Auf der Pressekonferenz zur "imm cologne" fasste der Handelsverband Möbel und Küchen die Entwicklung 2019 zusammen.

BVDM

Möbel- und Küchenhandel legt um vier Prozent zu

Mit einem Jahresbruttoumsatz von 34,2 Mrd. Euro hat der deutsche Möbel-, Küchen-, und Einrichtungsfachhandel das vergangene Jahr abgeschlossen. Wie Hochrechnungen des Handelsverbands Möbel und Küchen (BVDM) auf Basis der ersten zehn Monate 2019 nach Werten des Statistischen Bundesamtes ergeben, ist das ein Plus von vier Prozent. Für 2020 erwartet der BVDM eine stabile Nachfrage.

Der Umsatzverlauf der Branche stellt sich dabei jedoch uneinheitlicher denn je dar. Grund dafür ist das immer hybrider werdende Informations- und Einkaufsverhalten. So gibt es heute eine klare Präferenz jüngerer Käuferschichten zu hippen Standorten in florierenden Städten. Selbst für Möbel und Küchen muss es eine Erreichbarkeit ohne Auto gewährleistet sein, verbunden mit der Zustellung der Ware. Darauf haben allerdings erst wenige Unternehmen der Branche eine Antwort.

Daneben ist es schwieriger geworden, die zunehmende Kaufkraft der Bevölkerung auf den Möbelhandel zu lenken. Die Entwicklung der Wohnkosten stellt sich dabei als ein harter Konkurrent heraus.

Beim ausgewiesenen Umsatzgewinn von vier Prozent , sind es die Umsätze des „Einzelhandels mit überwiegend Wohnbedarf“. DerBVDM geht davon aus, dass Randsortimente, die bislang über andere Branchen vertrieben wurden, eine zunehmende Rolle spielen, sowie Dienstleistungsumsätze, denen Beratungs- und Serviceleistungen gegenüberstehen. Insgesamt klagten Volumenvermarkter 2019 vielfach über Umsatzrückgänge und leerstehende Häuser, während die mittelständischen Fachhändler eher positive Entwicklungen vermelden konnten.

Trotz fortschreitender Konzentration ist die Möbel- und Küchenbranche eine generell mittelständisch geprägte Einzelhandelsbranche. Der Anteil der Familienunternehmen oder solcher, in denen Familien das Kapital in Stiftungen überführt haben, ist hoch. Das Engagement von Kapitalinvestoren im Handel ist unterproportional, an der Börse spielt der Möbelhandel kaum eine Rolle. Das liegt vor allem an der Stärke der Einkaufsverbände, in denen mehr als 80 Prozent aller Handelsbetriebe mit mehr als 60 Prozent des Branchenumsatzes organisiert sind. Dazu zählen mittlerweile fast alle in Deutschland und Österreich marktführenden Unternehmen. Hinzu kommt eine Konsolidierung unter den Verbundgruppen, wo auch die traditionelle Trennung zwischen Möbelhäusern, Voll-sortiment und spezialisierten Küchenhändlern immer stärker überwunden wird. Derzeit fügt sich der Möbel- und Küchenhandel zu neuen Verbundgruppenkonstellationen und zerbricht traditionelle Strukturen.

Der Flächenzuwachs hat sich im vergangenen Jahr weiter abgeschwächt: Es wird weniger neu gebaut, es werden häufiger bestehende Standorte und Flächen übernommen. Insgesamt verfügt der deutsche Möbelhandel über rund 23 Mio. qm VK-Fläche. Hiervon werden über sechs mio. qm – das ist ein Viertel der Fläche - von 170 Häusern mit mehr als 25.000 qm VK-Fläche betrieben.

Der Online-Handel mit Möbeln gewinnt weiter an Bedeutung. Gut 3,5 Mrd. Euro brutto, also zehn Prozent des Gesamtumsatzes, wurden 2019 mit Möbeln, Küchen und Einrichtungsgegenständen erwirtschaftet. Hierbei beteiligen sich inzwischen auch zunehmend klassische stationäre Händler, die bislang der Online-Pure-Playern weitgehend das Feld überlassen hatten.

Betrachtet man die Sortimentsbereiche, so sind Küchenmöbel mit 26 Prozent Umsatzanteil die stärkste Warengruppe, gefolgt von Polstermöbeln mit 22 Prozent und Schlafzimmermöbeln mit 13 Prozent, wobei Boxspringbetten unverändert Verkaufsschlager - allerdings zu Lasten der sonstigen Schlafzimmermöbel - sind. Wohnzimmermöbel runden das Bild mit elf Prozent Umsatzanteil ab.

Zur Möbel-, Küchen- und Einrichtungsbranche im engeren Sinn zählt das statistische Bundesamt 8.500 Unternehmen mit 100.000 Beschäftigten.

Mit positiven Erwartungen startet der BVDM ins neue Jahr. So baut der deutsche Möbelhandel auf die am Montag startende "imm cologne". Er rechnet durch die Messe mit positiven Ausstrahleffekten auf die Nachfrage.

 

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