Wendelin von Boch ist Land- und Forstwirt, Unternehmer sowie Gesellschafter und war von 1998 bis 2007 in achter Generation Vorstandsvorsitzender des traditionsreichen Familienunternehmens Villeroy & Boch AG. Gestern feierte er seinen 70. Geburtstag.

Interview zum 70. Geburtstag

Happy Birthday mit hoher Tischkultur, Wendelin von Boch!

Gestern ist der Aufsichtsratsvorsitzende der Villeroy & Boch AG, Wendelin von Boch, 70 Jahre alt geworden. Die Unternehmerpersönlichkeit ist inzwischen 45 Jahre für das weltbekannte Familienunternehmen tätig. Zum Geburtstag beschenkt sich von Boch quasi selbst - mit einem kurzweiligen Interview, das moebelkultur.de hier in Gänze wiedergibt.

Herr von Boch, herzlichen Glückwunsch zum 70. Geburtstag! 70 Jahre und noch kein bisschen müde?

Wendelin von Boch: Vielen Dank für die Glückwünsche. Mir geht's wirklich gut, gesundheitlich und mental. Und Gott sei Dank bin ich tatsächlich überhaupt nicht müde!

Am Geburtstag darf man sich etwas wünschen: Was war es bei Ihnen zum 70.?

Zehn Tage Ferien auf einem Boot mit meiner engsten Familie in der Ägäis - das war mein Geburtstagswunsch. Ich freue mich sehr auf die Reise.

Wenn Sie nicht für Villeroy & Boch unterwegs sind, wie verbringen Sie Ihre Zeit?

Am liebsten bin ich mit meiner Familie und meinen Freunden in der Natur. Wenn ich nicht gerade draußen bin, liebe ich es, Musik zu hören, von Jazz bis hin zur Klassik, oder mit meinem Oldtimer die saarländischen Straßen entlang zu kurven.

Wovon träumt ein Mann mit 70?

Meine Leidenschaft für Oldtimer habe ich gerade erwähnt. Einer meiner größten Träume ist deshalb auch die "Mille Miglia" mit meinem Sohn Oliver zu fahren - eine Oldtimer-Rallye von Brescia nach Rom und wieder zuru?ck, mit einer Strecke von über 1.600 km. Das wäre ein unvergessliches Erlebnis!

Abgesehen von der "Mille Miglia" - was wollen Sie in Ihrem Leben unbedingt noch getan haben?

Ich war immer politisch interessiert, nicht zuletzt auch wirtschaftspolitisch. Was mich bewegt, ist der Ausstieg aus der Kernenergie, ein gewagtes Manöver mit hohem Risiko für den Industriestandort Deutschland, aber auch mit großen Chancen.

Als Land- und Forstwirt kann man zur Energiewende und zur CO2-Verringerung selbst einen großen Beitrag leisten: Photovoltaik, Windkraft und Biogas. Ein großer Solar-Park auf meinem Linslerhof in Überherrn ist gebaut - Windkraft- und Biogas-Anlagen stehen noch auf meiner Agenda.

Sie haben viel erreicht: Haben Sie ein Vorbild?

Mein großes und unerreichtes Vorbild war immer mein Ur-Ur-Großvater Eugen von Boch. Er hat nicht nur als erster Villeroy & Boch globalisiert, d.h. das Unternehmen nach Amerika gebracht, nach Russland und China, bis in den letzten Winkel unseres Erdballs. Gleichzeitig war er hochinnovativ, ein großer Mäzen, mit musischen Talenten und nicht zuletzt mit sozialem Gewissen. Er hat industriell und landwirtschaftlich Bahnbrechendes geleistet und sich um die Menschen und den Ausbau der Infrastruktur in unserer Region gekümmert. Solche ganzheitlichen Persönlichkeiten sind heute in unserer Gesellschaft leider sehr selten geworden. Sie waren typisch für die Gründerjahre, in denen die Basis für unsere heutige industrielle Leistung, unseren Wohlstand und unsere weitentwickelten sozialen Systeme geschaffen wurden.

