Volker Klodwig im Vortrag über den "Boom der Hausgeräte"

Volker Klodwig, "Backfee" Sally, Dirk Wittmer und Judith Rakers.

gfu Insights

„Mein Heim – mein Hausgerät“ - Chancen durch Corona

Mit den „gfu Insights & Trends“ startete auf dem Berliner Messegelände heute Nachmittag das traditionelle IFA-Vorspiel – vor eingeschränktem Publikum, aber mit topaktuellen Impulsvorträgen von fünf Experten, die von "Tagesschau"-Profi Judith Rakers moderiert wurden.

Den Anfang machte Kai Hillebrandt als neuer Aufsichtsratsvorsitzender (und Nachfolger von Hans-Joachim Kamp), der Auszüge aus der jüngsten gfu-Umfrage über Folgen von Corona für Markt und Gesellschaft vortrug. 2.000 Konsumenten hatten im Rahmen der repräsentativen Onlinebefragung Auskunft gegeben. Zum Beispiel zur Einkommenssituation: Zwar gibt die Mehrheit (55 %) der befragten Berufstätigen an, dass es Corona-bedingt keine Einbußen gegeben habe, aber immerhin für 17 Prozent waren sie deutlich spürbar. Gleichwohl profitiert der Bereich Home Electronics bei geplanten Anschaffungen besonders, wie sich erneut bestätigt: 55 Prozent gaben an, dass sie Anschaffungen vorgezogen hätten, besonders die von Gefrier-/Kühlgeräten (89 %) und Geschirrspülern (78 %). Die seit Juli reduzierte Mehrwertsteuer setzt bei jedem sechsten Befragten (17 %) einen Kaufanreiz, bei den Jüngeren (16 - 39 Jahre) ist der Anteil mit 27 Prozent sogar noch deutlich höher. Und 27 Prozent der Befragten sagten, dass sie nun häufiger kochten und backten.

„Mein Heim – mein Hausgerät“ brachte entsprechend BSH-Vertriebschef Volker Klodwig (Foto) die vergleichsweise robuste Entwicklung bei Großgeräten auf den Punkt. Was sich zum einen im signifikanten Inlandswachstum von 2,7 Prozent im ersten Halbjahr (mit vielversprechender Fortsetzung im Juli/August) widerspiegelt und zum anderen in der überall registrierten Wertschätzung für das Zuhause zeigt, verbunden mit der Feststellung: „Hausgeräte haben Lebensqualität“. Konsumenten schichten Budgets um, von der Fernreise zum eigenen Zuhause: Davon profitiere nicht nur der E-Commerce, sondern gerade auch der stationäre Handel, wenn er dem jetzt gestiegenen Bedürfnis nach Nähe und Vertrauen entgegenkommt. Für Klodwig ist die Corona-Krise zugleich Katalysator und Herausforderung, vor allem in puncto Digitalisierung: „Neue Normalität bedeutet für unsere Branche, dass wir flexibel sein müssen.“ Denn der Konsument werde fordernder.

Einen eigenen Auftritt hatte You-Tuberin Sally, die derzeit als Testimonial für Bosch ins Zentrum der Kommunikation rückt. Corona-bedingt hatte die BSH-Marke alle neuen Geräte kurzerhand ins Aufnahmestudio gebracht, um mit der bekannten Influencerin internationale Videos für die sozialen Kanäle zu drehen. Ein Riesenerfolg, der die Community mobilisiert habe, nach dem Motto: „Heute ist man der Coolste, wenn man zu Hause ist, backt und Marmelade kocht.“ Mit 100 Mitarbeitern betreibt Sally inzwischen nicht nur einen eigenen Onlineshop, sondern seit Mai auch ein stationäres Geschäft in Mannheim – ein wichtiger Point of Emotion, vor dem die Fans oft 2-4 Stunden warten, bis sie in „Sallys Welt“ hineinkommen.

Weitere Themen waren Erfahrungen mit Home Office und Home Schooling oder der Einsatz der Corona-App sowie ein Erfahrungsbericht von Euronics-Händler Dirk Wittmer, der über seine Art, mit der Corona-Krise umzugehen berichtete, indem er ironisch-kreativen Content und Stories für Instagram entwickelte. Sein Credo: „Viele haben einfach das Kurzarbeitergeld genommen, aber das ist fahrlässig, weil wertvolle Kundenkontakte verloren gehen.“

Ihren ersten Bühnenauftritt in neuer Position hatte in Berlin überdies Dr. Sara Warneke, die erst gestern ihren Job als Geschäftsführerin der gfu angetreten hatte. Mit Blick auf die beiden folgenden Tage, an denen die IFA Special Edition mit Internationaler Pressekonferenz, Lounges und Keynotes für weitere Impulse sorgen will, stellt Kai Hillebrandt mit Dank an die Messegesellschaft und die Stadt Berlin fest: „Was wir hier auf die Beine gestellt haben, ist weltweit einzigartig“. 

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