Helmuth Götz in der Süddeutschen Zeitung

Klare Ansagen im Interview – XXXLutz will an die Spitze

Deutlicher könnten die Gegensätze nicht sein. Während Kurt Krieger gegenüber der "möbel kultur" im Zuge der Höffi-Eröffnung in Hamburg klarstellte, dass Ikea mit knapp 3,5 Mrd. Euro Umsatz als Nummer

Deutlicher könnten die Gegensätze nicht sein. Während Kurt Krieger gegenüber der "möbel kultur" im Zuge der Höffi-Eröffnung in Hamburg klarstellte, dass Ikea mit knapp 3,5 Mrd. Euro Umsatz als Nummer eins unantastbar sei, sieht Lutz die Sachlage ganz anders. Denn Deutschland-Chef Helmuth Götz will hierzulande Branchenleader werden. Der Süddeutschen Zeitung sagte er, dass es eine "konkrete Jahreszahl" für das Erreichen der Goldmedaille zwar nicht gebe, "mittelfristig ist das in Deutschland aber das Ziel." Auf dem Weg an die Spitze gilt es zunächst aber Höffner zu überholen. Davon sieht Götz sein Unternehmen aber nicht mehr weit entfernt, denn "hier wollen wir bald die Nummer zwei sein." In diesem Kontext nennt er sogar Umsatzzahlen. "Höffner setzt in Deutschland etwa 1,5 Milliarden Euro um – und wir sind mit 1,3 Milliarden nah dran." Die Expansionsstrategie: "Wir entwickeln neue Standorte, bauen bestehende aus und kaufen sicher weitere Firmen dazu." Dabei handelt es sich um "Möbelhäuser, die regional und strukturell zu uns passen. Wir sehen einen strukturellen Wandel in unserer Branche und führen Gespräche." Dabei greift Lutz tief in die Tasche. Allein im laufenden Jahr werden laut Götz 144 Mio. Euro in bestehende und neue Standorte investiert.
Die Süddeutsche Zeitung interessierte sich aber besonders für arbeitspolitische Themen. Lutz stößt in Deutschland immer wieder mit Verdi zusammen. Die Gewerkschaft hat die Unternehmensgruppe zum Feindbild erklärt, weil diese keine Tarifverträge mehr abschließt. Götz gibt aber zu bedenken, dass 80 Prozent der Mitarbeiter übertariflich entlohnt würden. Mehr noch: "Unser Provisionsschema eröffnet Verdienstmöglichkeiten weit über die üblichen Tarife hinaus. 25 Prozent unserer Provisionsverkäufer verdienen monatlich 3.000 bis 4.000 Euro brutto, 16 Prozent verdienen 4.000 bis 5.000 Euro. Die Spitzengruppe von etwa sechs Prozent liegt monatlich über 5.000 Euro."
Auch den Verdi-Vorwurf, dass Lutz verstärkt Aushilfskräfte, 400 Euro-Jobber und Langzeitpraktikanten anstelle, kontert Götz: "Seit 2008 stieg die Zahl der Beschäftigten um 21 Prozent auf 9.300, die Zahl der geringfügig Beschäftigten wuchs aber nur um 9,6 Prozent." Ohnehin sei an Minijobs nichts auszusetzen, da viele Arbeitnehmer gerade solche Jobs suchten. Zudem könne sich Lutz nur mit diesem Instrument für Stoßzeiten wappnen – schließlich kämen an Samstagen bis zu fünf Mal so viele Kunden in die Läden wie an einem gewöhnlichen Montag.
Doch Götz gesteht auch eigene Fehler in der Außendarstellung ein: "Erklärtes Ziel von Verdi ist es, uns gefügig zu machen – dann würden die Medienberichte nachlassen, hören wir von Verdi. Heute wissen wir, dass wir uns in den vergangenen Jahren medial zu passiv verhalten haben. Es war ein Fehler, nicht aktiv zu kommunizieren", schaut Götz zurück. Demnach kündigen sich weitere Konfrontationen zwischen dem Möbelriesen und der Gewerkschaft an. Die Chemie stimmt hierzulande längst nicht so wie im Nachbarland: "Die österreichischen Gewerkschaften sind nach meiner Wahrnehmung konstruktiver. Offenbar haben unsere Kollegen dort verantwortungsvolle Gesprächspartner, die gute und sichere Arbeitsplätze im Auge haben und nicht nur mediale Kampagnen".
Die Lutz-Gruppe ist also weiterhin für Überraschungen gut und begibt sich mit diesem Interview in die Offensive – und das betrifft das Wachstum, Übernahmen und die Außendarstellung zugleich. Ausreichend Gründe für ein selbstbewusstes Auftreten hat die Lutz-Gruppe: Der Konzern beschäftigt in 28 deutschen Möbelhäusern 9.300 Mitarbeiter. In Deutschland beträgt der Umsatz 1,3 Mrd. Euro, europaweit sind es mit 194 Möbelhäusern und 17.700 Beschäftigten sogar 3 Mrd. Euro.