XXXLutz und die Folgen

Jetzt ist alles möglich - eine Einschätzung von moebelkultur.de

Nach dem fulminanten Wochenstart mit der Trennung von XXXLutz und der Begros, der Ankündigung der Österreicher, einen neuen Verband namens "Giga-X" zu gründen sowie dem Zukauf der Unternehmensgruppe Sonneborn/Zimmermann blieb es gestern fast ruhig an der XXXL-Newsfront. Hinter den Kulissen sieht das jedoch ganz anders aus. Das Thema wird nicht nur die nächsten Tage, sondern auch die Kölner Möbelmesse, die kommenden Montag beginnt, beherrschen.

Bereits heute startet die Begros-Ordermesse in Köln, auf der sich sämtliche Beteiligten dann schon bis Sonntag die Köpfe heiß reden können. Nicht nur der Oberhausener Club hatte sich seinen Jahresauftaktveranstaltung sicherlich ganz anders vorgestellt. Auch die dort vertretene Industrie hat natürlich mit einem anderen Umsatz gerechnet. Im wahrsten Sinne des Wortes. Denn selbst wenn die Begros-Verbliebenen nun richtig Gas geben und - um die Potenz des Verbandes unter Beweis zu stellen - mehr ordern als geplant, wird es unterm Strich weniger sein. Die Hersteller werden zudem noch dadurch gebeutelt, dass XXXLutz nach dem Austritt und damit dem Verlust der lukrativen "Mondo"-Modelle eher über kurz als lang eigene Exklusivitäten für sich bzw. den neuen Verband "Giga-X" fordern wird. Vor allem die Hersteller abseits von Himolla, 3C, Polipol und Co. wird das enorm unter Druck setzen. Ein großes Gerangel unter den Nachfragern um die besten Produkte ist vorprogrammiert. Doch nicht nur produktseitig wird es für die Hersteller sicher ein schwieriges Jahr. Lutz konnte durch die Übernahmen von Zurbrüggen und Sonneborn/Zimmermann sicherlich auch einiges über die Konditionen von Atlas und Union lernen.

Doch auch die Verbundgruppen, vornehmlich die, die Großflächen und Filialisten in ihren Reihen haben, werden mit Argusaugen beobachten, was sich bei ihren Mitgliedern tut. Mit Blick auf Atlas zeigt sich, dass das Auseinanderbrechen des Verbandes, nach dem Ausscheiden von Zurbrüggen, immer wahrscheinlicher wird. Branchenkenner gehen davon aus, dass sich Hofmeister schon seit längerer Zeit nach neuen möglichen Partnern umguckt. Platzhirsch Segmüller könnte im Grunde auch allein am Markt agieren, zumindest für einige Zeit. Dann blieben "nur" noch, ohne despektierlich sein zu wollen, die regionalen Einzelkämpfer Pallen und Rogg. Nicht zu vergessen natürlich Küchen Aktuell. Aber als Küchen-Filialist hat das Unternehmen schon immer eine eigene Rolle gespielt.

Die Begros könnte wiederum, nachdem sie sich von dem Schock erholt hat, jetzt nur noch halb so wichtig zu sein, damit punkten, dass der Süden Deutschlands nach dem Austritt von XXXLutz jetzt fast Begros-frei ist - bis auf Biller mit seinen Filialen in Eching und Hof sowie Inhofer in Senden. Es gibt sicherlich einige regionale Möbelfürsten in unterschiedlichen Verbänden, die jetzt mit der Begros liebäugeln.

Die Gefahr von Gebietsüberschneidungen gibt es hier jetzt nicht mehr. Und gerade diese hatten ja zu dem Eklat bei der Begros geführt. Denn nach wie vor ist es für die Händler ein Problem, wenn ein über Jahre und Jahrzehnte gepflegter Konkurrent plötzlich zur eigenen Familie gehören soll. Das bleibt so, auch wenn Dr. Andreas Seifert in seiner Ankündigung zu "Giga-X" betont, dass er für die neue Gemeinschaft keine regionalen Beschränkungen sieht.

Und XXXLutz? Den Österreichern wird nach den jüngsten Coups viel zugetraut. Und wie schon so oft kommt die Frage nach dem Geld für die Übernahmen. Ist hier gar Steinhoff mit im Spiel? Darüber hinaus wird ihrem 50/50-Modell in der Branche Respekt gezollt. Dafür dürften sich noch einige Händler interessieren, die nicht wirklich verkaufen wollen, deren Liquidität eine Finanzspritze aber durchaus zuträglich wäre. Und besser selbst andocken als zugucken, dass das der Nachbar tut. Und dadurch, dass die Unternehmer in der Geschäftsführungsposition bleiben, hat Lutz kein Management-Problem wie bei kompletten Übernahmen.

Und wo bleibt in dem ganzen Szenario Kurt Krieger mit Höffner, Kraft und Sconto? Sicherlich nicht im Verborgenen. Im neuen Haus in Neuss läuft's aktuell jedenfalls sehr gut. Der Parkplatz - so Beobachter - ist täglich gut gefüllt.

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