Nicht wie gewohnt auf der Ambiente, sondern als Online-Konferenz fand diesmal die PK des IVSH statt.

Industrieverband Schneid- und Haushaltswaren (IVSH)

„Mit einem blauen Auge davon gekommen“

Obwohl die Corona-Krise die Branche im vergangenen Jahr zunächst hart getroffen hat, was sich in Absatzschwierigkeiten, Kurzarbeit, KFW-Hilfen und Steuerstundungen ausdrückte, verzeichneten die Unternehmen, die dem IVSH angeschlossen sind, nach dem Lockdown von Mai bis Oktober ein erfreuliches Wachstum. Hartmut Gehring, Geschäftsführender Gesellschafter der Firma Gehring sowie Vorsitzender des IVSH, nennt dafür zwei Gründe: Zum einen gab es eine aufgestaute Nachfrage, die sich nach der Wiedereröffnung der Geschäfte gewissermaßen Bahn brach, zum anderen habe der Urlaubsverzicht der meisten Menschen die Kaufkraft steigen lassen. Zudem haben sich die Konsumgewohnheiten der Verbraucher:innen geändert. Es sei deutlich mehr gekocht worden.

Eine entscheidende Rolle kam dabei offenbar dem Onlinehandel zu, den viele Firmen mit eigenen Onlineshops forcierte haben. Einer Umfrage unter den Mitgliedsfirmen des IVSH in diesem Frühjahr zeige: Der eigene Onlineumsatz wuchs 2020 im Durchschnitt um 42 Prozent, im ersten Quartal des laufenden Jahres kam es noch einmal zu einem Anstieg von fast 50 Prozent. Gleichwohl brach IVSH-Geschäftsführer Jens-Heinrich Beckmann eine Lanze für den Fachhandel, der für die Sichtbarkeit der Produkte nach außen unverzichtbar sei.

Entsprechend konnte der Umsatz mit HKT-Erzeugnissen (Kochgeschirr, Pfannen und Küchenhelfer) 2020 insgesamt um 7,6 Prozent auf gut eine Milliarde Euro wachsen. Gleichzeitig ging der Umsatz von Schneidwaren um drei Prozent auf gut 1,2 Mrd. Euro leicht zurück und die Besteckindustrie verzeichnete sogar einen Rückgang in Höhe von fünf Prozent auf 159 Mio. Euro. In Summe ergab das für den Gesamtumsatz der Industrie im vergangenen Jahr einen kleinen Zuwachs von 1,1 Prozent auf gut 2,4 Mrd. Euro.

Der Export wuchs - nach amtlichen Angaben - um 1,4 Prozent auf gut 1,7 Mrd. Euro, der Import um zwei Prozent auf über 1,8 Mrd. Euro, während die Produktion nach mehreren Jahren des Wachstums um 3,1 Prozent auf gut 1,1 Mrd. Euro zurückging. Ein Grund dafür ist ein Abbau der Lagerbestände. „Salopp gesprochen könnte man also sagen, dass unsere Industrie im Coronajahr 2020 noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen ist“, sagte Hartmut Gehring bei der Online-Pressekonferenz.

Für das laufende Jahr sehen die Perspektiven laut IVSH-Geschäftsführer Jens-Heinrich Beckmann erstaunlich gut aus. Der Export wuchs im ersten Quartal um 11,5 Prozent auf 466 Mio. Euro und der Import sogar um 23,2 Prozent auf 547 Mio. Euro. Die Umsätze erhöhten sich in gleicher Zeit um 7,1 Prozent, wozu vor allem die Schneidwaren beigetragen haben, die um 19,5 Prozent zulegten. Während HKT-Erzeugnisse um 9,6 Prozent wuchsen, verzeichneten Bestecke einen Rückgang von gut 13 Prozent. Insbesondere das Objektgeschäft gestalte sich schwierig, doch auch hier gibt es Lichtblicke. Aufgelaufen bis 31. Mai konnten die Besteckhersteller sogar ein Umsatzwachstum von 5,3 Prozent erzielen, so Wilhelm Seibel, geschäftsführender Gesellschafter von Mono und Vorsitzender der Fachgruppe „Besteckindustrie“. 

Sorgen bereitet dem Verband die augenblickliche Entwicklung in Sachen Energie, Vormaterialien und Logistik. „Im Schnitt sprechen wir bei Material über eine Preissteigerung von 15 Prozent und bei Frachtkosten ebenfalls – Tendenz steigend“, so Hartmut Gehring. Diese Kostensteigerungen können eins zu eins am Markt aufgrund des großen Preisdrucks sicherlich nicht weitergegeben werden.

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