Euro-Schwäche

Handel prognostiziert steigende Preise

Für den Export ein Segen, für den Import eine Belastung: Durch die anhaltende Schwäche des Euro gegenüber dem US-Dollar werden sich 2015 Einfuhren aus vielen Importregionen verteuern, befürchtet die Außenhandelsvereinigung

Für den Export ein Segen, für den Import eine Belastung: Durch die anhaltende Schwäche des Euro gegenüber dem US-Dollar werden sich 2015 Einfuhren aus vielen Importregionen verteuern, befürchtet die Außenhandelsvereinigung des Deutschen Einzelhandels e.V. (AVE). Die Folge wären steigende Verbraucherpreise für Konsumgüter.
Anders war die Situation im vergangenen Jahr, erklärte AVE-Hauptgeschäftsführer Jens Nagel anlässlich der Veröffentlichung der Importzahlen des Statistischen Bundesamts heute in Berlin. Insgesamt gingen die Importpreise 2014 um 2,2 Prozent zurück. Einen wichtigen Anteil daran hatte der niedrige Ölpreis, der 2014 um 9 Prozent gefallen ist. "Aber selbst wenn man die Energiepreise heraus rechnet, sind die Importpreise immer noch um erfreuliche 0,7 Prozent gesunken. Die Importe haben damit ganz wesentlich zur Preisstabilität für den Konsumenten beigetragen", so Nagel.
Nach Einschätzung des Handels wird der Trend sinkender Importpreise jedoch nicht anhalten. "Für 2015 rechnen wir damit, dass die Importpreise durch die anhaltende Euro-Schwäche erstmals seit zwei Jahren wieder anziehen werden", sagte Nagel. "Hält der Kursverfall an, wird sich das auch bei den Verbraucherpreisen bemerkbar machen." Betroffen wären Importe aus dem Dollar-Raum sowie insbesondere Textilien, Schuhe, Elektronik und Haushaltswaren aus Asien, wo überwiegend in US-Dollar abgerechnet wird.
Erste Auswirkungen der Euro-Schwäche seien bereits seit einigen Monaten spürbar. So stiegen die Preise für Lebensmittel aus dem Dollar-Raum im Dezember um 3,6 Prozent, während sie im Euroraum um 4,7 Prozent abnahmen. Bekleidung aus dem Euro-Raum wurde 1 Prozent teurer, während Bekleidung aus dem Dollar-Raum zum Jahresende einen Preissprung um 3,1 Prozent hinlegte. Die Preise für Schuhimporte aus Asien stiegen im Dezember um 4,9 Prozent, die Importpreise für Haushaltsgeräte um 3,3 Prozent, jene für Kaffee sogar um 51 Prozent.
Eine signifikante Verschiebung der Warenströme erwartet Nagel angesichts der Euro-Schwäche jedoch nicht. "Neben dem Preis spielen für den Handel auch langfristige Geschäftskontakte, Zuverlässigkeit, Know-how und Infrastruktur eine Rolle", betonte der AVE-Hauptgeschäftsführer. "Ein kurzfristiges Ausweichen auf alternative Lieferländer ist daher unwahrscheinlich."