DMV-Geschäftsführer Hans-Jürgen Schatt

Optimistisch für 2003

Krasse 13 Prozent Rückgang: Damit befindet sich die Möbelbranche im abgelaufenen Jahr deutlich am unteren Ende der Umsatz-Fahnenstange im Einzelhandel. Dennoch blickt Hans-Jürgen Schatt optimistisch auf das Jahr 2003. Fünf

Krasse 13 Prozent Rückgang: Damit befindet sich die Möbelbranche im abgelaufenen Jahr deutlich am unteren Ende der Umsatz-Fahnenstange im Einzelhandel. Dennoch blickt Hans-Jürgen Schatt optimistisch auf das Jahr 2003. Fünf Fragen an den DMV-Geschäftsführer.
Der Möbelhandel hat das vergangene Jahr mit einem 13prozentigen Umsatzverlust abgeschlossen. Wie sah die Bilanz bezogen auf die einzelnen Sortimente aus?
Die Umsatzkrise hat alle Segmente hart getroffen. Küchen sind am tiefsten gerutscht, dicht gefolgt von den Bereichen Wohnen und Schlafen. Weniger dramatisch scheint es die Polstermöbel erwischt zu haben, da ist der Rückgang wenigstens nur einstellig. Bemerkenswert sind im übrigen die regionalen Umsatz-Unterschiede: In unserer Gruppe registrieren wir im Norden minus 18 Prozent, im Süden minus 12 Prozent, im Osten minus 15 Prozent. Für viele Ost-Händler ist das dramatisch, weil sie einfach zu wenig Speck auf den Rippen haben. Im Westen dagegen ist die Stimmung noch ganz gut. Die Händler sind überzeugt, dass sie noch ein zweites Jahr ohne Umsatzzuwächse meistern könnten.
Und Ihre Prognose für das gerade begonnene Jahr?
Ein ironisch gemeinter Trost — wir werden uns mit dem statistischen Umsatzvergleich in diesem Jahr relativ leicht tun. Ich rechne mit plus minus Null, bei einem kleinen Umsatzzuwachs könnten wir uns schon glücklich schätzen. Ein wesentlicher Grund dafür ist, neben der allgemein schlechten Konsumkonjunktur: Die Möbelbranche hängt zwar nicht ausschließlich, aber sehr stark von der nach wie vor rezessiven Baubranche ab. Da ist kein Land in Sicht.
Wie fit sind die Mittelständler für das Jahr 2003?
In den gut geführten Betrieben sind die Kostenspar-Potenziale weitgehend ausgereizt. Für sie gilt es jetzt, offensiv den eigenen Markt zu bearbeiten und sich eine eigene Firmenkonjunktur zu schaffen.
Welche Betriebsgrößen, welche Betriebstypen haben hier die besten Chancen?
Das ist nicht an Größe oder Typus auszumachen. Erfolg haben jene Betriebe, die ein klares Profil haben. Die ihre Lücke gefunden und sich in dieser Lücke klar und deutlich positioniert haben. Wir haben im DMV mit der Handelsmarke "Contur" eine hochwertige Betriebstypen-Schiene, mit den Handelsmarken "Global" und "Akzent" eher konsumige Schienen, wir haben Spezialschienen für Polstermöbel, Küchen etc. Ich finde in allen Schienen sehr gute und sehr schlechte Betriebe. Manche schrieben im vergangenen Jahr ein Plus von plus 20 bis 25 Prozent, manche ein Minus von 40 Prozent.
Welches also sind die Erfolgsfaktoren?
Das klare Unternehmensprofil steht an erster Stelle. Das Engagement des Unternehmers selbst folgt direkt danach. Seine professionelle Unternehmensführung, seine ausgereifte Warenwirtschaft, seine ausgezeichneten Kenntnisse und Informationen über den Markt. Nicht zuletzt seine Bereitschaft, 24 Stunden am Tag für seinen Betrieb dazusein. Es ist ein Knochenjob: Früher konnte man es sich erlauben, ein schlechter und/oder fauler Kaufmann zu sein. Das geht heute, das geht schon seit einiger Zeit nicht mehr. Es gibt Unternehmer, die das nicht begreifen oder nicht begreifen wollen. Auch bei rund einem Drittel meiner Mitglieder sage ich: es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie vom Markt verschwinden.
Quelle: Der Handels-Berater