Lars Adler, Geschäftsführer von Hoff Interieur, ist ein krisenerprobter Importeur. Aber an das New Normal will auch er sich nicht gewöhnen.

Lieferketten im Stress - Interview II

Lars Adler: "Sourcen am Computer ist weit weniger effizient als auf einer Messe in China"

Die Auswirkungen der Pandemie haben die Lieferketten gesprengt. Die Konsumgüterbranche ist mit einem hohen Import-Anteil und großen Order-Volumina davon besonders getroffen. Dass es sich dabei nur um eine Momentaufnahme handelt, glaubt keiner der Top-Unternehmer, die wir um ihre Einschätzung für 2022 gebeten haben. Lars Adler, Geschäftsführer von Hoff Interieur, ist ein versierter Importeur, der vor allem auf Messen als Einkaufs- und Verkaufsformate setzt. Wie er das Unternehmen durch die Krise navigiert, berichtet er im Exklusiv-Interview mit "P&G".

P&G: Herr Adler, was ist im Sourcing aktuell die größte Herausforderung?

Lars Adler: Es ist irritierend, dass wir wunderschöne Kollektionen an den Start bringen wollen und die entsprechenden Messen dafür vorbereiten und auch entsprechende Kosten eingehen, es andererseits aber unsicher ist, ob und welche Messen stattfinden.

P&G: Wie hoch sind die Containerkosten aktuell? Und wann rechnen Sie mit einer Beruhigung?

Lars Adler: Nach 19.000 US-Dollar im Oktober liegen die 40'-Container jetzt bei 15.000 US-Dollar. Ich glaube, dass das Chinese New Year am 1. Februar eine kleine Beruhigung bringen wird. Dann werden sich die Preise aber linear bis Ende 2023 (!) auf einem Normalniveau einpendeln, das höher liegt als das 2019er Niveau.

P&G: Wie stark sind die Einkaufspreise gestiegen?

Lars Adler: Das hängt stark von der Warenart und den verwendeten Materialien ab. Bei energieintensiven Produkten sind die Preise um bis zu 25 Prozent gestiegen.

P&G: Welche Artikel sind besonders problematisch?

Lars Adler: Waren aus Glas und Metall.

P&G: Lässt sich aktuell überhaupt solide sourcen?

Lars Adler: Solide bedeutet, dass man schöne Dinge, die das Leben und das Zuhause der Verbraucher angenehmer gestalten, zu  machbaren Preisen auf den Markt bringt. Ja, das funktioniert schon, man muss nur viel mehr Zeit als früher dafür investieren.
Und eine ganz klare Erkenntnis nach zwei Jahren Pandemie: Sourcen am Computer ist weit weniger effizient als auf einer Messe in China.

P&G: Gibt es Unterschiede nach Ländern?

Lars Adler: Indien profitiert davon, dass es nicht so rigide Reisebestimmungen wie China durchsetzt. Die erste Messe in Delhi ist Ende 2021 über die Bühne gegangen - sehr viel kleiner, aber es waren einige Europäer und Amerikaner vor Ort. China schottet sich derzeit im Zuge der Null-Covid-Strategie stark ab, bestimmt noch bis Ende 2022. Aber auch europäische Länder insbesondere in Osteuropa rücken wieder stärker in den Fokus. Aber all diese Länder sind noch keine ernsthafte Alternative zu China, das wird viele Jahre dauern, bis sich das drehen könnte.

P&G: Möchten Sie in Zukunft in anderen Regionen einkaufen?

Lars Adler: Ja, wenn alte Handwerkskunst und Produktionsverfahren in Europa wieder aufgebaut werden, wäre das schön.
Aber so etwas geht nicht von heute auf morgen, sondern braucht Zeit.

P&G: Was sagen die Handelspartner zu der Situation? Stellen die Händler Sortimente um?

Lars Adler Die Handelspartner sind – wie wir auch – sehr flexibel und stellen sich jeweils auf die Situationen mit Lockdowns oder anderen Auflagen und Einschränkungen ein. Unsere Branche, die das Schönermachen des Zuhauses propagiert, profitiert im Grunde von der Pandemie. Bisher sieht es auch so aus, als ob auch die höheren Preise akzeptiert werden. Eine große Sortimentsumstellung konnte ich bisher nicht beobachten. 

P&G: Wie lautet Ihre Prognose für 2022 bezogen auf Ihre Geschäftsaktivitäten?

Lars Adler: Die Messen in München, Hamburg, Paris, Mailand und Bern im Spätsommer und Herbst 2021 haben gezeigt, dass trotz stark gesunkener Besucherzahlen die Umsätze gestiegen sind. Die Händler brauchen Ware und sehen Messen als effizientes Sourcing-Instrument. Das wird 2022 nicht anders sein.

Der stark gestiegene B2B-Online-Anteil hat uns in der Zeit mit weniger Messen sehr geholfen und die Rentabilität des Unternehmens sogar erhöht. Wenn wir 2022 beides kombinieren könnten, die Vermarktung über Messen und den Vertrieb über den B2B-Shop, wäre dies wundervoll. Wir hoffen sehr, dass uns weitere Mutationen das nicht zunichte machen.

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