Verbände der Deutschen Möbelindustrie (VDM)

Knapp zehn Prozent Minus im ersten Halbjahr

Die herausfordernden Zeiten in der Möbelbranche drücken sich auch in Zahlen aus: Die deutsche Möbelindustrie hat im ersten Halbjahr 2024 die Kaufzurückhaltung der Verbraucher:innen zu spüren bekommen. Der Umsatz sank

Foto: VDM

Die herausfordernden Zeiten in der Möbelbranche drücken sich auch in Zahlen aus: Die deutsche Möbelindustrie hat im ersten Halbjahr 2024 die Kaufzurückhaltung der Verbraucher:innen zu spüren bekommen. Der Umsatz sank laut amtlicher Statistik um 9,7 Prozent auf 8,3 Mrd. Euro. Auf dem Heimatmarkt setzten die 417 Betriebe (mit mehr als 50 Beschäftigten) mit insgesamt 71.841 Beschäftigten rund 5,6 Mrd. Euro um und damit 9,1 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Noch stärker rückläufig entwickelte sich der Auslandsumsatz mit einem Minus von 10,9 Prozent auf 2,7 Mrd. Euro. Die Exportquote betrug rund ein Drittel.

Sämtliche Segmente der Branche mussten Einbußen hinnehmen. In der Küchenmöbelindustrie belief sich der Umsatz auf rund 2,9 Mrd. Euro, ein Minus von 9,8 Prozent. Die Hersteller von Polstermöbeln registrierten einen Umsatzrückgang von 11,2 Prozent auf rund 500 Mir. Euro. Die stärkste Einbuße verzeichnete die Sparte der sonstigen Möbel (darunter Wohn-, Ess- und Schlafzimmermöbel sowie Möbelteile), deren Umsatz um beachtliche 15 Prozent auf 2,5 Mrd. Euro fiel. Das kleinste Segment der Branche – die Matratzenindustrie – vermeldete ein leichtes Umsatzminus in Höhe von 1,3 Prozent auf knapp 270 Mio. Euro.

Auch die Investitionsgütersegmente der Möbelindustrie registrierten eine rückläufige Geschäftsentwicklung. Die Büromöbelindustrie erzielte einen Umsatz von rund 1,1 Mrd. Euro (minus 1,8 Prozent), die Hersteller von Laden- und sonstigen Objektmöbeln lagen mit einem Umsatz von rund 980 Mio. Euro um 3,7 Prozent unter dem Vorjahr.

Soweit die amtliche Statistik. Jan Kurth, Geschäftsführer der Verbände der deutschen Möbelindustrie, betonte bei der Jahres-Wirtschaftspressekonferenz in Köln, dass die verbandsinterne Statistik bezogen auf die Auftragseingänge etwas positiver ausfallen. „So lag der wertmäßige Auftragseingang der deutschen Wohnmöbelindustrie um 8,5 Prozent unter dem Vorjahr. In der Küchenmöbelindustrie unterschritt der wertmäßige Auftragseingang den Vergleichswert um 6,4 Prozent. In der Polstermöbelindustrie kam es zu einer Einbuße von fast 6 Prozent. Etwas besser entwickelten sich die Bestellungen im Monat Juli. Alle drei Sparten vermeldeten Zuwächse beim Auftragseingang nach Wert und Stückzahlen gegenüber einem schwachen Vorjahresmonat.“ 

Und Jan Kurth weiter: „Die Ursachen der Kaufzurückhaltung der Verbraucherinnen und Verbraucher in den vergangenen Monaten sehen wir neben den gestiegenen Energie- und Lebensmittelpreisen auch in der politischen Verunsicherung aufgrund des Zustandes der Ampel-Regierung. Wirtschaft – das wissen wir – ist immer auch Psychologie und was die Ampel derzeit als Stimmungsbild nach außen liefert, trägt zur Verunsicherung und zum Verdruss der Bürgerinnen und Bürger bei. Viele haben den Glauben daran verloren, dass diese Regierung noch ernsthaft Probleme lösen kann und aus dem lähmenden Streitmodus vor der nächsten Bundestagswahl herausfindet.“ 

Dazu passe auch die Stimmung in der Möbelindustrie: Als ihre größte Herausforderung nennen die Unternehmen in einer aktuellen Verbandsumfrage mit großem Abstand das schwache Konsumklima. Dahinter folgen der wirtschaftspolitische Stillstand in Deutschland, die überbordende Bürokratie, der Fachkräftemangel sowie die gestiegenen Lohn-, Gehalts- und Energiekosten. Große Sorgen bereitet zudem der stockende Wohnungsneubau. Wie die jüngste Verbandsumfrage ergab, haben im August 38 Prozent der befragten Unternehmen Kurzarbeit beantragt. Für das vierte Quartal planen rund 40 Prozent der Hersteller Kurzarbeit.

Gleichwohl setzt Jan Kurth auf eine leichte saisonale Belebung der Möbelnachfrage in den kommenden Monaten: „Wir gehen davon aus, dass die Branche die Talsohle durchschritten hat.“ Für das Gesamtjahr rechnet er mit einem Umsatzminus von 7 bis 9 Prozent. Erste vorsichtige Indikatoren sende die Tendenz zur Aufhellung des Konsumklimas im bisherigen Jahresverlauf. Zudem habe sich das vom Ifo-Institut gemessene Geschäftsklima in der Möbelindustrie im August leicht verbessert. Anlass für Zuversicht biete auch die Tatsache, dass viele Bundesbürger angesichts des Abflachens der Inflationsrate und angesichts von Lohn- und Gehaltserhöhungen steigende Reallöhne verbuchten.