Ikea profitierte von der Beschaffung im Billiglohnland DDR: Ob dabei auch Zwangsarbeiter bei der Möbelproduktion eingesetzt wurden, kommt nun ans Tageslicht.

Zwangsarbeit in der DDR

Ikeas Beschaffungssünden der Vergangenheit

Das schwedische Fernsehen konfrontierte Ikea vergangene Woche damit, dass politische Gefangene in der DDR dazu gezwungen wurden, Möbel für den blau-gelben Handelskonzern zu produzieren. Die Vorwürfe haben sich in den vergangenen Tagen weiter erhärtet. Opferverbände kämpfen aktuell um Entschädigungszahlungen. In Bautzen, Cottbus und anderen Städten mussten Gefangene demnach unentgeltlich arbeiten, wenn sie von Briefsperren oder Arresthaft verschont bleiben wollten. Historiker sind sich allerdings sicher, dass in der DDR nicht nur für Ikea unter menschenunwürdigen Bedingungen geschuftet wurde - auch Quelle oder Neckermann hätten zur damaligen Zeit aus fragwürdiger Produktion eingekauft. Als Billiglohnland war die DDR bei westeuropäischen Handelsketten traditionell sehr beliebt, wie oft es bei der Warenbeschaffung im Osten aber zu Menschenrechtsverletzungen gekommen sei, müsse in vielen Fällen noch erforscht werden.

Das in dem Wohlfahrtsstaat Schweden gegründete Unternehmen Ikea macht sich nun daran die Vorwürfe aufzuklären. Jeanette Skjelmose, die für Corporate Social Responsibility zuständige Sprecherin, erklärte jetzt im Fernsehen, die relevanten Stasi-Akten prüfen zu wollen. Da es davon allerdings sehr viele gebe, könne dies noch lange dauern. Skjelmose stellt aber unzweideutig fest: "Es ist für uns immer unakzeptabel, politische Häftlinge in der Produktion einzusetzen, ganz unabhängig davon, in welchem Land wir arbeiten."

Dass muss aber nicht immer so gewesen sein. Ende der 1970er Jahre und Anfang der 1980er Jahre seien Ikea und andere westeuropäische Unternehmen auf die spezielle Beschaffungsproblematik in der DDR hingewiesen worden. Anstatt die heutige Ikea-Sprecherin Skjelmose zu befragen, wäre es daher interessant zu erfahren, was damalige Ikea-Mitarbeiter über den Sachverhalt aussagen.

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