Die Warsaw Home auf dem Messegelände Ptak Warsaw Expo.

Vzor hat sich den polnischen Design-Ikonen der 1950er Jahre verschrieben. Die Entwürfe waren ihrer Zeit damals weit voraus.

Die Messe- und Unternehmergene hat Kasia Ptak (o. M.) von ihren Eltern, Antoni und Agnieszka Ptak, geerbt. Ihr Vater hat in den 1990er Jahren ein Ausstellungsareal für die Textilindustrie etabliert.

Die Kennzahlen 2019 laut Veranstalter: Fläche: 120.000 qm, Aussteller: 697, Besucher: 74.489, davon 64% B2B

Parallel zur Warsaw Home finden in Warschaus Zentrum viele Events und Ausstellungen im Rahmen der Warsaw Design Week statt.

Warsaw Home

Messe-Rückblick: Warschauer Wirtschafts-Power

Ein Blick auf die Warschauer Skyline genügt, um zu begreifen, dass die polnische Wirtschaft nach wie vor äußerst dynamisch ist. Insbesondere in der Hauptstadtregion gibt es zahlreiche Bauprojekte und eine zahlungskräftige Klientel für Möbel. Für 700 Aussteller – sowohl polnische als auch internationale – waren das Gründe genug für eine Teilnahme an der Warsaw Home.

Während auf der Meble ­Polska in Posen traditionell die volumenstarken polnischen Hersteller zu Hause sind, hat sich das Team von Kasia Ptak daran gemacht, die heimischen Design-Labels und internationalen Möbelmarken auf der Warsaw Home in der polnischen Hauptstadt zu versammeln. Die Messe fand Anfang Oktober bereits zum vierten Mal statt und hat sich mit nunmehr 700 Ausstellern in den fünf Segmenten Design, Möbel, Küche, Giving & Living sowie Innenausbau gut entwickelt. Damit steht die Warsaw Home symptomatisch für die dynamische Entwicklung der polnischen Wirtschaft, wie auch der Star-Designer Tom Dixon feststellte: „Es gibt hier einen ausgeprägten Unternehmergeist, den es so aktuell nicht in vielen Ländern der Erde gibt.“ Das Wirtschaftswachstum beträgt in diesem Jahr 4,2 Prozent, für 2020 werden immer noch starke 3,6 Prozent erwartet. Im Bausektor beträgt das diesjährige Wachstum sogar stolze 6,5 Prozent. Und die Arbeitslosenrate liegt bei niedrigen 3,5 Prozent. Ein weiteres Indiz für die Konsum-Power unserer Nachbarn: Der Durchschnittslohn ist von 4.052 Zloty (umgerechnet 926 Euro) im Jahr 2016 auf 4.585 Zloty (2018, 1.075 Euro gestiegen). Das sind gute Rahmenbedingungen für Möbelverkäufe.

Die Initiatorin der Warsaw Home, Kasia Ptak, ist eine dieser osteuropäischen Power-Frauen. Ihre Eltern, Antoni und Agnieszka Ptak, haben mit der Ptak Fashion City in der Nähe von Lodz ein Vermögen gemacht. In dem 1993 gebauten Einkaufsareal für Groß- und Einzelhändler verkaufen 2.500 polnische Bekleidungsproduzenten und Importeure ihre Waren. Seit vier Jahren trägt nun auch das etwa 20 km vor den Toren Warschaus gelegene Messegelände der Warsaw Expo den Namen der Familie Ptak. Mittlerweile beherbergt es 30 eigene und 15 externe Messen jährlich. Mit steigender Tendenz. Und bis auf das Nadelöhr der Autobahnanbindung, das zu langen Staus bei der Anfahrt zur Messe führt, entspricht die Infrastruktur höchstem internationalen Niveau. Zumal das Messegelände noch um zwei Hallen erweitert werden soll, womit die Ptak Warsaw Expo in die internationalen Top Ten nach Ausstellungsfläche aufsteigen würde. Die Designliebhaberin Kasia Ptak hat es sich schon während der Bauphase des Areals in den Kopf gesetzt, eine Möbelmesse in Warschau zu etablieren und überließ dabei nichts dem Zufall: Das junge Messe-Team lebt eine moderne und frische Corporate Identity. Für das Rahmenprogramm kommen Designgrößen wie Richard Hutten, Christophe Pillet, Stefan Diez oder Karim Rashid auf die Messe. Und parallel zur Messe findet die Warsaw Design Week mit zahlreichen Design-Events im Zentrum der 1,8-Millionen-Einwohner-Metropole statt. Dementsprechend sagt Kasia Ptak rückblickend: „Die Stärke und Größe der polnischen Möbelindustrie haben mich dazu inspiriert, die Warsaw Home zum Leben zu erwecken. Schon die erste Ausgabe hat bewiesen, dass ein solches Event in Europa an dieser Stelle gefehlt hat. Mein Ziel ist es, mit der Warsaw Home in einem Maßstab zu wachsen, der sich an Messen wie in Mailand oder Paris orientiert. Heute ist die Messe eine erfolgreiche Business-Plattform, um internationale Geschäftsbeziehungen zu knüpfen und gleichzeitig ein Treffpunkt für Liebhaber des schönen Designs.“

