Wie hat sich das Verständnis eines guten Zuhauses verändert? fragt die Autorin Oona Horx-Strathern im Home Report 2021.

Zukunftsinstitut

Home Report 2021 – von „Hoffice“ bis „Home Suite Home“

Der druckfrische Home Report 2021 aus dem Zukunftsinstitut setzt sich damit auseinander, wie die Corona-Pandemie das Wohnen verändert hat. Wie ein Fast-Forward-Button, so heißt es, inspiriere die Krise zu neuen Denkmustern. Die Fragen lauten dabei: Wie können unsere Städte langfristig resilienter gestaltet werden? Wie hat sich das Verständnis eines guten Zuhauses verändert? Und wie kann die Architektur unseres Lebens in der Corona-Ära besser gestaltet werden? Die Autorin Oona Horx-Strathern gibt im Interview mit ihren Sohn und Zukunftsforscher Tristan Horx Antworten zu ihren drei herausgearbeiteten Trends „Hoffice“ – die Verschmelzung von Zuhause und Büro, „Romancing the Balcony“ – Das Revival von Balkonen und Terrassen sowie  „Home Suite Home“ – Das Hotel Feeling im privaten Wohnraum.

Tristan Horx: Mit der Coronakrise wurden viele fast gezwungenermaßen ins Homeoffice geschickt. Inwiefern beeinflusst der neue Trend unser Wohn- und Arbeitsverhalten?
Oona Horx-Strathern:
Ich spiele sehr gerne mit Worten und habe dieses Phänomen, das aus dem New Work Megatrend stammt, zu „Hoffice“ umbenannt. Damit ist natürlich die Verschmelzung von Zuhause und Büro gemeint. Hoffice ist ein Trend, der bereits vor Corona immer wichtiger wurde, denn er bringt uns mehr Flexibilität in unserer Arbeitsweise. Nun wird von allen möglichen Standorten gearbeitet. Alles was benötigt wird, ist ein guter Internetanschluss und ein Computer. In unserer aktuellen Situation ist mir jedoch aufgefallen, dass unsere offenen Wohnräume in keiner Weise für das Homeoffice angepasst sind. Viele mussten sich in der Not in die Küche oder in den Wäscheraum zum Arbeiten zurückziehen. Andere sind in den Gartenschuppen gewandert, um dort in Ruhe arbeiten zu können: „from headquarters to shedquarters“. Wenn Arbeit und Privatleben nur noch an ein und demselben Ort stattfinden, braucht man dafür mehr Platz, um beides wirklich voneinander abtrennen und sich während der Arbeit vom Familienleben zurückziehen zu können.

Tristan Horx: Ist man heutzutage automatisch einsam, wenn man alleine lebt? Was bringt uns zusammen?
Oona Horx-Strathern:
Man denkt oft, dass eine kleine Wohnung ein Gefühl von Coziness erzeugt, doch oft und besonders in unserer aktuellen Lage kann sie zu Isolierung führen. In Städten sind Wohnungen kleiner und das wird sich auch nicht ändern. Balkone sind da im wahrsten Sinne des Wortes ein Lichtblick, denn sie wirken als eine Erweiterung und öffnen den privaten Raum nach außen. Sie bieten also Platz aber schaffen auch Verbindung: Dank ihrer Balkone haben die Menschen während des Lockdowns miteinander kommunizieren können, es ist eine neue menschliche Konnektivität entstanden. Das beste Beispiel dafür sind die Italiener gewesen. Die Coronakrise hat sie besonders getroffen, sie waren alle eingesperrt. Die einzige Möglichkeit, dieser Situation zu „entkommen“, erfolgte über ihre Balkone.

Tristan Horx: Werden wir uns 2021 mehr um unser Wohlbefinden in den eigenen vier Wänden kümmern?
Oona Horx-Strathern:
Ja, ich vergleiche unser Verhältnis mit unserem Wohnraum immer mit unseren freundschaftlichen oder familiären Beziehungen, die wir über die Jahre etwas vernachlässigt haben. Wir haben dieses Jahr gezwungenermaßen mehr Zeit zuhause verbracht und uns ist plötzlich aufgefallen, was alles fehlt und wie man sich dort noch mehr wohlfühlen könnte. Doch anstatt nur zu konsumieren, reflektieren immer mehr Menschen über das Thema der Nachhaltigkeit in der Möbel- und Baubranche. Die Tendenz ist, dass man sich vom „Ikeaism“ verabschiedet. Parallel zu DIY (Do It Yourself) suchen wir nach professionellen Alternativen, bei denen wir genau nachfragen können, woher die Möbel kommen oder welche Materialien für den Bau benutzt wurden.

 

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