Einrichtungspartnerring VME Gesellschafter im Portrait
Janine Bernskötter: „Wir sind das Mehrgenerationenhaus im Ruhrgebiet“
„Wir sind ein echtes Traditionsunternehmen“, sagt Janine Bernskötter. Und doch lag es auch an ihr selbst, dass mit einer sehr langen Tradition gebrochen werden musste: In der 134-jährigen Firmenhistorie regierte bis dato vier Mal ein Franz Bernskötter. Die fünfte Generation ist dagegen mit drei Frauen ausschließlich weiblich besetzt. Das Ende für die Franzens in der Familie sollte es dann für alle Zeiten aber noch nicht gewesen sein. Doch dazu am Ende mehr.
Typischerweise hervorgegangen ist Möbel Bernskötter 1893 aus einer Schreinerei, in der Anfang des 20. Jahrhunderts zwölf Tischler beschäftigt waren. Noch 1950 umfasste die Ladenfläche aber nicht mehr als 60 qm. Anfang der 1960er Jahre ging es dann mit dem Möbelhandel so richtig los. Das Haus im Zentrum von Mülheim wurde stetig bis auf 3.000 qm erweitert, ein großes Küchenstudio entstand 1979 auf der gegenüberliegenden Straßenseite.
Franz-Peter Bernskötter, der Vater von Janine Bernskötter, hatte immer ein gutes Bauchgefühl – und das sagte ihm, dass selbst die nunmehr 5.000 qm große Fläche kein stabiles Fundament für die Zukunft sein würde, erst recht nicht im stark umkämpften Ruhrgebiet. Im Bernskötter-Umkreis von 25 Kilometern stehen sechs Möbelhäuser mit mehr als 25.000 qm Fläche. Da muss man Profil zeigen. Und so nahm Franz-Peter Bernskötter 1995 Anlauf für den Sprung auf die grüne Wiese nach Mülheim-Heißen. Dort wächst das Möbelhaus im Laufe der Jahre von 12.000 qm bis auf 30.000 qm an. 2015 stand eine Kernsanierung auf dem Programm, die das heutige Erscheinungsbild hervorbrachte. 24.000 qm bespielt das Möbelhaus selbst, ein Baby- und Bürofachmarkt teilen sich den Rest. Ein Local Hero mit organischem Wachstum und breitem Angebot.
Heute beschäftigt Möbel Bernskötter 140 Mitarbeitende. Es ist ein Familienunternehmen durch und durch, das Janine Bernskötter, gemeinsam mit ihrem Vater seit 2016 leitet. Auch ihre zwei Schwestern arbeiten im Marketing und als Fachsortimente-Einkäuferin mit, ihr Mann ist Einkaufsleiter. Janine Bernskötter war an der Möfa und hat auch eine kurze Zeit lang bei Möbel Smidt in Leverkusen gelernt, ein Möbelhaus mit zu damaliger Zeit großem Renommee. Ihr Vater zieht sich sukzessive aus dem operativen Geschäft zurück und verantwortet den Bereich Werbung sowie den Polstereinkauf. Er brennt noch immer so sehr für die Sache, dass er gar nicht anders kann. Am Abendbrottisch ist er derjenige, der gern auch nochmal einen Werbeprospekt auf den Tisch legt, um ihn auseinanderzunehmen. Er eckt damit aber nicht an. „Mein Vater hat einen ungeheuren Erfahrungsschatz. Warum sollte ich in diesen fordernden Zeiten darauf verzichten?“, fragt Janine Bernskötter.
Und was macht sie anders als ihr Vater? „Gar nicht so viel, denn ich habe ja bei ihm gelernt. Aber ich bin jünger und ich bin eine Frau, deshalb habe ich sicher einen etwas anderen Stil, was sich bis zur Warenpräsentation am POS auswirkt. Ich schaue mehr auf die Ästhetik, mein Vater eher auf Funktionalität und Preis“, sagt Janine Bernskötter. „Ich frage mich aber bei vielen Entscheidungen, wie er sie fällen würde, obwohl ich das eigentlich genau weiß“, lacht sie.
Das Mehrgenerationenwissen bringt die Familie bereits seit 1980 im Einrichtungspartnerring VME ein. In den Einkaufsausschüssen sind die Bernskötters aktiv und Janine Bernskötter ist seit 2019 auch im Aufsichtsrat vertreten. Dabei geht es im Verbandswesen längst nicht mehr allein um Konditionen. „Es geht um den persönlichen Kontakt und um die Schwarmintelligenz. Wir haben mit den Schaumanns, Bernings, Rehmanns, Münstermanns etc. eine wirklich tolle Truppe beisammen und der Austausch macht uns schlauer und agiler. Der Verband bietet heute so viel mehr als nur Konditionen, sondern ein ganzes Portfolio an Leistungen, von denen wir alle nur profitieren können.“
Die letzten Jahre waren schweißtreibend – mit Corona, Kriegen & Co. Das Krisenmanagement hat sowohl das Privatleben als auch die Firma durcheinandergebracht. „Während der Corona-Pandemie hatte ich schon einmal den Gedanken, dass es das Unternehmen seit 133 Jahren gibt und ich nicht diejenige sein will, die das Ganze beenden muss.“ Erfreulicherweise entwickelten sich die Geschäfte dann ja während der Pandemie anders als zunächst vermutet.
Selbst das schwierige Jahr 2023 wird Bernskötter trotz eines Wasserschadens im Sommer, bei dem die gesamte JuWo-Abteilung überflutet wurde, mit einer schwarzen Null abschließen. Und meistens gibt es ja auch einen positiven Aspekt: Das Junge Wohnen erstrahlt jetzt in neuem Glanz – mit viel mehr Modernität und einer etwas anderen Warenpräsentation. Momentan funktionieren die Fachsortimente ebenfalls außerordentlich gut, auch dort treibt die ansprechende Inszenierung den Umsatz.
In puncto Werbung macht Bernskötter heute vieles anders. „Wir müssen als Vollsortimenter alle Generationen erreichen. Das ist die große Herausforderung. Mit Print und Radio lockt man viele Altersgruppen heute nicht mehr hinter dem Ofen vor“, sagt Janine Bernskötter. Und so spielt das Marketing-Team inzwischen die gesamte Kanal-Klaviatur mit Instagram, Tiktok, Print, Newsletter und Website. Auch dazu ist Mittelstand fähig.
Die Projektliste für 2024 ist lang. Die Schlafzimmerabteilung muss noch einmal überarbeitet werden. Die Internetpräsenz, die jetzt schon neben dem eigenen Online-Shop auch viele weitere Funktionen wie z.B. eine Auftragsauskunft, einen Küchenplaner und viel Hintergrundgeschichte beinhaltet, wird weiter optimiert. So ist ein frei konfigurierbarer Möbelplaner bereits in der Implementierung. „Wir müssen auch digital erlebbar sein, wenn unsere Kundinnen und Kunden sich am Frühstückstisch über unser Angebot informieren möchten. Deshalb zeigen wir digital das gesamte Sortiment.“ Und nicht nur das: Paketware wird online schon ganz gut verkauft – auch überregional.
So geht es mit vielen Ideen, Projekten, und ja weiterhin auch mit viel Tradition weiter. Mit Maximilian Franz Bernskötter ist die sechste Generation im Grundschulalter. Franz als Erstname musste es dann aber doch nicht sein. So viel Modernisierung ist bei Möbel Bernskötter inzwischen längst erlaubt.












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