Foto: Poggenpohl

Küchenmöbelindustrie

Küchen wecken nach wie vor Begehrlichkeiten

Kochen steht bei den Verbrauchern hoch im Kurs. Die Auswirkungen der Corona-Krise haben diesen Trend noch verstärkt: Zu Lasten von Restaurants bewirkt häufige häusliche Präsenz, Selbstgekochtes zu genießen oder mit Freunden Koch-Events zu erleben – am liebsten in miteinander verschmolzenen Einrichtungssphären von Arbeiten über Kochen bis Wohnen.

Dazu werden moderne Einbauküchen und faszinierende Elektrogeräte benötigt, was die Renovierungs- und Anschaffungsneigung beflügelt. Der Boom bei Lieferdiensten steht dieser erfreulichen Entwicklung kaum im Weg. Auch die Themen Regionalität, CO2-Fußabdruck und Nachhaltigkeit spielen uns als Branche in die Hände.

Die GfK sieht deshalb keinen Trend zu einer gestörten Konjunktur oder Anschaffungsneigung bei Küchen in Deutschland, auch wenn sie zuletzt in ihrer Analyse im August „Konjunktureuphorie vorerst gestoppt?“ titelt. Eher ist es so, dass Inflationsängste die Stimmung drücken und mit zurückkehrender Normalität wieder alternative Ausgaben – wie für Reisen – in den Fokus rücken. Vergessen werden darf jedoch nicht, dass erst im Juni der 10-Jahres-Peak bei der konjunkturellen Stimmungslage erreicht wurde.

Küchen aus deutscher Produktion haben weltweit, aber gerade auf dem Heimatmarkt einen erstklassigen Ruf. Und die Bereitschaft der Kunden ist ungebrochen, für gute Dinge gutes Geld auszugeben. Das beweist auch eine neue Studie zu den Pro-Kopf-Ausgaben 2020 für Küchen vom Juli dieses Jahres. Mit 401 Euro/Haushalt fließt mehr als die Hälfte (53 %) aller Möbel-Ausgaben (760 Euro/Haushalt) in die Küche inklusive aller dort vertretenen Warengruppen. Und dieser Anteil steigt kontinuierlich: 2018 kamen 360 Euro von 717 Euro/Haushalt den Küchen zugute (50 %), 2019 waren es schon 373 von 725 Euro/Haushalt (51,5 %). Überdurchschnittliche Pro-Kopf-Ausgaben kommen insbesondere aus Haushalten >1 Person und Einkommen >3.600 Euro/Monat.

So ist und bleibt ‚Top-Qualität‘ die zentrale Produktaussage deutscher Küchen – und im Fokus aller Kunden. Die hohen Qualitätsstandards der deutschen Küchenmöbelindustrie werden insbesondere mit dem RAL-Herkunftslabel „Möbel Made in Germany“ und seinen strengen Prüfkriterien betont. Dieses Herkunftsgewährzeichen bietet Verbrauchern Orientierungshilfe und eröffnet den Herstellern zusätzliche Wachstumspotenziale. Seit dem Start vor gut einem Jahr haben sich mittlerweile 60 Möbelhersteller, darunter 16 Küchenmöbler, für das Siegel zertifiziert.

Bei Küchenschränken äußert sich das gestiegene Wertbewusstsein der Verbraucher in Materialwahl und Gestaltung, also dem Design. Waren noch vor Jahren vor allem Folien- und Melaminharzfronten gefragt, ist für zwei Drittel unserer Mitgliedsunternehmen Lack und Lacklaminat die heute dominierende Frontausführung. Hochglanz wird, zumindest im mittleren bis gehobenen Preisniveau, inzwischen weniger nachgefragt – für über 90 Prozent unserer Unternehmen sind matte Oberflächen en vogue – zunehmend mit der Spezifikation ‚Antifingerprint‘.

In farblicher Hinsicht dominieren Weiß und Beige, aber auch Grau, Anthrazit und Schwarz haben inzwischen größere Fan-Kreise. Natürliche Materialien, gute Stauraumlösungen und besonders die „Verschmelzung von Wohnen und Kochen“ dominieren die Kundennachfrage. Smart Home-Lösungen bzw. vernetzte Küchen sind nur für jeden zehnten von uns befragten Hersteller ein wichtiges Thema.

Einen Ausblick zu geben, so sind sich VdDK-Vorsitzender Stefan Waldenmaier und VdDK-Geschäftsführer Jan Kurth anlässlich der Jahrespressekonferenz des Verbands gestern einig, fällt derzeit nicht leicht – zu groß sind unbeeinflussbare, teils globale Prozesse. „In der jüngsten Befragung unserer Mitglieder hat die Mehrheit der Befragten angegeben, dass sie für das gesamte Jahr 2021 mit zum Teil deutlichen Umsatzsteigerungen rechnen. Unsere Umsatzprognose für das Gesamtjahr 2021 liegt somit bei bis zu 10 Prozent“, so Kurth. „Wir freuen uns, dass dieses Wachstum über alle Betriebsgrößen feststellbar ist. Demnach steht die Branche nach der Corona-Krise auf einem solideren Fundament als zuvor“!

Stefan Waldenmaier versucht dennoch eine weiterreichende Vorausschau: „Auch auf längere Sicht steht einem Fortschreiben der Erfolgsgeschichte ‚Küche‘ nichts im Weg: Im Inland wollen sich die jetzt massiv in den Ruhestand eintretenden Babyboomer nochmals gut einrichten, die akkumulierten Vermögen haben Höchststände, eine kluge Nachhaltigkeits- und Einwanderungspolitik sollte für zusätzliche Nachfrage sorgen.“

Die Corona-Pandemie war vielleicht nur Auslöser einer sich seit längerem abzeichnenden Trendumkehr: Denn so wie Regionalität vor Globalisierung an Bedeutung gewinnt, wird aus dem ‚Globetrotter‘ zunehmend ein Cocooning-Verfechter. Schutz wird verstärkt in den eigenen vier Wänden gesucht – in einer unübersichtlichen Welt, in der sich viele Verbraucher von der Digitalisierung bis hin zum Klimawandel nicht selten überfordert sehen. Das eigene Zuhause wird damit immer wichtiger. Und mit ihm die Küchenbranche, die selbst ganz besondere Träume wahr werden lässt – davon ist nicht nur Waldenmaier zutiefst überzeugt.

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