Rolf Demuth (r.) war zuletzt Ende April bei der Verabschiedung von VME-Hauptgeschäftsführer Günther Böhme offiziell in der Branche aufgetreten.

Schieder-Prozess

Nach gut zwei Stunden vertagt

Der Prozess gegen Schieder-Gründer Rolf Demuth und drei seiner Ex-Manager vor dem Detmolder Landgericht ist heute nach etwa zwei Stunden auf den 16. September vertagt worden. Der Grund dafür ist der Gesundheitszustand des 71-jährigen Demuth, berichtet die "Neue Westfälische". Demnach befindet sich der ehemalige Schieder-Chef wegen einer Herzerkrankung aktuell in stationärer Behandlung in einer Klinik in Bad Oeyenhausen. Gegen den Rat der Ärzte sei er dennoch zum Prozess erschienen. Über seinen Anwalt ließ er verlauten, dass er sich seiner Verantwortung stellen und an einem der kommenden Prozesstage eine Aussage tätigen werde. Noch sei allerdings unklar, ob das Verfahren gegen ihn abgetrennt werden muss. Im Fall des vormaligen Finanzchefs Dr. Heinrich Griem (72) war das wegen dessen Erkrankung im Vorfeld bereits geschehen.

Neben Demuth auf der Anklagebank sitzen der ehemalige Schieder-Finanzchef Samir Jajjawi (45), der Ex-Mitgeschäftsführer Franz-Josef Golüke (50) und der frühere Controller Andreas Hillbrink (50). Der Vorwurf gegen sie lautet: Bilanzfälschung und schwerer Betrug mit einem Gesamtschaden von 234 Mio. Euro. Jajjawi wies diesen zum Prozessauftakt zurück. Golüke, der mittlerweile für den Einkauf bei Finke verantwortlich ist, erklärte, den Finanzbereich des Unternehmens nicht bearbeitet zu haben. Zwar habe er die Bilanzen unterschrieben, allerdings sei er überzeugt gewesen, dass diese korrekt waren. Hillbrink räumte die ihn zur Last gelegten Vergehen ein, betonte aber gleichzeitig, von Demuth und dem damaligen Finanzchef Griem dazu genötigt worden zu sein. [page_break]

Der Schieder-Prozess stellt das Gericht in Detmold vor neue organisatorische Herausforderungen. So mussten im Verhandlungssaal drei zusätzliche Tische aufgestellt werden, damit alle vier Angeklagten und ihre insgesamt neun Verteidiger Platz finden. Ergänzungsrichter und Ergänzungsschöffen sollen zudem gewährleisten, dass der Prozess im Fluss bleibt. Denn sie können einspringen, falls einer ihrer Kollegen über einen längeren Zeitraum ausfallen sollte. Insgesamt wurden 38 Verhandlungstage angesetzt.

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