Fall Ph. Holzmann
Möbler-Meinungen
Niemand kam in der vergangenen Woche an den Nachrichten über einen der größtenCrashs der deutschen Nachkriegsgeschichte vorbei: Die Philipp Holzmann AG, zweitgrößter deutscher Baukonzern, ist pleite. Daran hängen 60.000 Arbeitsplätze.
Niemand kam in der vergangenen Woche an den Nachrichten über einen der größtenCrashs der deutschen Nachkriegsgeschichte vorbei: Die Philipp Holzmann AG, zweitgrößter deutscher Baukonzern, ist pleite. Daran hängen 60.000 Arbeitsplätze. Gerhard Schröder hat's dann in letzter Minute gerichtet. Hat er wirklich? Welche Folgewirkungen hat das Bundes-Engagement für die Privatwirtschaft insgesamt? Ist Holzmann (Philipp!) in der Möbel-Branche möglich? Ein Meinungsbild aus den Führungsetagen:
"Wir sind ein ordentliches Geschäftsunternehmen. Möbel sind aber niemals so publikumswirksam. Bei Holzmann haben die Aufsichtsgremien schlicht versagt." Günther Rauch
"Ein Crash in dieser Größenordnung ist schwer nachzuvollziehen. Warum wurde da nicht eher die Reißleine gezogen? Wir hangeln uns von Messe zu Messe. Aber wenn die Kalkulation nicht stimmt, dann geht's eben nicht. Wer intern seine Hausaufgaben macht, weiß : 'Bis zu diesem Preis kannst du gehen – und weiter nicht.' Jedes intakte Unternehmen weiß, wo es steht." Manfred Kruse, Röhr-Geschäftsführer
"Ich empfehle die Lektüre des Buches 'Nieten in Nadelstreifen': Bei Holzmann hat das Management einfach die Augen verschlossen – und über Expansion das bereits vorhandene Desaster zu vertuschen versucht. In der Möbelbranche gibt es keinen vergleichbaren Betrieb – aber auch Klose hat lange gewusst, dass er nur noch übernommen werden konnte. Nur flache Hierarchien sind steuerfähig, angestellten Managern fehlt oft die Entscheidungskraft." Thorsten Kraft, Steinhoff
"Bei uns wären im Vorfeld jede Menge rote Lampen angegangen. Wenn der Zahlungsspielraum kleiner wird, werden sofort Kostenblöcke eingefroren: Die Ausrüstung des Außendienstes mit Laptops ist nicht lebensnotwendig. Investitionen können aufgeschoben werden, als letzte Maßnahme ist Kurzarbeit denkbar – und zwar bevor alles verloren geht."Günter Staeffler, Wellmann
"Holzmann ist vor allem ein Beispiel dafür, wie schnell und tief ein Unternehmen fallen kann. Mit zunehmender Konzentration steigt die Anfälligkeit für konjunkturelle Krisen. Und auch uns Möblern bricht doch immer mehr die breite Schulter des Mittelstands weg". Thomas Rump, Welle-GF. Marketing und Vertrieb

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