imm cologne / LivingKitchen

Pure Talents Contest bringt Ideen mit Weitsicht hervor

Nachhaltigkeit, Interaktivität und generationenübergreifendes Design - über all diese Themen machen sich junge Designer Gedanken. Das hat die 16. Ausgabe des Pure Talents Contest ergeben. Im Oktober kam die hochkarätig besetzte Jury des Wettbewerbs in Köln zusammen, um die insgesamt 926 Produkteinreichungen aus 69 Nationen zu sichten. Nur 27 schafften es in die Ausstellung, die während der internationalen Einrichtungsmesse "imm cologne" viele Designinteressierte und Designmacher anzieht. In diesem Jahr gehören zur Jury die Designerin Rianne Makkink (Studio Makkink&Bey) aus Rotterdam, Suvi Saloniemi, die Chefkuratorin des Design Museums Helsinki, die Designer Sebastian Herkner aus Offenbach und Cristian Zuzunaga aus Barcelona sowie der Designjournalist Johannes Hünig (Redakteur Ideat Magazin) aus Hamburg und der Unternehmer Wilfried Lembert (Geschäftsführer Minimum Einrichten GmbH) aus Berlin.

Der von der Koelnmesse ausgelobte und organisierte Wettbewerb richtet sich speziell an Gestalter, die sich noch im Studium befinden oder ihre Ausbildung gerade erst beendet haben. Er gehört zu den renommiertesten internationalen Wettbewerben für junges Design, was durch die erneute Steigerung der Einreichungen (plus 11%) und der Internationalität (Vorjahresveranstaltung: 53 Nationen) unterstrichen wird. Unter den Teilnehmern befanden sich auch 2018 wieder viele junge Studenten und Absolventen namhafter Designhochschulen wie der Aalto University Helsinki, der Bezalel Academy of Arts and Design in Jerusalem, der Design Academy Eindhoven, der Ecole cantonale d'art de Lausanne, der Elisava Barcelona School of Design and Engineering, der Kunsthochschule Kassel, dem Pratt Institute NY, der Rhode Island School of Design, dem Royal College of Art London oder der Royal Danish Academy of Fine Arts in Kopenhagen.

Die 27 nominierten Entwürfe repräsentieren die Produktbereiche Möbel, Bodenbeläge, Tapeten und Textilien, Leuchten, Smart Home, Wohnaccessoires und Küche. Die Jury zeigten sich von den vielen internationalen Einreichungen beeindruckt. „Ich denke, das Resultat ist eine gute Kombination aus sehr schönen, für den Verkauf verwertbaren Objekten und Entwürfen, die zum Nachdenken anregen“, kommentiert Suvi Saloniemi die Jury-Auswahl.

Dabei ist die Bandbreite an Funktionen und Materialien sowie an unterschiedlichen Herangehensweisen bei den ausgewählten Entwürfen erstaunlich groß: angefangen bei einer als Studie über das Sitzen angelegten Produktreihe mit 21 Prototypen über eine Tambour Credenza, deren Design von textiler Farbtechnik inspiriert ist, ein Seifenblasen-ähnliches Architekturmöbel, das Privatsphäre im öffentlichen Raum schafft und einen klassischen Stuhl, der die fließenden Formen der 60er-Jahre neu interpretiert, bis hin zu einem fast klobig wirkenden Lounge-Chair, der durch die unvermittelte Kombination von Stahlrohr und grob verschraubten Holzplanken einen frechen Industrielook versprüht. Jurymitglied Johannes Hünig findet das gut: „Ich mag es, wenn Entwürfe einen zunächst optisch herausfordern und man mit ihnen erst ein bisschen Zeit verbringen muss. Manche Entwürfe muss man sich erarbeiten. Dafür sind sie dann auch sehr viel nachhaltiger in der Art und Weise, wie man mit ihnen lebt.“

Im Produktbereich Bodenbeläge, Tapeten und Textilien nominierte die Jury unter anderem eine Materialforschung, die benutztes Papier mit Porzellan kombiniert, um schalldämmende Fliesen herzustellen, sowie einen neuen, im Verbund mit Trägerstoffen wie Jute zu verarbeitenden Vliesstoff aus Schafswolle, der sich für Anwendungen nicht nur im Bekleidungsbereich eignet, sondern wegen seiner schallabsorbierenden Eigenschaften auch im Interieur-Bereich einsetzen lässt.

