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Horváth-Studie

Rohstoff-Preise werden weiter drastisch steigen

Nach Preissteigerungen um durchschnittlich 30 Prozent seit Herbst 2020 sieht die internationale Managementberatung Horváth & Partner keine Besserung bei der Roffstoff-Lage, sondern im Gegenteil eine Verschärfung für die Zukunft. Zugrunde liegt eine Befragung bei über 1.000 Führungskräften von europäischen Herstellern. Ihre Einschätzung: Holz könnte sich noch bis Jahresende um ein Drittel verteuern, Stahl um ein Viertel, Kunststoff um mindestens 20 Prozent.

Bei Holz hatten sich die Preise bereits seit September verdoppelt. „Alle zwei bis drei Tage werden die Rohstoffpreise nach oben angepasst. Den Trend geben Nordamerika und China vor, wo die Preise bereits um ein Drittel höher sind als in Europa“, sagt Pricing-Experte Danilo Zatta bei Horváth. „Es geht sogar so weit, dass immer mehr Handwerksbetriebe ihre die Arbeit einstellen und Kurzarbeit beantragen müssen, weil trotz hoher Auftragslage einfach zu wenig Rohstoffe am Markt zu beschaffen sind, selbst zu überteuerten Preisen.“

Die befragten Hersteller rechnen mit einem weiteren Anstieg von bis zu 33 Prozent bis Jahresende. Als stärkster Treiber wird die anhaltend hohe Nachfrage nach Holzprodukten genannt, vor allem nach Innen- und Gartenmöbel sowie Terrassen, Balkone, Zäune, Carports bis hin zu vollständigen Holzfertighäusern. „Die Menschen verbringen durch Homeoffice und Kontaktbeschränkungen mehr Zeit zu Hause und wollen dieses verschönern. Dazu kommt der Nachhaltigkeitstrend, der das Material Holz besonders attraktiv macht“, sagt Danilo Zatta von Horváth. Erschwerend hinzu kommt das verknappte Angebot aus Wäldern in Schweden, Deutschland, Irland, Vereinigten Staaten und Kanada.

Bei Warmstahl sind die Preise pro Tonne bereits seit Jahresbeginn um 60 Prozent gestiegen. Die Branche geht von einem erneuten Anstieg um 18 Prozent bis Jahresende aus. „Aufgrund von massenhaften Auftragsstornierungen zur Coronakrise haben die Stahlproduzenten teilweise komplette Produktionsstätten stillgelegt und die Zwangspause für langwierige Wartungsarbeiten genutzt“, so Zatta. „Dann hat sich die Wirtschaft schneller erholt als die Produktionsmengen wieder hochgefahren werden konnte. Dem eingeschränkten Angebot stehen Kunden gegenüber, die ihre Lagerbestände nahezu aufgebraucht haben, um in der Krise bestmöglich liquide zu bleiben, und jetzt wieder füllen wollen.“

Die unerwartete Konjunkturerholung hat bekanntlich auch bei Kunststoffen zu Preisrekorden geführt. Lieferengpässe durch Extremwetter in den USA mit Problemen der  Energieversorgung werden ebenso als Ursache für Engpässe genannt. In der Folge sind Polyethylen (PE) oder Polypropylen (PP) so teuer wie seit Jahr 2015 nicht mehr. Zu weiteren Rohstoffen, die von starken Preissteigerungen betroffen sind, gehören Kupfer, Eisenerz, Öl, Palladium und Rhodium. Und auch Materialien sowie Halbfertigprodukte verzeichnen starke Preisanstiege, was vor allem die Möbelindustrie hart trifft.

Extremwetterereignisse, Infrastrukturstörungen, Finanzmarktentwicklungen, Handelskonflikte und Logistikprobleme werden auch mittelfristig für eine volatile Entwicklung sorgen, so die Horváth-Prognose. „Die Erhöhungen werden weiterhin oft so plötzlich kommen, dass sich Hersteller in der Zange von Lieferanten wiederfinden, die höhere Preise verlangen, mit Kunden auf der anderen Seite, an die eine Erhöhung nicht unmittelbar weitergegeben werden kann“, so Zatta. Dem könne man nur mit entsprechenden Pricing-Strategien begegnen. „Kurzfristige Handlungsoptionen bestehen beispielsweise darin, Preise auf Grundlage von vorausschauenden Preisindizes anzupassen, das Angebot zu segmentieren, um die Preise zu differenzieren, sowie mit Zuschlägen zu arbeiten“. Zugleich sind bei Preisanpassungen drei Regeln zu beachten: Erstens sollten sie gezielt und systematisch geplant werden. Zweitens sollten Erhöhungen differenziert und selektiv an die Kunden weitergegeben werden, beispielsweise nach Marktsegment, Vertriebskanal oder Produktgruppe. Drittens ist eine frühzeitige und transparente Kundenkommunikation notwendig. Mindestens die wichtigsten Kunden sollten gezielt über die Preiserhöhungen und ihre Hintergründe aufgeklärt werden. Über das Controlling sind dann die unmittelbaren Auswirkungen zu überprüfen, um bei negativen Kundenreaktionen schnell gegensteuern zu können.“

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