Wünscht sich mehr Rolemodels, an denen sich junge Mädchen und Frauen orientieren können: Katharina Hartmann, Hartmann Möbelwerke. (Foto: Hartmann)

Hartmann Möbelwerke

Katharina Hartmann über weibliche Vorbilder

Frauen in Führungspositionen sind in der Möbelbranche nach wie vor eine Seltenheit. Für junge Frauen gilt das umso mehr. Zum heutigen „Internationen Frauentag“ haben wir mit Katharina Hartmann (29) gesprochen, die vor über einem Jahr als kaufmännische Leiterin im Familienunternehmen Verantwortung übernommen hat.

Welche besondere Verantwortung haben Frauen in Führungspositionen?
Katharina Hartmann:
Ich möchte hier insbesondere auf die Verantwortung gegenüber anderen Frauen eingehen. Frauen in Führungspositionen müssen andere Frauen im Unternehmen und im Umfeld unterstützen, „empowern“ und inspirieren. Dabei geht es vor allem um zwei Punkte: Erstens hat man als Frau in einer Führungsposition die Aufgabe und die Verantwortung, den Status Quo und bestehende, veraltete Denkmuster aufzudecken, transparent zu machen und zu hinterfragen. Zweitens sollte man andere Frauen gezielt und aktiv fördern.

Die Möbelbranche insgesamt wird nach wie vor von Männern dominiert. Warum, meinen Sie, ist das so? Zumal über den Möbelkauf in der Regel die Frauen entscheiden.
Katharina Hartmann:
Meiner Ansicht nach gibt es mehrere Gründe, warum die Möbelindustrie in Deutschland von Männern dominiert wird. Es gibt deutschlandweit viele kleine mittelständische familiengeführte Unternehmen in der Branche. Hier ist es traditionell üblich, dass Söhne die „natürlichen“ Nachfolger sind – ein veraltetes Denkmuster, aber immer noch vorherrschend. Zudem ist die Möbelindustrie eine technische und handwerkliche Branche, in der die Frauenanteile in Deutschland über alle Ebenen strukturell eher gering sind. Dass das insbesondere ein Problem der deutschen Industrie ist, zeigt ein Blick nach Osteuropa. Wenn man dort in produzierende Unternehmen in der Möbelindustrie unterwegs ist, fällt einem sehr schnell der viel höhere Frauenanteil in der Produktion, aber eben auch in technischen und kaufmännischen Leitungspositionen auf. Drittens tut die Möbelindustrie meiner Einschätzung nach aktuell zu wenig dafür, um für Frauen attraktiver zu werden. Die Branche muss hier dringend aktiv werden, um nicht den Anschluss an andere Branchen zu verlieren und dadurch mittel- und langfristig einen Wettbewerbsnachteil zu haben.
Den Möbelhandel sehe ich übrigens in diesem Punkt ein bisschen weiter als die Möbelindustrie. Schon die Tatsache, dass einige der großen Einzelhandelskonzerne (Porta, Höffner) von weiblichen Nachfolgerinnen geleitet werden bzw. diese dort in Führungspositionen tätig sind, macht einen großen Unterschied.

Wie kann die Möbelbranche dafür sorgen, dass künftig mehr weibliche Fach- und Führungskräfte in der Möbelindustrie und im Möbelhandel arbeiten wollen?
Katharina Hartmann:
Es fehlen immer noch Rolemodels, an denen sich junge Mädchen und Frauen orientieren können. Wir müssen also ganz klar für mehr weibliche Vorbilder in der Branche sorgen. Studien zeigen, dass mehr Frauen in Führungspositionen, Unternehmen für Frauen attraktiver machen und zu einer Steigerung der Frauenquote beitragen. Hinzu kommt, dass bessere Möglichkeiten für die Vernetzung weiblicher Fach- und Führungskräfte in der Branche geschaffen werden müssen. Ein Austausch untereinander und miteinander ist an dieser Stelle von großer Wichtigkeit. Wir stellen fest, dass sich viele Frauen, die zu Bewerbungsgesprächen zu uns kommen, sehr intensiv mit dem Produkt Möbel, der Zielkundenansprache und dem Storytelling beschäftigen und ein großes Interesse für diese Themen mitbringen. Alleine das Produkt, mit dem wir arbeiten, bietet viel Potenzial, um mehr weibliche Fach- und Führungskräfte für die Branche zu gewinnen. Ein weiterer Schritt ist, dass die Arbeitsbedingungen und das -umfeld für Frauen attraktiver gemacht werden müssen.
Hinzu kommt, dass die aktuellen Führungsetagen in der Möbelindustrie an ihren Denkmustern arbeiten müssen. Wenn im Jahr 2022 immer noch anzügliche Witze über Praktikantinnen oder ähnliches gemacht werden, dann zeigt das, wie wenig Bewusstsein und Sensibilität hier bei männlichen Führungskräften zum Teil herrschen. Das erschreckt mich.

Und wie sieht es bei den Hartmann Möbelwerken in puncto Diversität aus?
Katharina Hartmann:
Diversität ist uns sehr wichtig und wir möchten sie jeden Tag noch mehr leben. Das Geschlecht ist im Übrigen nur eine Dimension. Wir haben viele Mitarbeiter:innen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen. Von dieser Vielfalt, die wir gerne auch weiter fördern möchten, profitiert unser Unternehmen enorm. Wir haben uns auch für die Zukunft auf die Fahne geschrieben, dass wir den Anteil von weiblichen Nachwuchs- und Fachkräften erhöhen möchten. Insbesondere in technischen und produktionsnahen Bereichen haben wir eine geringe Frauenquote – dies möchten wir ändern. Wir bauen z. B. unsere Ausbildungstätigkeiten deutlich aus – auch mit einem Fokus auf weibliche Nachwuchskräfte. Zudem bieten wir, dort wo es möglich ist, familienfreundliche Arbeitszeitmodelle an, um möglichst viele qualifizierte Frauen für uns zu gewinnen und zu halten.

Lesen Sie das gesamte Interview in der März-Ausgabe der „möbel kultur“.

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