Miele

Klimawandel in der Geräte-Bilanz

Wie schon die BSH bekommt auch Miele die erlahmende Weltkonjunktur zu spüren. So weist die Umsatz-Bilanz für das Geschäftsjahr 2018/2019 (bis 30. Juni) in Höhe von 4,16 Mrd. Euro zwar ein Plus von 1,5 Prozent aus – doch nur deshalb, weil erstmals die Beteiligung an dem koreanischen Robotik-Spezialisten Yujin Robot (45 Mio. Euro Umsatz, u. a. mit Staubsaugerrobotern) einberechnet wurde. Ohne diesen Verstärkungsfaktor ergibt sich nur ein Plus von 0,2 Prozent, dies entspricht also eher einer Stagnation gegenüber dem Vergleichszeitraum. Denn die Konjunktur habe sich empfindlich abgekühlt, während sich der Preiswettbewerb besonders durch asiatische Unternehmen enorm verstärkt habe. So leitet Miele seine Situationsanalyse ein.

Bei einem Auslandsanteil von 71 Prozent sank die Nachfrage im In- und Ausland gleichermaßen. Wobei sich die einzelnen Märkte allerdings sehr unterschiedlich darstellten. So habe sich das Geschäft in den USA, in der Schweiz, in Österreich, Japan und Korea sehr gut entwickelt. Auch in Ländern wie Italien, Griechenland und Spanien zeigt sich wieder eine robuste Dynamik, ebenso wie Miele in Osteuropa deutlich dazugewinnen konnte. Spürbare Rückgänge sind allerdings in China zu verzeichnen, wo staatliche Restriktionen den Immobilienhandel erschweren. In Hongkong dämpfen die politischen Unruhen das Geschäft und in der Türkei schlägt weiterhin der Verfall der türkischen Lira negativ zu Buche. Ähnliches hatte im April auch die BSH berichtet, die wechselkursbereinigt insgesamt sogar einen Rückgang um 3,2 Prozent hinnehmen musste.

In Deutschland hat der Gerätekonzern in einem abgekühlten und wettbewerbsintensiven Markt 1,2 Mrd. Euro Umsatz erzielt, was 0,3 Prozent Minus entspricht. Dennoch konnte die Position als umsatzstärkste Marke für große Hausgeräte im deutschen Elektro- und Küchenfachhandel weiter gefestigt werden, berichtet Miele.

Überdurchschnittlich gut steht der Geschäftsbereich Miele Professional mit seiner Medizin- und Labortechnik da, der inklusive der italienischen Medizintechnik-Tochter Steelco Group 621 Mio. Euro Umsatz einbrachte – und damit 5,2 Prozent mehr als zuvor.

Die Investitionen bleiben auf hohem Niveau, so kündigt Miele an. Mittel in erheblichem Umfang sollen in den Ausbau des Bereichs Smart Home und der Aktivitäten der Beteiligungstochter Miele Venture ausgegeben werden. Wichtig bleibt auch eine nachhaltige Unternehmensführung. 256 Mio. Euro betrugen die Investitionen im abgelaufenen Geschäftsjahr, rund 180 Mio. Euro flossen davon in die Entwicklung neuer Produkte wie die umfassend erneuerte Einbaugeräte-Plattform „Generation 7000“ mit 3.000 Modellvarianten und das Boomsegment der Akku-Handstaubsauger sowie in Ausbau und Modernisierung des internationalen Produktionsverbunds der Miele-Gruppe (davon 60 Prozent in Deutschland). So wurde für den besonders umkämpften Bereich der Einstiegswaschmaschinen das neue Werk im polnischen Ksawerów errichtet, das Anfang 2020 planmäßig die Produktion startet. Parallel wird der Standort Gütersloh weiter gestärkt – als Leitwerk der Wäschepflegesparte mit ihren dann drei Standorten Gütersloh, Ksawerów und Uničov (Tschechien).

Daneben wird in die weltweiten Vermarktungsstrukturen investiert. Im Berichtsjahr kamen neue Flagship-Stores hinzu („Miele Experience Center“), wie in Amsterdam, Bilbao, Danzig, Kiew und Toronto. Zudem wurde eine Vertriebstochter in Brasilien gegründet und ist die Vertriebsgesellschaft Thailand offiziell gestartet. Global gesehen, blieb die Zahl der Mitarbeiter mit 20.221 dabei konstant. Hierzulande wurde die Belegschaft jedoch um 1,6 Prozent auf 11.038 Beschäftigte reduziert. Dies entspricht dem schon vor Monaten angekündigten langfristigen Abbau von Arbeitsplätzen. Aktuell sind im Gütersloher Waschmaschinenwerk 770 Stellen im Gespräch, die bis 2025 ohne betriebsbedingte Kündigungen gestrichen werden sollen.

Mit dem Zukunftsprogramm „Design2Excellence“, unter anderem mit Hilfe der Unternehmensberatung McKinsey, wurden zudem bereits eine Reihe von weiteren Maßnahmen in die Wege geleitet. Schon länger in der Planung sind überdies „Shared Service Center“ (SSC), die im Sinne eines "internen Outsourcings" an anderen Standorten wie in Polen Aufgaben der Finanzadministration übernehmen. Näheres dazu sei aber noch nicht spruchreif, so lautet die Antwort auf "möbel kultur"-Nachfrage.

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