21 der nominierten Entwürfe werden auf der "imm cologne" in der bekannten Wettbewerbsausstellung des Pure Talents Contest in Halle 3.1 gezeigt. Für die ausgewählten Designer und Designerinnen ist die Präsentation ihrer Entwürfe auf dem Branchenevent die ideale Plattform für einen erfolgreichen Karriere-Start. Jurymitglied Cristian Zuzunaga ist überzeugt: „Der Contest ist eine sehr gute Plattform. Und er wird vielen Leuten helfen. Ich bin sehr froh, ein Teil davon zu sein.“

Der diesjährige Pure Talent Contest spiegelt wider, dass sich die junge Designer-Generation intensiv mit den Themen Ressourcen-Umgang und Material-Recycling beschäftigt, unterstreicht Wilfried Lembert: „Auch junges Design hat heute eine Wertigkeit, der man anmerkt, dass es eben nicht darum geht, etwas zu entwerfen, das super neu und besonders ist, sondern einfach nur gut gemacht und gut im Gebrauch. Damit es lange hält. Der Trend geht weg vom Verbrauch zum Gebrauch. Und das, was verbraucht wird, sollte aus ökologischen oder wiederverwertbaren Materialien hergestellt sein.“

Anlässlich der parallel zur "imm cologne" stattfindenden LivingKitchen werden die Küchenprodukte erstmalig als eigenständiges Wettbewerbssegment kuratiert: Für die LivingKitchen Selection des Pure Talents Contest wurden sechs Produkte aus den Bereichen Küchenaccessoires, Küchengeräte und Küchenkonzepte nominiert. Zudem wird für die LivingKitchen Selection ein eigener Preis vergeben, sodass der Pure Talents Contest in diesem Jahrgang insgesamt vier Preise auslobt. Neu ist auch die eigenständige Präsentation im Rahmen des LivingKitchen-Events „FutureDesign“, bei dem die Entwürfe gleich neben der FutureKitchen von Star-Designer Alfredo Häberli in Halle 4.2 zu sehen sein werden.

Die nominierten Beiträge zeigen unter anderem eine mobile Outdoor-Küche, eine modulare, in der Raummitte aufzubauende Küche, die für mehr Kommunikation und Flexibilität sorgen soll, eine laborartige Kompaktküche für alle Arbeitsvorgänge in fugenlosem Design, eine Spülbürstenserie aus alternativem Material, eine tragbare Küchenhaube als Absaugventilator für kleine Küchen und ein ergonomisches Küchenmesser im Universal Design für Schneidearbeiten im Sitzen. „Bei den Küchen ist es wichtig zu berücksichtigen, dass sie kleiner werden und weniger repräsentativ“, meint Jury-Mitglied Rianne Makkink. Sie findet, dass die junge Generation generell ihre Wohnsituation viel ernster nimmt. „Sie wollen nicht nur große Dinge gestalten oder sich mit der Frage beschäftigen: Was könnte Design sein? Sie beschränken sich auf reale Fragestellungen. Es geht eher darum, wer wir sind und was wir sein wollen“, ist sich Makkink mit der nachfolgenden Designer-Generation einig.

Mit dem Preis für die LivingKitchen Selection kann die Jury dieses Jahr für den Pure Talents Contests erstmals insgesamt vier Preise für die besten Wettbewerbsbeiträge vergeben. Die Gewinner werden von der Jury erst am ersten Messetag ausgewählt. Die Preisträger werden am Montag, dem 14. Januar 2019, um 14.00 Uhr im Rahmen einer Preisverleihung auf dem Veranstaltungsforum „The Stage“ (Halle 3.1) bekanntgegeben.

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