Kludi-Chef Julian Henco informierte die Belegschaft heute in Betriebsversammlungen, dass bis März 2023 ein Personalabbau notwendig ist, der, wie er versicherte, sozialverträglich erfolgen soll.

Kludi

Personalabbau und Umstrukturierung

Bittere Nachrichten für die Mitarbeiter:innen von Kludi: Heute erfuhren sie in Betriebsversammlungen am Stammsitz in Menden und am Produktionsstandort im österreichischen Hornstein von der Geschäftsleitung, dass die Pläne zur Umstrukturierung des gesamten Kludi Fertigungsverbunds aufgrund des gestiegenen Kostendrucks mit einem kräftigen Personalbaubau einhergehen, der bis März 2023 sozialverträglich erfolgen soll, wie der Armaturenspezialist mitteilte.

Zur Vermeidung von sonst erforderlichen betriebsbedingten Kündigungen sollen in Menden im Rahmen einer Vorruhestandsregelung und eines von der Arbeitnehmervertretung mitgetragenen Freiwilligenprogramms etwa 65 von insgesamt rund 350 Arbeitsplätzen entfallen. In Hornstein stehen in den nächsten Monaten 80 von 140 Stellen, in Diósd 40 von 230 Stellen zur Disposition. Für die erforderliche Personalreduzierung in Ungarn werden sozialverträgliche Varianten genutzt, um betriebsbedingte Kündigungen weitestgehend vermeiden zu können. Für die von einem Stellenabbau betroffenen Beschäftigten in Österreich wird das Unternehmen Sozialpläne erarbeiten. Entsprechende Gespräche mit den Betriebsräten sind bereits aufgenommen worden „Wir setzen bewusst auf eine enge Abstimmung mit den Betriebsräten, um den betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gute Voraussetzungen für ihre berufliche Neuorientierung zu ermöglichen“, erklärte Kludi-CEO Julian Henco.

Ziel ist es das Unternehmen zukunftssicher aufzustellen. In diesem Zuge der Umstrukturierung sollen in den Werken in Menden, Hornstein und im ungarischen Diósd bis zum Frühjahr 2023 gezielt Fertigungskompetenzen konzentriert werden. Während das Stammwerk im Sauerland zum Entwicklungs- und Produktions-Hub für anspruchsvolle Badarmaturen und Brausen weiterentwickelt wird, wird der Standort in Hornstein zum Innovations- und Fertigungszentrum für Küchenarmaturen umgebaut werden. „Dies schließt den Aufbau eines ‚Specifications Hubs‘ und einer großen Show-Küche mit ein, mit denen wir vor allem Hotel-Betreiber sowie im Hotel-Geschäft tätige Planer und Architekten aus Europa, dem Mittleren Osten und Asien nach Hornstein holen möchten“, erläuterte Julian Henco, Vorsitzender der Kludi Geschäftsführung. Im ungarischen Werk wird sich künftig die Grundfertigung der Kludi Gruppe konzentrieren. Dabei wird sich das mittelständische Unternehmen in seinen drei europäischen Werken auf die Herstellung von Premiumprodukten fokussieren. Armaturen für den Volumenmarkt werden ab 2023 verstärkt in den Vereinigten Arabischen Emiraten gefertigt, um von dort vor allem die „Emerging Markets“ vom Mittleren bis zum Fernen Osten zu bedienen. Dort unterhält Kludi seit 2006 gemeinsam mit seinem Gesellschafter, der RAK Ceramics Gruppe, eine Armaturenfabrik für die Marke Kludi RAK. 

„Mit dieser Neuausrichtung wollen wir zum einen der Absicht Rechnung tragen, Kludi viel stärker als bisher im Premiumsegment zu verorten: Unsere Marke soll künftig für modernen, gehobenen Lifestyle in Bad und Küche stehen“, hob Julian Henco hervor. Zum anderen gehe es insbesondere darum, Produktionsabläufe effizienter zu gestalten und Kostenstrukturen zu optimieren. Daher ist die gezielte Bündelung von Fertigungskompetenzen in den drei Werken mit einer forcierten Automatisierung und Digitalisierung verbunden. „Beides trägt dazu bei, unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und unsere drei Fertigungsstandorte langfristig zu sichern“, erklärte Kludi Chef Henco.

„Auf der einen Seite belasten uns als Industrieunternehmen drastisch gestiegene Preise für Rohstoffe und Energie, eine nach wie vor unsichere Gasversorgungslage und instabile Lieferketten. Auf der anderen Seite haben wir es zusätzlich zu einer drohenden Rezession mit einer spürbaren Nachfrageverschiebung in unserer Branche vom Bad und von der Küche hin zur Heizung zu tun. Mit einer baldigen Entspannung ist hier nicht zu rechnen“, berichtete Julian Henco. So musste Kludi nach vier Jahren des Wachstums im vergangenen Quartal erstmals wieder einen spürbar rückläufigen Auftragseingang verzeichnen. Um in Anbetracht der schwierigen Umsatz- und Ertragssituation den Fortbestand aller drei Fertigungsstandorte sicherzustellen, sei der Personalabbau notwendig, so Henco und weiter: „Das ist eine Entscheidung, die niemand leichten Herzens trifft. Deswegen ist es uns sehr wichtig, gemeinsam mit den Betriebsräten sozialverträgliche Lösungen zu finden.“

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