Wegweisend - Wilkhahn zeigt auf der Floriade 2022 im niederländischen Almere zurzeit Stühle mit nachwachsenden Sitzpolstern.

Wilkhahn

Nachwachsendes Sitzpolster für Stühle

Wilkhahn engagiert sich seit über 30 Jahren für den ökologischen Wandel der Büromöbelindustrie. Als erster Hersteller weltweit führte es bereits 1991 ein ökologisches Designkonzept ein, das unter anderem die Umsetzung organischer und technischer Materialkreisläufe bei der Entwicklung seiner langlebigen und werthaltigen Sitzmöbel und Tische beinhaltet. Der Deutsche Umweltpreisträger von 1996 engagiert sich immer wieder in der Grundlagenforschung zu neuen Materialien, um die Projekte zu fördern und gleichzeitig eigenes Know-how für die Zukunft aufzubauen.

Gemeinsam mit Airbus Hamburg und München sowie dem Start-Up Mycelium Materials Europe beschäftigt sich der Hersteller aus Niedersachsen aktuell mit der Grundlagenforschung zum Ersatz erdölbasierter Polster- und Bezugsmaterialien durch nachwachsende Materialien aus Myzelien. Auf der Floriade 2022 im niederländischen Almere werden jetzt erstmals Wilkhahn-Stühle gezeigt, die mit dem vielversprechenden Bio-Schaum gepolstert sind.

Das Forschungsprojekt „Nachhaltige Polstermöbel“ wurde im Livinglab Bleiswijjk der niederländischen Stiftung SIGN initiiert und vom Niederländischen Ministerium für Landbau, Natur und Lebensmittelqualität unterstützt. Im Zentrum der Projekte von SIGN steht die Nutzung von Gartenabfällen und Biomüll zur Produktion von Myzelien, die sich für unterschiedliche Anwendungen eignen. Dabei handelt es sich um fadenförmige Zellen, aus denen die schnellwachsenden, unterirdischen Pilzgeflechte entstehen. Bei der Produktion der Mycelien-Materialien entsteht nur ein geringer CO2-Eintrag und sie können biologisch abgebaut werden. Sie zeichnen sich zudem durch leichtes Gewicht, akustische Absorption, Dämmfähigkeit, Feuerbeständigkeit und antibakterielle Eigenschaften aus. Das macht die Materialien sowohl für den Flugzeugbau (Sitze und Trennwände) wie auch für Polstermöbel interessant.

Die erste Projektphase umfasste die Grundlagenarbeit zu Myzelien-Materialien im Vergleich zu anderen nachwachsenden Bezugsstoffen sowie ausführlichen Test erster produzierter Myzel-Textilien. In der zweiten Phase folgte die Ausarbeitung möglicher Produktionsmodelle und -prozesse sowohl für die Aufarbeitung von Möbelpolstern mit Mycelien als auch zur Neuproduktion von Polstern. In der dritten Projektphase wurden gebrauchte Wilkhahn-Stuhlmodelle mit Myzelienmaterial im Rahmen eines „Upcyclings“ neu aufgepolstert. Die Exponate sind aktuell auf der Floriade 2022 zu bewundern: in der 2. Etage des Natural Pavilion und im Tiny House, Plot 80. Das Gelände der nur alle zehn Jahre stattfindende größten internationalen Gartenbauausstellung wurde in diesem Jahr unter dem Motto „Growing Green Cities“ vom bekannten niederländischen Architekturbüro MVRDV gestaltet.

Michael Englisch, der bei Wilkhahn den Bereich Design und Entwicklung leitet, betont die Bedeutung solcher Forschungsprojekte: „Wir werden diese Entwicklungen auch in Zukunft intensiv verfolgen und, wo immer es möglich ist, nutzen. Generell ist für uns die Entwicklung nachhaltiger Materialien essenziell für die zukünftige Entwicklung.“

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