Roland Ragailler, Geschäftsführer des Polstermöblers Sedda

Die Lage in Österreich - Teil 5

Roland Ragailler: "Preissteigerungen in einem noch nie dagewesenen Ausmaß"

Auch unser Nachbarland Österreich kämpft mit den Auswirkungen der Pandemie auf die gesamte Wertschöpfungskette. Die „möbel kultur“ hat bei den österreichischen Branchengrößen nachgefragt, wie sie mit Rohstoffengpässen, Preissteigerungen und Lieferzeitverzögerungen umgehen. Im fünften Teil der Serie erkärt Sedda-Geschäftsführer Roland Ragailler, wie der Polster- und Bettenspezialist in schwierigem Fahrwasser navigiert.

möbel kultur: Herr Ragailler, wie sind die Geschäfte 2021 bisher gelaufen? Denn auch in Österreich waren die Läden lange zu.

Roland Ragailler: Nachdem im Österreich der sechswöchige Lockdown zu Beginn des Jahres mit 8. Februar endete, wurden wir von den heimischen Möbelkunden überrannt. Unsere Schauräume mussten einen Großteil der Beratungsarbeit für den Handel übernehmen, da diese noch viel Personal in Kurzarbeit verweilen ließen.

Wie wir feststellen konnten, hat der Umstand, dass die Menschen mehr Zeit zuhause verbringen mussten, den Willen nach Veränderungen in den eigenen vier Wänden beflügelt. Dazu  kommt das Null-Zins-Niveau bei Bankguthaben. Nachdem Einrichten beim heimischen Möbelkonsumenten sehr hoch im Kurs steht, wurden viele gemütliche Wünsche zum Thema Sitzen und Schlafen verwirklich. Durch die enorme Nachfrage nach Polstermöbeln und Boxspringbetten hat bei Sedda im Vergleich zum Branchendurchschnitt von rund acht Prozent zu einer deutlich höheren, zweistelligen Umsatzsteigerung geführt. Die von Sedda angebotenen Designmöbel und patentierten Verwandlungssyteme sowie der Umstand, ein heimischer Polstermöbelhersteller zu sein, der Produktökologie seit Jahrzehnten lebt, hat zu der enormen, noch nie dagewesenen Nachfrage in Österreich geführt.

Der deutsche Markt hingegen war aufgrund des andauernden Lockdowns praktisch so gut wie nicht existent. Wir nehmen an, dass die Öffnung in Deutschland zu einer ähnlichen überproportionalen Nachfrage mit einer damit verbundenen Verschärfung der Materialengpasses führen wird.      

Die Materialengpässe bei Schaumstoffen, Holzwerkstoffen, Metall und sowie elektronischen Komponenten für Beschlagsysteme machen aber die Auftragsabwicklung zu einem spannenden Logistikproblem. Die Einkaufsverbände scheinen die Engpassprobleme und die damit verbundenen Preissteigerungen ignorieren zu wollen. Die Möbelindustrie hat aktuell mit permanenten Preissteigerungen in einem noch nie dagewesenen Ausmaß zu kämpfen. Einige Einkaufspreise wichtiger Materialien und verhältnismäßig hohe Lohnerhöhungen haben die Produktionskosten in den letzten sechs Monaten um fast acht Prozent erhöht.

Leider vermisst die Branche dabei einen partnerschaftlichen Schulterschluss der Einkaufsverbände, die nur zu einem kleinen Teil dazu beitragen, die Kostensteigerungen für die Industrie verträglicher zu machen.

möbel kultur: Wie steht es um die Holzkapazitäten und um die Holzpreise? Wie hoch ist die Exportquote österreichischer Hölzer und wohin gehen diese?

Roland Ragailler: Holzplattenwerkstoffe – egal ab Spanplatten, Sperrholz oder Tischlerplatten – sind Mangelware geworden. Die mangelnde Verfügbarkeit ist zum Teil auf die neue Formaldehyd-Norm und zum Teil auf enorme Exporte in den asiatischen Raum zurückzuführen. All das hat Preissteigerungen von bis zu 45 Prozent in den letzten sechs Monaten zur Folge gehabt. Wir sind gezwungen, praktisch zu Tagespreisen Vormaterialien zu kaufen, da die Werke nur einen Teil der bestellten Mengen liefern. Mittlerweile kommt es sogar zu Hamsterkäufen, da man vermeiden will, bei der positiven Umsatzentwicklung nicht lieferfähig zu sein.

möbel kultur: Beobachten Sie Materialengpässe in der österreichischen Industrie? Sind die Produktionen beeinträchtigt?

Zu Jahresbeginn kam es zu Engpässen bei Schaumstoffen, da die Vorlieferanten der Schäumer durch z.B. Wartungsarbeiten dieses wichtige Polstermöbelmaterial künstlich verknappen und Preise hochzutreiben. Einige Betriebe hatten schon Probleme dieses Polstermaterial zu bekommen und Kurzarbeit in Kauf nehmen müssen. Auch wir mussten eine Woche aus Lieferproblemen unserer Lieferanten Kurzarbeit in Anspruch nehmen.

möbel kultur: Wie entwickeln sich die Lieferzeiten?

Roland Ragailler: Aufgrund einer ungebremsten Nachfrage und der gleichzeitigen Materialproblematik steigen die Lieferzeiten laufend. Aktuell liegen sie bei Sedda bei 12 Wochen.

möbel kultur: Wie ist Ihre Prognose für den weiteren Jahresverlauf?

Die aktuelle Problematik der Materialengpässe wird sich unserer Meinung nach bis Ende des Jahres leicht entschärfen, damit die aktuell Preissituation etwas entspannen. Denn länger kann die Industrie diesen Kostendruck nicht verkraften. Nachdem die Einkaufsverbände die Kostensteigerungen der Hersteller nur zu einem kleinen Teil mittragen, werden die Hersteller gezwungen sein, weitere Preiserhöhungen ins Auge zu fassen.

 

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