Küchenmessen in OWL

Viel Hygge, wenig Hype, gutes Fazit: Ein erster Überblick zum Küchenherbst 2025

Das Auf und Ab der deutschen Küchenbranche macht sich auch bei der wichtigsten Messe des Jahres bemerkbar: Zwischen Besucherrekorden und -Rückgängen, vielfach neu gestalteten Showrooms und reduzierter Innovationskraft sowie sehr unterschiedlichem Echo auf die derzeitige Marktlage (unter-)scheiden sich zwar die Geister. Insgesamt gibt der noch bis einschließlich 26.9. laufende Küchenherbst 2025 dennoch Auftrieb und Zuversicht – die Industrie pocht auf Partnerschaft untereinander und mit dem Handel.

Foto von Messestand mit Küche und Wohnraum in Holz, Braun, Beige, gemütlicher Wohnstil, warm ausgeleuchtet
Warme Farben, Strukturoberflächen im Japandi-, Skandi- und Landhausstil, Beleuchtung in Küchen- und Wohnmöbeln: Sachsenküchen macht vor, was fast überall zu sehen war. (Foto: Susanne Maerzke)

Ein erster Blick zurück auf die vergangenen Messetage ist immer auch ein Blick nach vorn: Welche Trends haben sich etabliert, die uns 2026 in Showrooms landauf, landab begleiten dürften? Klar ist: Runde Formen ziehen nicht erst jetzt ein in den offenen Küchen- und Wohnraum – sie haben es sich dort vielmehr längst gemütlich gemacht. Und zwar buchstäblich, wenn man das dänische Wort dafür heranziehen möchte: „Hygge“ galt augenscheinlich den meisten Küchenproduzenten als Oberthema ihrer diesjährigen Ausstellungen.

Blick auf die Küchentrends 2026

Das entschleunigte, reduzierte und wohlige Lebensgefühl, das die skandinavischen Länder mit Fingerspitzengefühl auf ihr Interieur übertragen, soll nun auch hierzulande für geschmackvolle Wohnlichkeit sorgen. Beige, Braun, Grau und Grün in matten Facetten und mit erstaunlich präsenter Landhaus-Ästhetik erzielen einen ruhigen Wohlfühlmix und lehnen sich in Kombination mit Holzdekor und Steinoptik an die Natur an.

Genau dabei bleibt es größtenteils aber auch: Zum einen haben Dekore Hochkonjunktur. Die vielgelobte Exklusivität „echter“ Materialien weicht – wie schon im Jahr zuvor – einer Begeisterung für die gut gemachte Optik von Schichtstoffen und sonstiger Replika. Zum anderen zeigte sich der diesjährige Küchenherbst, so gut die Stimmung vom 20. bis 25. September allerortens entlang der A30 auch war, deutlich weniger innovationsstark. Vielfach verwiesen Möbelproduzenten auf eine Vervollständigung ihres Sortiments durch neue Farben für Fronten, Griffmulden und Blenden. Durchgängigkeit lautet hier das Zauberwort – damit sowohl der Einstieg als auch das Hochpreissegment, sowohl Modell Landhaus als auch Minimalismus, sowohl Hoch- als auch Unterschrank in einheitlicher Optik gestaltet werden können. Das ist in Ordnung und eröffnet dem Küchenfachhandel mehr Möglichkeiten – oder erlaubt zumindest, diese leichter und in Serie ohne Aufpreis zu planen.

Umtriebiger an Ideen: Spülen und Software

Den vollständigen Trend-Überblick lesen Sie in der Ausgabe 8 der möbel kultur, aber stellvertretend sei hier bereits genannt, dass Pizza und Wein im Gerätesegment ihren großen Auftritt haben, Burgunderrot und Bronze schwere, ruhige Akzente setzen, verschiedene Griffe den neuen Realismus im Küchenraum einläuten und die Wasserspiele an der Spüle eröffnet sind – dank beeindruckender Design-Armaturen, Filter-Funktionen und Spülbecken-Radien im XL-Format. Künstliche Intelligenz ist übrigens längst „talk of the town“, weil sie in den kommenden Monaten (nicht Jahren!) die Planungsgrundlage im Handel übernehmen wird. Warum Entwickler und Anbieter wie eOpus und SHD dennoch davon sprechen, dass Fachplaner keine Angst vor einem Bedeutungsverlust haben müssen und was genau die Branche erwartet, erfahren Sie ebenfalls im kommenden Heft.

Gute Besucherzahlen in Wellen

Die finalen Zahlen stehen noch aus, aber schon jetzt lässt sich sagen, dass der Küchenherbst in diesem Jahr ganz anders besucht war als sonst: Stoßweise nämlich, sodass sich der Messemontag (22.9.) bei vielen Ausstellern noch deutlich stärker als der Messesonntag anließ und Marken wie Miele oder Siemens von neuen Besucherrekorden sprechen – pro Tag, aber auch im Vergleich zum Vorjahr. Andere Aussteller und Medienvertreter:innen nahmen etwas geringere Besucherströme als 2024 wahr; vielfach lief die Messe am Wochenende zögerlich an und verschleppte sich eher bis in die Abendstunden hinein.

Mehr Support am POS

Wie gut das Zusammentreffen aus Industrie, Handel, Handwerk und Zulieferern als gegenseitige Stütze und Stärkung dient, war aber nahezu überall zu hören. Sowohl in Paneltalks als auch in bilateralen Gesprächen wurde deutlich, dass die Branche das Gröbste überstanden hat und vorsichtig optimistisch auf 2026 blickt. Frische Werbeaktionen für den Handel, mehr Service durch Intranet und Außendienst, eine verstärkte Markenpräsenz bei Endkund:innen durch hohe Investitionen ins Marketing und eine bessere Betreuung bei Abwicklung und Reklamation sollen die Beziehungen zu den Handelspartnern stärken.

Dass diese mit Blick auf die Küchenneuheiten für 2026 ihren Showroom selten großformatig umbauen, sondern höchstens ergänzen müssen, dürfte zu einer Entspannung im nach wie vor „herausfordernden“ Marktumfeld, wie es so schön heißt, führen. Der Küchenherbst in Ostwestfalen zeigte sich 2025 weniger laut, aktiv und fordernd wie in den Jahren zuvor, aber dennoch als gänzlich „runde“ Geschichte: Viele Fachgäste, wertige Showrooms und Zeit für zahlreiche Gespräche zeigten eine Branche im Dialog, die auch mit etwas reduzierter Innovationskraft weiterhin Zugpferd der Möbelindustrie bleiben will – und dank geballter Schlagkraft mutmaßlich auch bleiben wird.