Sven Reber, Geschäftsführer von Breckle, über die strategische Neuausrichtung des Unternehmens.

Breckle

Nachhaltige und innovative Kontrapunkte setzen

Breckle verfügt über ein starkes Standbein im Discount-Segment. Doch dabei soll es nicht bleiben. Der Matratzenhersteller aus Bietigheim will auch im konventionellen Bereich Marktanteile gewinnen. Mit welchen Instrumenten er dieses Ziel erreichen will, erläutert Geschäftsführer Sven Reber im „möbel kultur“-Interview.

Herr Reber, Sie haben sich zur Hausmesse Süd völlig neu in Bietigheim-Bissingen präsentiert. Was war der Grund dafür?

Sven Reber: Erstens war und ist uns das Thema Umwelt und Nachhaltigkeit sehr wichtig, was wir durch eine CO2-neutrale Herstellung unserer Schäume sowie durch die Unterstützung diverser Umweltprojekte erreichen. Für uns Grund genug, dies auch entsprechend nach außen zu tragen. Des weiteren verwenden wir Matratzenbezüge mit den Labeln „Seaqual“ und „Cotton made in Afrika“ um dies noch deutlicher zu machen. Zweitens wollten wir mit der Präsentation hochwertiger Matratzen zeigen, dass wir auch in der Lage sind, den konventionellen Markt zu bedienen. Und drittens wollten wir präsentieren, dass wir auch in anderen Bereichen wie Hotel- und Schiffsausstattungen leistungsfähig sind, z.B. bei Motel One, Aida, MS Europa oder Mein Schiff, die wir alle mit unterschiedlichen Sortimenten bedienen.

Warum scheint der Zeitpunkt jetzt ideal, Marktanteile im konventionellen Segment zu gewinnen?

Seven Reber: Der Moment ist insofern günstig, dass einige Wettbewerber nicht mehr am Markt sind, und wir im Bereich Service, Lieferzeiten und Flexibilität in unseren Sortimenten sehr stark aufgestellt sind. Außerdem haben wir auf unserer Hausmesse Matratzen vorgestellt, die auf die speziellen Bedürfnisse der Endverbraucher abgestimmt sind. Das ist jeweils ein Modell speziell für Seitenschläfer und eins für Rückenschläfer, die wir momentan von einem renommierten Institut testen und zertifizieren lassen und von denen wir uns sehr viel versprechen.

Der Matratzenmarkt steht seit Jahren unter Druck. Wie schätzen Sie die Situation aktuell ein?

Sven Reber: Im Moment zeichnet sich, zumindest bei uns, eine leichte Erholung des Marktes ab. Natürlich wird der Matratzenumsatz im stationären Handel nach wie vor durch die starken Umsätze im Boxspringsegment gebremst. Deshalb ist es unserer Einschätzung nach sehr wichtig, auch im Onlinehandel weitere Kunden zu gewinnen. Gerade im Hinblick auf junge Zielgruppen scheint dieser Schritt unausweichlich.

Im Onlinehandel dominiert Bett1 das Geschäft. Warum lässt sich die Branche davon so paralysieren?

Sven Reber: Wir sind nicht der Meinung, dass uns Bett1 paralysiert. Im Gegenteil, es ist der Ansporn für uns, den stationären Handel mit Produkten zu unterstützen mit denen sie diesem Wettbewerber Paroli bieten können.

Welche Themen sind das im Besonderen?

Sven Reber: Das Thema Nachhaltigkeit ist für uns sehr wichtig, weil wir hier ein großes Potenzial für die Zukunft sehen. Deshalb produzieren wir, wie schon erwähnt, zertifizierte emissionsreine und CO2-neutrale Schäume und unterstützen z.B. ein Brunnenbauprojekt in Afrika, wir fördern durch einen Lizenzvertrag die Aid by Trade Foundation. Und in unseren Drellen finden sich nachhaltige Fasern. Es gibt unglaublich viele Umweltaspekte, die man aufgreifen und zu der eine Story erzählt werden kann.

Welche Bedeutung haben in diesem Zusammenhang Ihre eigenen Schaumwerke, in denen Sie vollstufig produzieren?

Sven Reber: Dadurch, dass wir unsere Schäume selbst herstellen, haben wir natürlich viel bessere Möglichkeiten, auf die gleichbleibend hohe Qualität unserer Schäume zu achten und diese auch zu kontrollieren, als das bei einem Fremdbezug der Fall wäre. Durch den Einsatz modernster Filteranlagen minimieren wir die Belastung der Umwelt. Darüber hinaus sind selbstverständlich alle unsere Schäume nach ÖkoTex 100 zertifiziert. Was in der Vermarktung hin zum Endkunden ein starkes Argument ist.

Wie wichtig sind Randsortimente, wie beispielsweise Spezialkissen?

Sven Reber: Da wir ein eigenes Bettwarenwerk in Seelbach im Schwarzwald besitzen, sind auch die Sortimente rund um die Matratze für uns sehr wichtig. Unserer Meinung nach gehören Nackenstützkissen, Einziehdecken und Kopfkissen zu einer kompletten Vermarktung des Themas Matratze für eine kompetente Beratung im Fachhandel dazu. Zudem geben diese Produkte dem Handel die Möglichkeit, interessante Zusatzumsätze zu generieren.

Wie stark ist der Umsatzanteil im Objektbereich? Wie wollen Sie diesen noch ausbauen?

Sven Reber: Hier beträgt unser Umsatzanteil aktuell etwa zwölf Prozent, wobei der Hauptanteil in der Belieferung von Motel One liegt. Außerdem gehören noch zusätzlich mittlere und kleinere Hotels zu unseren Kunden. Zukünftig werden wir allerdings versuchen, in weiteren größeren Hotelketten Fuß zu fassen. Hierfür haben wir auf der Messe unsere zertifizierte Objektmatratze vorgestellt. Diese vereint vier Härtegrade in nur einer Matratze, so dass in der Hotellerie ganz schnell auf die individuellen Liegebedürfnisse des Gastes eingegangen werden kann.  Die Ansprüche der Gäste steigen schließlich. Und guter Schlafkomfort ist ganz klar ein USP im Wettbewerb, der von den Gästen geschätzt wird. Die simple Anwendung halte ich für sehr wesentlich, weil das Produkt  für die Mitarbeiter in den Hotels einfach zu handhaben ist. In solchen intelligenten Konzepten sehe ich für die Zukunft noch viel Potenzial.

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