Einrichtungspartnerring VME Gesellschafter im Portrait

Guido Münstermann: „Wir sind das Erlebnis-Einrichtungshaus in Westfalen“

Zur Top-News der Woche ist das Turflon-Update für 2024 von den Leser:innen auf moebelkultur.de in der vergangenen Woche geklickt worden. Deshalb hat sich die Redaktion kurzfristig dazu entschlossen, mit einem aktuellen VME-Gesellschafter-Portrait nachzulegen, und hat sich deshalb mit Guido Münstermann mitten im Weihnachtstrubel per Video zu einem Interview verabredet…

Foto: Möbel Turflon

Es ist ohne Zweifel eines der bekanntesten Möbelhäuser Deutschlands. Und dennoch hat Turflon in Werl eine etwas andere Geschichte als der typische Einrichtungshändler, wie Guido Münstermann, der heutige Firmenchef, erklärt. Turflon ist nicht wie sonst üblich vor mehreren Generationen aus einem Schreinerbetrieb hervorgegangen. Denn sein Vater ist zunächst nur ganz am Rande des Home&Living-Segments tätig gewesen: 1966 erwirbt Klemens Münstermann eine kleine textile Produktionsfirma und verlegt die Fertigung nach Werl-Büderich. In den ersten Jahren werden dort Läufer, Bettumrandungen und Badematten hergestellt. Der Name Turflon ist eine Wortschöpfung und steht für „Turf“ = Rasen und „Lon“, was als Endsilbe für synthetische Materialien wie z.B. Nylon, Perlon oder Dralon gebräuchlich ist.

Zum Möbelhändler ist Klemens Münstermann dann aus einem Impuls heraus geworden. Mit seinem ersten selbst verdienten Geld und einem Anhänger ist er zum Sofakauf nach Hamm gefahren, wo er ein Polstermöbel seiner Wahl sofort mitnehmen wollte – mit 20 Prozent Rabatt. Dass er mit diesem Wunsch nicht durchkam, faszinierte ihn. Ein Business, in dem so preisstabil vermarktet wird, konnte so verkehrt nicht sein und er entschloss sich, in den Möbelhandel einzusteigen.

Die Anekdote zeigt: Klemens Münstermann ist ein leidenschaftlicher und begeisterungsfähiger Mensch. „Für ihn wurden die Dinge immer am POS entschieden. Der Verkauf war das Maß aller Dinge“, sagt Guido Münstermann, der diese Philosophie auch heute noch pflegt, über seinen Vater.

Ob er viele Eigenschaften vom Unternehmensgründer geerbt hat? „Ja, die Leidenschaft ganz sicher, aber strategisch muss am Ende jeder seinen eigenen Weg gehen“, reflektiert er. „Aber wir sind sehr stolz auf das, was er uns hinterlassen hat.“ Allerdings lenkt Guido Münstermann nun auch schon lange – seit 2006 – das Turflon-Steuer. Er hat drei Geschwister, aber er ist derjenige, der das Möbel-Business übernommen hat.

Heute ist Möbel Turflon ein fester Bestandteil in der Region – mit Kunden von Winterberg bis Bochum und vom Münsterland bis Hagen. Das Einzugsgebiet ist groß, aber auch das Haus selbst ist mit der Zeit immer weitergewachsen und so zu einem Besuchsmagneten für alle vier Himmelsrichtungen geworden.

In den 1970er Jahren lag der Schlüsselfaktor des Erfolgs noch im ursprünglichen Münstermann-Geschäft: „Teppichböden ab Fabrik“. Die „Bodenbeläge aus dem eigenen Turflon-Teppichwerk“ wurden mit großem Marketing-Effekt beworben. Gute Geschäfte waren die Folge, die den Grundstein für die weitere positive Geschäftsentwicklung gelegt haben. Guido Münstermann erinnert sich, dass immer irgendwo etwas im Bau war. Heute umfasst das Einrichtungshaus 52.000 Quadratmeter Handelsfläche inklusive Discount- und Küchenfachmarkt. Der Standort war dabei nicht unbedingt von der ersten Stunde an ein Vorteil, denn erst seit 2013 führt eine Umgehungsstraße von der Autobahn zu Turflon – 50 Jahre lang war man deshalb gezwungen, erst durch ein Dorf und dann durch ein Industriegebiet zu fahren. Aber auch diese umständliche Anreise nahmen die Kunden auf sich und so hat Turflon immer mehr Fans gewonnen. Auch das Restaurant ist ein beliebter Treffpunkt, der allein stolze zwei Millionen Euro pro Jahr einspielt.

