-Joachim Tessner in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" anlässlich seines 50. Dienstjubiläums eine klare Ansage: "Die Zukunft liegt im Discount". Am vergangen Donnerstag stellte seine Tejo Management Holding nun sein eigenes Statement und damit gleich den gesamten deutschen Möbelhandel auf den Kopf.
Denn in Flensburg eröffnete nun der deutschlandweit erste Schulenburg-Ableger im ehemaligen Tejo Möbel Discount Center. Mit anderen Worten: Ein Vollsortimenter ersetzt einen Discounter – auf einer vermeintlich "kritischen" Verkaufsfläche von 10.000 qm. Tejo-Geschäftsführer Reiner Formella erklärt den Schritt heute gegenüber moebelkultur.de als standortspezifische Entscheidung: "Das ist in Deutschland ein bis dato einmaliges Vorgehen. Ich glaube aber, dass in bestimmten Städten die Zukunft eher im Vollsortiment als im Discount liegt." Der Grund: Der deutsche Markt ist mit Discountern inzwischen gut versorgt. Ein Blick auf Deutschlands Möbel-Landkarte untermauert seine Aussage: 100 Roller-Märkte, jeweils 89 Poco-Domäne- und Möbel Boss- Discounter, 26 Sconto-Filialen (Krieger), 20 Tejo-SB-Läden, 7 Preis-Rebellen (Finke) und viele weitere Wohn-, Möbel- und Schleuder-Maxxe pflastern die Republik.
Bei schätzungsweise mehr als 400 Möbel-Discountern in Deutschland – das Land weist eine Fläche von 357.000 qkm auf – bleibt rein rechnerisch damit für jeden Mitspieler ein Einzugsgebiet von weniger als 900 qkm übrig. Dünn besiedelte Regionen wie die Lüneburger Heide, Landstriche in Mecklenburg-Vorpommern, die westliche Eifel oder Kreise in Oberbayern sind dabei noch nicht einmal aus der Gleichung herausgerechnet. Ein Unternehmen wie beispielsweise Poco-Domäne hält das aber nicht davon ab, weitere 40 bis 50 weitere Standorte eröffnen zu wollen – auch wenn ein Großteil davon durch Übernahmen realisiert werden soll, wie im Fall SB Philipp gerade geschehen.
Kündigt sich durch die Schulenburg-Volte nun ein Comeback der Vollsortimenter auf kleineren Flächen an? In Flensburg hat Möbel Schulenburg zumindest eine Nische fürs Vollsortiment erkannt. Das ist nicht widersprüchlich, sondern Standort-Strategie. Da die Margen im Discount geringer sind als bei einem konventionellen Anbieter lohnt sich für einen Filialisten mehr denn je die Probe aufs Exempel vor Ort.
Zudem rücken auch Innenstadtlagen wieder ins Blickfeld der Möbelstrategen. Dort sind die zur Verfügung stehenden Flächen zwangsläufig kleiner als auf der grünen Wiese und dennoch interessant. Ikea schreitet mit dem City-Projekt in Hamburg-Altona voran. Doch die Schweden spielen im Wesentlichen nur eine Sortiments-Klaviatur. Unternehmen, die in verschiedenen Preissegmenten aktiv sind, haben den Vorteil, dass die Konzepte bereits ausgearbeitet sind. Sie müssen lediglich am jeweils richtigen Standort Anwendung finden. Die Tejo-Gruppe hat's mit der Neueröffnung in Flensburg schon mal vorgemacht.

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Sie haben noch kein Konto?
Jetzt registrieren