Küchenbilanz 2017

Minus 3,85 Prozent – Alno sorgt für Chaos in der Auftragsstatistik

Schon seit Juni gehen die Umsätze der deutschen Küchenmöbelindustrie, die von Destatis ermittelt und über den VdDK veröffentlicht werden, zum Teil dramatisch bergab. Mit den Ergebnissen für Dezember (-9,3%) liegt jetzt die Gesamtbilanz für 2017 vor: Diese weist für das Jahr 4,6 Mrd. Euro, also ein Minus von 3,85 Prozent gegenüber 2016 aus. Im Inland beträgt die Differenz 5,83 Prozent, der Export (39,8 % vom Gesamtumsatz) liegt mit 0,69 Prozent unter dem Vorjahr.

Hatten 2016 im Durchschnitt 54 Betriebe ihre Umsätze gemeldet, waren es seit November 2017 nur noch 50, was sich überwiegend durch die Insolvenzen der Alno- und der LaCour-Gruppe (hier werden die Betriebe mit mehr als 50 Mitarbeitern einzeln gerechnet) und Nieburg erklärt. Auf Nachfrage von moebelkultur.de erklärt allerdings VdDK-Geschäftsführer Dr. Lucas Heumann, dass letztlich die Namen der erfassten Unternehmen im Unklaren bleiben, sodass auch eine exakte Vergleichbarkeit der Umsätze zwischen den Jahren nicht möglich ist.

Gleichwohl bestätigt auch Heumann, dass 2017 „kein leuchtendes Jahr“ für die deutschen Küchenmöbler war – selbst wenn einige Unternehmen durch die Umverteilung der Alno-Umsätze ein Plus von 100 Prozent in einzelnen Monaten registrierten. Nach den bereits seit Jahren bestehenden Zuwächsen war jedoch aus seiner Sicht eine Stagnation für den Küchenverkauf zu erwarten, zumal der Wohnungsmarkt mit etwa 7 Prozent rückläufig gewesen sei. „Auch darin zeigt sich ein Fehler in der Wahrnehmung, denn Wohnungsmangel herrscht nur in den Großstädten. In ländlichen Bereichen gibt es dagegen Leerstände in erheblichem Umfang.“ Für den Küchenneukauf ist dies bekanntlich ein ausschlaggebender Faktor. Im Gegensatz zur Stagnation im Inland sind aber laut Heumann die Perspektiven für das Auslandsgeschäft weiterhin gut.

Starke Abweichungen von den Destatis-Zahlen zeigen zudem die Auftragsstatistiken des VdDK, die bis Ende 2017 bei den Eingängen in Stückzahlen ein Plus von 5,9 Prozent bzw. 5,5 Prozent nach Auftragswert ausweisen. Da nur 29 Betriebe ihre Daten meldeten, sei hier der Alno-Effekt besonders deutlich – wobei sich insbesondere seit Mitte September, dem Zeitpunkt der Produktionseinstellung in der Alno-Gruppe, die Auftragseingänge stark reduzierten. Diese Ungenauigkeit werde sich nach dem 3. Quartal 2018, wenn die Insolvenz der Alno-Gruppe nach zwölf Monaten statistisch nicht mehr relevant ist, kompensieren.

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