Verbände VdDP/VdDW
Polster- und Wohnmöbelhersteller pochen auf Wohnungsbau-Turbo
Unruhige Zeiten auf vielen Ebenen des Möbelhandels: Verbraucher:innen sind verunsichert, halten sich mit Käufen zurück. Der Wohnungsbau stagniert, hier fordern die Möbelverbände eine stärkere Unterstützung der Politik. Zudem sorgt die Einführung des digitalen Produktpasses für zusätzlichen Druck. Es gibt viel zu tun …
Nach zwei Jahren mit deutlichen Einschnitten wird sich die Lage im deutschen Möbelmarkt nach Einschätzung des IFH Köln im laufenden Jahr zumindest stabilisieren, heißt es in einer Mitteilung der Verbände der deutschen Möbelindustrie. „Die konjunkturellen Rahmenbedingungen sollten sich im Jahresverlauf verbessern und die Möbelbranche etwas beleben“, sagte IFH-Experte Christoph Lamsfuß am 28. Mai 2025 bei einem Vortrag vor den Vorständen der Verbände der Deutschen Polstermöbelindustrie (VdDP) und der Wohnmöbelindustrie (VdDW).
Das Konsumklima habe sich zuletzt – auch infolge der abgeschlossenen Regierungsbildung – leicht verbessert, sei allerdings noch immer von einer hohen Verunsicherung der Verbraucher:innen geprägt, zu der unter anderem die jüngste US-Zollpolitik beitrage. Der deutschen Möbelindustrie bereitet in diesem Zusammenhang vor allem die mögliche Umlenkung von bislang für den amerikanischen Markt vorgesehenen chinesischen Erzeugnissen nach Europa Sorge.
Appell an die Politik
Verbandsgeschäftsführer Jan Kurth appellierte bei der Vorstandsitzung, die beim Polstermöbelhersteller Rolf Benz in Nagold stattfand, an die neue Bauministerin Verena Hubertz, den im Koalitionsvertrag versprochenen Wohnungsbau-Turbo rasch in Gang zu setzen und verwies dabei auf den großen Bauüberhang von 800.000 Einheiten. Dieses Potenzial von bereits genehmigten, aber noch nicht umgesetzten Bauprojekten müsse die Politik mit gezielten Impulsen aktivieren.
Im Auftaktquartal machte sich weiterhin die Kaufzurückhaltung der Konsument:innen bemerkbar. Die hiesigen Hersteller im Segment der sonstigen Möbel (darunter Wohn-, Ess- und Schlafzimmermöbel) setzten mit rund 1,2 Milliarden Euro 3,8 Prozent weniger um als im Vorjahreszeitraum. Die Polstermöbelsparte verzeichnete ein Minus von 9,8 Prozent auf 240 Millionen Euro. Unterdessen sank der Anteil der Wohn- und Polstermöbelunternehmen, die das Instrument der Kurzarbeit nutzen, im zweiten Quartal deutlich auf 24 Prozent beziehungsweise 15 Prozent, wie Kurth auf Basis einer aktuellen Verbandsumfrage berichtete.
Produktpass erfordert zeitnahes Handeln
Die Vorstandsmitglieder befassten sich zudem mit dem digitalen Produktpass, der im Zuge der neuen EU-Ökodesignverordnung schon in wenigen Jahren auf die Branche zukommt. Olaf Plümer, Leiter Datenkommunikation bei den Möbelverbänden, rief die Branche dazu auf, zügig mit den Vorbereitungen für die komplexe Einführung zu beginnen. Der digitale Produktpass soll künftig für jedes Möbelstück zahlreiche Informationen bereitstellen, etwa zu Materialien, Reparierbarkeit und fachgerechter Entsorgung.

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