IFA 2025

An der frischen Luft: Outdoor- und Dampfneuheiten feiern Weltpremiere

Auftakt zur IFA 2025: Am Freitag, 5. September, startet die 101. Ausgabe der Internationalen Funkausstellung in Berlin. Schon vorab ließen sich die Hausgerätehersteller in zahlreichen Pressekonferenzen über die Schulter blicken. Im Fokus der Neuheiten für 2026 stehen die Themen Outdoor, Airfry, Smart Home und XL – aber vor allem: Dampf in doppelter und dreifacher Ausführung.

Außenaufnahme vom IFA Messegelände 2025
Neuheiten, Trends, Superlative: Die IFA 2025 wird zum aufsehenerregenden Festspiel für die Hausgerätebranche. (Foto: möbel kultur)

Im Überblick: Das ist “talk of the town”

Die wichtigsten News der IFA 2025 zuerst: Miele macht wieder in Küche – aber outdoor. Bosch übersetzt mit einem „AI Recipe Converter“ jedes Gericht der Welt in eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für den „Cookit“. AEG feiert den vorgeblich leisesten und effizientesten Geschirrspüler der Welt mit der neuen Generation „Favorit“. Und Siemens präsentiert mit der Dampfschublade eine völlig neue Gerätekategorie als Weltneuheit, die eine so vielseitige wie gern genutzte Planungsoption für moderne Küchenräume werden dürfte. Nur: Miele hat sie überraschend auch im Programm.

Eine Weltneuheit ist eine Weltneuheit ist eine…

Selten hat die IFA, auf der seit jeher technologische Entwicklungen im Hausgerätesegment vorgestellt werden, für so viel Aufsehen innerhalb der Küchenbranche gesorgt. Das Wort „Weltneuheit“ fiel zwar bereits im Vorfeld gleich mehrfach. Dennoch ging ein Raunen durch die versammelte Presse, als Miele seinen beiden Weltneuheiten – dazu gleich mehr – eine dritte hinzufügte: Die Gütersloher haben eine Dampfschublade im Programm – wie die Münchner Marktbegleiter auch. Noch nicht sofort erhältlich, sondern voraussichtlich erst Ende 2026. Und damit zeitlich eingeordnet nach der BSH, die das Schmuckstück zum Mittelpunkt ihres neuen Messeauftritts erhob – und mit dem Gegenwind mutmaßlich auch nicht gerechnet hatte.

Dampfschublade bei Siemens und Miele

Hans Dampf bläst also in allen Gassen, was zumindest die Konsument:innen freuen dürfte. 14 Zentimeter hoch und hinter einer Glasblende versteckt, die sich perfekt in die 15 cm-Einbaunische unterhalb von Einbaubackofen oder Kaffeevollautomat einfügt – oder als simple Schublade unterhalb der Arbeitsplatte angebracht werden kann. Integriert ist ein Wassertank mit mehreren hundert Millilitern Fassungsvermögen, der den Miniatur-Garraum innerhalb von wenigen Minuten erhitzt und für die Dauer des Garvorgangs mit Wasser versorgt. Gemüse, Kartoffeln, Fisch und Fleisch werden binnen kürzester Zeit aroma- und konsistenzschonend gedämpft und behalten dabei wichtige Nährstoffe und Vitamine. Das Prinzip greift ebenso als Ersatz oder Erweiterung für die Wärmeschublade, da die Dampfschublade auch erwärmen, regenerieren, sterilisieren oder auftauen kann. Eine gute Idee also – und das, obwohl sich der Satz mit der „ersten Dampfschublade der Welt“ für beide Mitbewerber binnen kürzester Zeit erledigt hatte.

Miele goes outdoor: Eigene Outdoorküche „Dreams“

Gut, dass noch andere Weltneuheiten auf ihre Enthüllung warteten: Miele erschließt mit der Outdoorküche „Dreams“ eine eigene Outdoor-Geräteserie und kehrt damit gewissermaßen parallel ins modulare Küchenmöbelsegment zurück. Das Wissen hierfür eignete sich der Konzern beim Start-Up Otto Wilde Grillers an, der 2021 von den Güterslohern anteilig gekauft wurde, 2023 zur 100%igen Tochtergesellschaft avancierte und nun nur noch bis Ende des Jahres bestehen wird. Danach verschwindet das Unternehmen vollständig vom Markt; ein Großteil der Mitarbeitenden wurde bereits übernommen.

Der Tenor: Um das (potenziell finanzkräftige und vielversprechende) Outdoorsegment zu erschließen, brauche es einen Markennamen mit mehr Schlagkraft. Miele zum Beispiel. Und die Gütersloher liefern ab: Die neuen Gasgrills „Fire Pro“ und „Fire Pro IQ“ beeindrucken mit präziser Technik von Panorama-Display bis gradgenauer Temperatur (80°-600°C), modellabhängiger Grill-Pyrolyse und modularen Grillzonen zum Schneiden, Spülen, Vorbereiten und Kochen, die sich individuell zusammenstellen lassen. 11 Module, 60 Zubehörteile, 2 Hochleistungsgrills und eine Mission: Luxus auch draußen aufleben zu lassen.

Gerätetrends 2026: XXL, AI, Airfry

Und sonst so? Matte Geräteausführungen, 2024 noch kurzfristig stark gehyped, sind 2025 schon selbstverständlich Teil der Messestände – und werden überraschend knapp bedacht, weil schon so viele Neuheiten nachdrängen. Hartnäckiger hält sich das Thema „Airfry“ für Stand- und Einbaugeräte (v.a. bei Bosch), ebenso wie XL und XXL (oder bei Siemens sogar: 4XL) für Kühl- und Gefriergeräte. Das steht in gewohntem Kontrast zur forcierten Nachhaltigkeitsstrategie der Konzerne, deren Geschirrspüler und Kühlkombinationen immer öfter Bestmarken oberhalb der Energieeffizienzgrenze A erzielen – und daher mit -10% und -20%-Aussagen glänzen. Ist das noch cool oder Kalkül?

Egal, denn der Verbraucher bekommt es ohnehin auf dem Silbertablett serviert: Längst werden alle Vorgänge in der Küche sensorisch vermessen, mittels KI ausgewertet und mit einem Algorithmus an persönliche Befindlichkeiten angepasst – oder an nachhaltige Maßstäbe und zeitliche Effizienz. Gilt für Kühlschrank, Geschirrspüler und Backofen gleichermaßen – und selbst das Kochgeschirr (Miele M Sense) kommuniziert schon von selbst mit dem Kochfeld. Wer mitgezählt hat, weiß: Das ist Weltneuheit Nummer 3.

Bei einer derartigen Fülle an geradezu rauschhaften Technologien für Branche und Handel ist es nur konsequent, dass deutsche Gerätehersteller „A new era of cooking“ einläuten. Oder dass Dr. Sara Warneke, bis Ende des Jahres noch Geschäftsführerin bei der GfU – der Markenrechtehalterin der IFA – vom „AIoT“ statt vom „IoT“ (Internet of Things) spricht. Auch wenn damit, allem Fortschritt zum Trotz, nicht immer eine Weltneuheit eingeläutet wird: Die formvollendete Pizza aus dem eigenen Backofen (z.B. von AEG) gehört jedenfalls ebenso zu den diesjährigen Küchentrends der Branche. Gesteuert wird der Backprozess zwar nahezu automatisch. Das sichere Geling-Rezept kommt aber von einer italienischen Meisterschule – analog getestet und verkostet.