Haben Sie eigentlich eine der Villeroy & Boch Geschirrkollektionen mit entworfen?

Einige Inspiration konnte ich sicher geben für das Design unserer Geschirre, für das Aufspu?ren von Trends und schließlich auch fu?r das Auslösen und Führen solcher Trends.

Doch das ist immer Teamwork; und Teamwork funktioniert bei Villeroy & Boch ganz besonders gut. Das Designatelier und die Marketingabteilung waren jedenfalls mein liebster

"Arbeitsplatz". "French Garden" und "Audun" sind beispielsweise zwei Dekore, an denen ich intensiv mitgewirkt habe, beides haben wir auch zuhause.

Als Vorstand Tischkultur gelang es Ihnen, diesen Unternehmensbereich mit innovativer Produktstrategie an die Weltspitze heranzufu?hren. Der Umsatz konnte in der Zeit Ihres Wirkens von 25 Mio. Euro auf 325 Mio. Euro erhöht werden. Auf Ihrer Zeit als Vorstandsvorsitzender beruht auch das noch heute gültige Marketing- und Vertriebskonzept "The House of Villeroy & Boch". Gibt es noch etwas, auf das Sie ganz besonders stolz sind?

Sehr stolz bin ich auf die hoch motivierten und engagierten Villeroy & Boch-Mitarbeiter, die mit großem Kampfgeist - ich habe das immer "fighting spirit" genannt - Außergewöhnliches geleistet und uns in vielen Bereichen an die Spitze gebracht haben.

Im Juni wurden Sie für Ihr 45-jähriges Firmen-Engagement geehrt. Hut ab! Wie wichtig ist heute noch die Familie für das Unternehmen Villeroy & Boch?

40 oder, wenn man die Zeit im Aufsichtsrat hinzurechnet, 45 Jahre Villeroy & Boch waren

für mich keine schwierige Übung. Villeroy & Boch war von Anfang an ein tolles Unternehmen mit einer spannenden Geschichte. Eingebettet in eine Familie, die für mich eine große Stütze war und sehr fair mit mir umgegangen ist, und mit der eben beschriebenen exzellenten Mannschaft wäre es mehr als töricht gewesen, nach Alternativen zu suchen. Im Übrigen: wo hätte es solche Gestaltungsmöglichkeiten überhaupt gegeben? Ich denke, die Familie ist wichtig. Sie gibt dem Unternehmen ein Höchstmass an Sicherheit. Die Familie, die Führungskräfte und die Belegschaft können auf eine weitgehende gegenseitige Loyalität zählen. Die Familie und ihr Interesse an einer nachhaltigen Existenzsicherung unseres

traditionsreichen Unternehmens geben Stabilität und Kontinuität, also Werte, die in unserer schnelllebigen und krisenreichen Zeit sehr geschätzt werden müssen.

Bitte vervollständigen Sie diesen Satz: Villeroy & Boch ist für mich...

... DAS Unternehmen, welches über mehr als 260 Jahre wie kein anderes weltweit die Keramik geprägt hat und dies auch in Zukunft weiter tun wird.

Sie sind ein Mann mit Visionen: Wie entwickelt sich Villeroy & Boch in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren?

Villeroy & Boch steht für Keramik, exklusives Design und höchste Qualität. In diesen Bereichen, aber auch bei Innovationen, bei der Kundennähe, im Umgang mit den Mitarbeitern und in unserer Leistungsbereitschaft müssen wir die Besten sein. Villeroy & Boch hat großes Potenzial in den globalen Märkten, aber immer noch auch in unserem europäischen Heimatmarkt. Für mich gilt weiter das "House of Villeroy & Boch" als ganzheitliches Marketing- und Vertriebskonzept, das ganz klar für europäischen Lifestyle steht. Wenn wir dieses Konzept weiter richtig umsetzen, bin ich davon überzeugt, dass die Premium-Marke Villeroy & Boch weltweit kontinuierlich mehr Zuspruch erfahren wird. Villeroy & Boch ist auf einem sehr guten Weg!

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