AMK-Mitgliederversammlung

Küchenbranche zwischen Topkonjunktur und dramatischer Mangelwirtschaft

Mit rund 150 Anmeldungen hatte die für heute anberaumte Live-Tagung der AMK in Mannheim bereits ein Rekordniveau erreicht, und konnte nach dem kurzfristigen Switch zur Onlineveranstaltung sogar noch etwas mehr Teilnehmer erreichen. Bis auf den beliebten Branchenabend und auch ohne Gastspeaker verlief das Programm dabei nach gewohntem Muster.

Beginnend bei den guten Nachrichten über die Branchenentwicklung. Wie parallel heute auch vom VDM/VdDK publiziert, steuert die Küchenindustrie auf einen positiven Jahresabschluss zu – bis September lag der Umsatz 2021 bei 10,8 Prozent Zuwachs. Getrieben durch ein Exportplus von 20,8 Prozent, während das Inland mit 3,93 Prozent Plus abschneidet. Das Minus im August falle laut AMK-Vorstandssprecher Markus Sander mit Blick auf den weiteren Verlauf nicht so ins Gewicht. Vielmehr gebe es gute Auftragsbestände bis weit ins nächste Jahr. Kochen bleibt im Trend und auch die anderen Rahmenbedingungen – von der Binnenkonjunktur u.a. im Wohnungsbau bis zur Weltwirtschaft – signalisieren, dass die positive Stimmung in der Branche anhält. Fast alle Länder erholen sich von der Pandemie, stellte dazu Roland Hagenbucher als zweiter Vorstandssprecher fest.

Gleichzeitig belasten jedoch auch die bekannten Problemfelder: Die Lieferschwierigkeiten, mit denen insbesondere die Geräteindustrie durch den Halbleiter- bzw. Chipmangel zu kämpfen hat, werden wohl noch bis mindestens Mitte nächsten Jahres anhalten, vermutete Hagenbucher. Trotz dieser dramatischen Mangelwirtschaft arbeite jedoch die Industrie allgemein hart an der Belastungsgrenze. Zwar werde Personal aufgebaut, doch der Aufstockung um 2,47 Prozent stünden 10,43 Prozent mehr Überstunden gegenüber, erklärte Sander auf Basis der aktuellen VdDK-Zahlen. Man müsse allen Mitarbeitern für diese Leistung ausdrücklich danken und zu den Hauptaufgaben in der Branche gehöre es, mehr Beschäftigte auszubilden und einzustellen.

Doch die Lieferzeiten stellen zumindest auf der Möbelseite laut Sander keinen begrenzenden Faktor für den weiteren Erfolg dar. Aufgrund der zu erwartenden anhaltend positiven Nachfrage bei Küchen geht der AMK-Vorstand vielmehr von einem Wachstum im „guten 1-stelligen Bereich“ im nächsten Jahr aus.

Anhaltende Erfolge verzeichnet auch die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der AMK, angefangen bei den im 2-Wochen-Takt verschickten Pressemitteilungen rund um Lifestyle- und Wirtschaftsthemen bis zu Radiointerviews, die mit einer Reichweite von 11 Mio. Zuhörern dazu animieren, sich mit dem Thema Küche zu beschäftigen. Als Liveevent mit Online-Übertragung inklusive Einspielern zu unterschiedlichen Themenfeldern wurde am 25. September „Der Tag der Küche“ abgehalten. Im kommenden Jahr wird er erstmals im November stattfinden (12.11.2022).

Neben den gefragten AMK-Merkblättern – aktuell u. a. zu Standards bei Oberflächen wie Thermobeschichteten Folien, Antifingerprint- und Ringfestigkeit – wird der Austausch mit China lebendig gehalten. Was angesichts der Reisebeschränkungen nicht leicht ist, wie AMK-Geschäftsführer Volker Irle erklärte. Gemeinsam mit dem neuen Geschäftsführer der AMK China John Zhang wurde dennoch einiges auf den Weg gebracht: der „Ratgeber Küche“ in chinesischer Sprache, der „Recruiting Day“ für chinesische Studenten oder auch die AMK Academy, die derzeit im Aufbau ist, um in Einzelbausteinen das Knowhow rund um die Einbauküche und somit den USP der deutschen Küchenindustrie zu vermitteln. Für den nächsten Länderinformationstag, der für den Herbst 2022 geplant ist, wird Afrika ins Visier genommen: mit den Zielmärkten Ägypten, Nigeria und Südafrika.

Eine Bestätigung für die AMK ist nicht zuletzt die konstante Mitgliederentwicklung in volatilen Zeiten. Zwar gab es 2020 zwölf Abgänge, doch zugleich gab es fünf Neuzugänge und sechs weitere Unternehmen sind in diesem Jahr dazugekommen: Oxytec, Reuschlaw Legal Consultants, Artego, KH Systemmöbel, Burnout Kitchen und FunderMax (u.a. Arbeitsplatten). Insgesamt sind es nun 141 Mitgliedsunternehmen.

Regelkonform wurde zudem heute der Vorstand gewählt: Alle acht Mitglieder – anstelle von Dr. Oliver Streit und Werner Heilos waren unterjährig Bernd Weisser (Nobilia) und Dr. Olaf Hoppelshäuser (MHK) dazugekommen – wurden bestätigt.

Die nächste AMK-Tagung soll am 15. März 2022 wieder regulär in Mannheim stattfinden.

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