"Süddeutsche Zeitung Magazin"

“Gute Nacht!” – von Bettritzen, Morgengrauen und Lieblingsträumen

Warum sich die bezogene Bettdecke international ausbreitet, welcher Albtraum Wolfgang Joop zu schaffen macht und warum wir von Betrunkenen regiert werden – all dies und noch viel mehr erfährt man

Warum sich die bezogene Bettdecke international ausbreitet, welcher Albtraum Wolfgang Joop zu schaffen macht und warum wir von Betrunkenen regiert werden – all dies und noch viel mehr erfährt man in der aktuellen Ausgabe des "Süddeutsche Zeitung Magazin", die am vergangenen Freitag erschienen ist. Sie beschäftigt sich umfassend mit dem Schlaf.
Dabei setzt sich das Magazin mit dem Thema charmant und witzig auseinander. Sehr gelungen ist zum Beispiel der Artikel über Schlafzubehör und -gewohnheiten sowie die Wechselwirkungen zwischen beidem. Im Mittelpunkt steht der Konflikt zwischen dem zwei-Laken-System und einer bezogenen Bettdecke. Eindrucksvolle Bilder zeigt die Strecke "Warte, bis es dunkel wird". Hierbei wurde der Schatten von Möbeln so inszeniert, dass Spinnen, Dinosaurier und Roboter an der Wand lebendig werden.
Lohnenswert ist auch der Artikel über den Schlafmangel unserer Politiker. Dieser führt laut des Baseler Chronobiologen Christian Cajochen zu einem Zustand, der dem eines Betrunkenen ähnelt. Gleichzeitig handeln unausgeschlafene Personen verantwortungsloser, hemmungsloser und unethischer als andere. "Forscher haben Menschen wochenlang nur fünf Stunden schlafen lassen und sie dann aufgefordert, zusammen mit ausgeschlafenen Probanden Ballons um die Wette aufzublasen. Der Deal war: Je größer der Ballon wird, desto mehr Geld gibt es. Platzt er, gibt es nichts. Die übermüdeten Menschen pusteten die Ballons immer weiter auf, bis sie explodierten und das schöne Geld ganz weg war. Ausgeschlafenen passierte das nicht. Wahrscheinlich gibt es keine schönere Metapher für Bedeutung und Anteil der Schlaflosigkeit an der Endphase des Spätkapitalismus."