Das wollten sich in diesem Jahr  laut Angaben des Veranstalters 74.489 Besucher nicht entgehen lassen. Die klare Mehrheit von 64 Prozent waren dabei Business-Gäste, weshalb die Warsaw Home im kommenden Jahr ihr B2B-Profil weiter schärft. Während es in diesem Jahr zwei B2B-Tage und zwei Endverbrauchertage gegeben hat, werden es vom 30. September bis 3. Oktober 2020 drei B2B-Tage und ein offener Besuchertag sein. Insbesondere auf Architekten hat es die Messegesellschaft abgesehen, denn in Polen überlässt man die Kaufentscheidungen, was Möbel anbelangt, gern den Profis – zumindest ab einem gewissen Preis-Level. Alles in allem belegte die Warsaw Home 120.000 qm brutto in fünf Hallen – das entspricht 70 Prozent der zur Verfügung stehenden Messe-Fläche. Zu Beginn der Veranstaltung im Jahr 2016 waren es noch 400 Aussteller auf gerade mal 24.000 qm Fläche. Zudem denkt das Messemanagement darüber nach, aus dem Messebereich für Innenausbaumaterialien zu einer eigenen Messe namens „Warsaw Build“ auszugliedern. Die weitere Zuspitzung des Messeprofils dürfte den Ausstellern gefallen – auch den internationalen, immerhin kamen in diesem Jahr schon 30 Prozent der 700 Aussteller aus dem Ausland, darunter Weltmarken wie Magis, Pedrali oder Moroso.

Auch deutsche Unternehmen wie Rolf Benz, Gilde Handwerk oder Koziol waren vor Ort, wobei es zum Teil auch polnische Handelspartner waren, die sich um die Ausstellung der Marken gekümmert haben. In der Küchenhalle waren sogar fast alle Big Names der deutschen Industrie vertreten. Die Kennerin der deutschen und der polnischen Möbelwelt, Halina Kasprzyk, weiß, warum das Sinn macht: „Es gibt einige ­italienische Marken, die in Polen unter die Räder gekommen sind. Die Polen schätzen die Zuverlässigkeit der deutschen Marken.“ Viele potenzielle Aussteller aus Deutschland nutzten die diesjährige Messe, um sich vor Ort selbst ein Bild zu machen.

Für deutsche Händler wiederum ist die Warsaw Home als Einkaufsplattform unbedingt interessant. Denn die Konzentration von derart vielen Hochwert-Labels aus Polen wie zum Beispiel Aris, Kler Paged oder Bizzarto beeindruckt. Das Label Vzor gehört mit den Design-Klassikern von Roman Modzelewski und Czelaw Knothe aus den 1950er Jahren gar zum internationalen Kulturgut. Darüber hinaus lassen sich aber auch einige echte Entdeckungen machen – wie beispielsweise das Juwel Hule oder die kleinen Manufakturen auf der Sonderfläche „Transforming Design from Poland“ .

Und mal abgesehen davon, ob man als Händler oder Hersteller die Warsaw Home besucht – eine Reise in die polnische Hauptstadt ist auch in der Hinsicht ein Gewinn, um sich einen Eindruck davon zu machen, wie rasant sich unser Nachbarland seit dem Systemwechsel vor 30 Jahren entwickelt hat und zunehmend zu einer Wirtschafts- und Finanzdrehscheibe zwischen Ost und West fungiert. Kasia Ptak fehlt es nicht an dem nötigen Ehrgeiz diesen Status zu untermauern: „Berlin hat ein paar Anläufe unternommen, um sich als Design-Hub zwischen Ost und West zu positionieren und ist damit gescheitert. Wir haben die Warsaw Home zum richtigen Zeitpunkt gestartet. Nun geht es darum, ihr zu mehr Internationalität zu verhelfen.“            

 

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