Hausmesse der Bega Gruppe
Harte Arbeit an allen Fronten
Die Parkplätze auf dem Bega-Messegelände waren zeitweise rar – ein Zeichen dafür, dass alles, was Rang und Namen im deutschen Möbelhandel hat, den Auftritt der Bega-Gruppe unbedingt sehen wollte. Schließlich wollte man erfahren, wie sich das Unternehmen in der aktuell schwierigen Marktlage – und anderthalb Jahre nach dem Tod von Senior Dieter Hilpert – behauptet.
„Wir müssen schnell sein, wir müssen agil sein – dafür stehen wir. Und wir sehen gerade, was mit Lieferanten passiert, die nicht performen“, betonte dementsprechend Bega-Geschäftsführer Niko Johns.
Konzepte und Innovationen auf der Messe
Entsprechend wurde in allen Gesellschaften der Bega Gruppe akribisch gearbeitet, um von Preiseinstieg bis Mitte Akzente zu setzen. Ein Beispiel ist das „House of India“-Konzept, bei dem aus drei Bega-Bereichen eine stimmige Wohnwelt kuratiert wurde. Kai Schäfer wirkt mit Inno Style mehr denn je als Stabilisator der Gruppe, etwa mit einem Trading-Up im Bürobereich. Auch Simon Kreft schreibt seine BBK-Küchen-Erfolgsstory weiter und dürfte wohl nicht ganz unschuldig daran sein, dass die deutschen Küchenimporte aus Polen von Januar bis Juli 2025 um weitere 26,2 Prozent gestiegen sind.
Darüber hinaus gab es in Lügde innovative Produktideen zu sehen wie Polstermöbel aus dem Paket – innerhalb von zwei Tagen wird aus einem kompakten Möbelstück ein vollwertiges Sofa. Temu gibt bei diesem Trend den Takt vor, auch wenn die Qualität der über die Plattform bestellten Möbel teilweise erbärmlich ist. Wolfang Bochert zeigt mit ED-Lifestyle, dass das deutlich besser geht. Stolkom präsentierte sich dieses Mal besonders online-affin und punktete zudem mit kompakten Systemprogrammen. Bei Bega-Consult waren rund 80 Prozent der Modelle neu. Dennoch bleibt die Frage, welche Neuheiten in der aktuellen, verhaltenen Stimmung des Handels überhaupt greifen können, denn die Platzierungsrhythmen werden immer länger und länger.
Sparmaßnahmen und strukturelle Anpassungen
Dennoch verwundert es nicht, dass auch Bega in diesem Jahr gegenüber dem bereits schwierigen Vorjahr sich weiter anstrengen muss. Dafür läuft es im Discount generell einfach zu schlecht. Deshalb wird aktuell streng auf die Kosten geachtet und auch die Gesellschaftsstruktur verschlankt, wo es sinnvoll ist. So wurde etwa Begabino als eigenständige Gesellschaft eingestellt und die Baby- und Kindermöbel-Kollektion anderweitig zugeordnet. Andererseits scheut Bega keine Investitionen in eine neue Idee, um sich vertrieblich immer wieder neu zu erfinden.
Herausforderungen in der Lieferkette
Lieferverzögerungen belasten das Geschäft ebenfalls. Ursache sind strukturelle Probleme in der polnischen Möbelindustrie: Personal wurde flächendeckend abgebaut oder wandert von selbst ab – insbesondere in der Rüstungsindustrie werden hohe Löhne gezahlt. „Selbst wenn die Maschinenparks hervorragend aufgestellt sind, braucht es ausreichend Fachkräfte“, sagt Thorsten Hilpert. Mehr denn je ist Szynaka aktuell Schwerpunktlieferant und aufgrund der engen Bega-Partnerschaft gut ausgelastet, anders als viele Wettbewerber. Denn es hat sowohl im Handel als auch in der Industrie bereits einige Insolvenzen in Polen gegeben – darunter auch Bega-Lieferanten.
Internationale Perspektiven und Risiken
Für Aufsehen sorgte zuletzt der Rückzug der Lutz-Gruppe aus der vertikalen Produktion über die Black-Red-White-Beteiligung. „Natürlich könnten wir jetzt wieder weitere Kontingente dorthin geben, aber wir warten erst einmal ab, wie sich die Situation entwickelt“, erklärte Thorsten Hilpert.
Der Bega-Chef warnt zudem davor, dass Polen seinen Standortvorteil durch hohe Löhne, Fachkräftemangel und schlechtere Performance zunehmend verlieren könnte. „Sollte der Krieg irgendwann vorbei sein, muss sich die Möbelnation Polen warm anziehen“, mahnt Hilpert und verweist auf die trotz Krieg starke Leistung der Ukraine. Auch die weißrussische Möbelindustrie sei keineswegs komplett vom Markt verschwunden, sondern habe sich neue Absatzmärkte, etwa auf der Arabischen Halbinsel, erschlossen. Zu alledem versuchen natürlich auch die Chinesen den Polen Marktanteile abzunehmen.
Zuversicht trotz schwieriger Lage
Die Herausforderungen sind somit für die Bega Gruppe aktuell vielfältig, doch von Resignation keine Spur. „Wir glauben daran, dass sich die Möbel-Konjunktur bald wieder verbessert und wir stehen dann dafür parat“, so Niko Johns. Umsatzzahlen werden bei der Bega-Gruppe nicht mehr veröffentlicht – auch das gehört zum neuen Ton des Unternehmens. Dennoch ist man überzeugt, mit dem Messeauftritt alles dafür getan zu haben, um das Jahr vielleicht sogar noch auf Vorjahresniveau zu bringen. „Es geht in die richtige Richtung und wir sind so breit aufgestellt, dass wir als Gruppe immer auch Rückschläge kompensieren können“, sagt Johns.









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