Das letzte Mal wurde das Haus von 2013 bis 2015 mit allen Abteilungen grunderneuert und die gesamte Eingangssituation modernisiert. In dieser Zeit ging auch die Küchenarena an den Start. Mit über 150 Markenküchen besitzt Turflon seitdem eines der größten und modernsten Küchenstudios in Westfalen.

Die Fachsortimente sind ebenfalls ein wichtiges Thema, denn Turflon hat sich einen „Kaufhaus-Status“ erarbeitet – ein Umsatzanteil von knapp 20 Prozent spricht für sich. Stichwort Erlebniskauf: Late Night-Shopping, Sonntags-Shopping, Kochschule, Bauernmarkt oder das Ferienfestival – zwar ist nicht alles nach der Pandemie wieder zum Laufen gekommen wie zuvor, aber dennoch spielen Veranstaltungen für die Kundenbindung bei Turflon traditionell eine große Rolle.

Durch solche Formate kommen auch viele jüngere Kunden zu Turflon. Das liegt nicht zuletzt am Markenaufritt in den sozialen Netzwerken, denn Guido Münstermann überträgt Verantwortung an die Generationen, die sich damit auskennen. „Die Ansprache muss immer den richtigen Ton treffen. Wir haben momentan ein Social-Media-Team, das beispielsweise für Tiktok Bewegtbilder produziert und Einblicke ins Unternehmen gibt. Das ist viel authentischer, als wenn ich dort selbst erzählen würde, wie toll unser Unternehmen ist“, sagt Münstermann. Die Strategie zeigt Wirkung: Noch nie zuvor hat es so viele Bewerbungen für Ausbildungsplätze bei Turflon gegeben wie in diesem Jahr.

Dem VME steht Guido Münstermann sehr nahe: „Das Verhältnis zu den Mitgesellschaftern ist fast schon familiär, was wahrscheinlich auch daran liegt, dass wir sehr früh dabei waren und noch nie in einem anderen Verband gewesen sind. Für uns war schon immer klar, dass wir einen starken Full-Service-Verband brauchen, weil wir uns so auf unsere Stärken konzentrieren und von den Services und Eigenmarken der Zentrale profitieren können.“

Aktuell steht Nachhaltigkeit im Fokus: Photovoltaik-Anlagen sind gerade auf einer Fläche von 4.500 qm in Betrieb genommen worden. Im kommenden Jahr sollen noch einmal 9.000 qm hinzukommen, dann auf einer benachbarten Freifläche.

Und wie sind die Kunden gerade gestimmt? „Momentan kommen sie – bei schwächerer Frequenz – sehr gezielt und kaufen hochwertiger“, diagnostiziert Guido Münstermann. Und dennoch hat auch Turflon etwas nachjustiert, um die Kosten zu senken. So wird zum Beispiel kein Abendessen mehr angeboten, weil die Frequenz ab nachmittags im Restaurant abnahm. Auch die Öffnungszeiten sind nun kürzer: Geschlossen wird um 19 Uhr und nicht mehr wie früher um 19.30 Uhr – mit positiven Folgen für die Mitarbeitenden und ohne negative Folgen für den Umsatz.

Jetzt ist sogar wieder etwas mehr Bewegung zum Jahresausklang ins Geschäft gekommen. Am Ende geht die Gleichung auch in schwächeren Konsumphasen auf: Die Marke Turflon steht für Auswahl, Persönlichkeit und Beratung. Und in der Krise setzen die Menschen auf Vertrautes. Also auf Turflon.